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Pressemitteilung - Detailansicht

15.02.2011, Zukunftsforum am 09.02.2011 im Augustinerkloster

Oberbürgermeister Knut Kreuch

"Gotha im Jahr 2025 und später  - Der neu entdeckte Lebensmittelpunkt"

Wenn die Bürgerinnen und Bürger der Residenzstadt Gotha im Jahre 2025 das Jubiläum "1250 Jahre Gotha" begehen, werden die Vereinten Nationen zu einem Kongress in die Residenzstadt einladen, führende Staats- und Regierungschefs werden sich vor Ort anhand der uneigennützigen Arbeit und des Engagements der Bürger in Gotha von der Lebendigkeit eines intakten Gemeinwesens überzeugen, Gotha wird Modellprojekt weltweit.

Die Gothaerin und der Gothaer im Jahre 2025 sind Menschen, die stolz sind auf ihre Heimatstadt, die mindestens einmal täglich per SMS, Mail, in Facebooks oder in der wieder neu entdeckten Briefform und natürlich per Fernsehtelefon im weltweiten Netz von ihrer Stadt schwärmen. Kommt der Fremde in die Stadt, wird er überall mit herzlichen Worten und einem Lächeln aufgenommen, nie klagt der Gothaer, sucht immer zuerst nach Möglichkeiten wie er helfen kann, sucht nie die Schuld bei anderen, sondern packt an und ist aufrichtig.

Der Mensch im Gotha des Jahres 2025 wird in einer Stadt der kurzen Wege leben, wo er mit wenigen Schritten zwischen Wohnen, Arbeiten und Lebenskultur alles erreichen kann, was ihm Lust macht, ein lebens- und liebenswertes Miteinander zu führen. Die Durchschnittsfamilie hat mindestens drei Kinder, die vom ersten Tage an in der kommunalen Gesellschaft voll umsorgt werden. Fürsorge gewähren moderne Kindertagesstätten oder Großelternpatenschaften. Mütter können damit sofort wieder in den Lieblingsberuf einsteigen, sie haben keinen Stress an der Arbeit, erhalten einen guten Lohn, Väter sind nicht auf Montage, sondern in erfüllten Berufen und können teilhaben an der Erziehung. Ebenso sind Großeltern vor Ort, Kinder müssen nicht ohne die Liebe der vitalen Alten und ihre Geschichten groß werden. Man entdeckt plötzlich Familie neu und wohnt nicht in Pseudo-Mehrgenerationshäusern sondern in Familienhäusern, weil man Familie ist oder sich so fühlt. Wer keine Kinder hat, beteiligt sich mit einem zusätzlichen Steuerbetrag am Wachstum der Gemeinde oder übernimmt die Patenschaft für ein anderes Kind.

These:
Grün in den Hauptadern, wirtschaftlich stark die Stadtränder und lebendig pulsierend das Herz - das ist das Gotha der Zukunft! Tausende kommen unentwegt zur Arbeit in die Stadt, wiederum Tausende sind durch moderne Telekommunikationsnetze von zu Hause mit Arbeitsplätzen in der Stadt verbunden, fühlen sich eingebunden in die Entwicklung der Stadt.

Was kommt auf die Bürger zu?
Die Bevölkerung Gothas wird älter, das ist nicht schlimm, denn erst ab 80 Lebensjahren fühlt man sich zur älteren Generation gehörig. Der Mensch passt sich an. Das Klima bringt trockene Sommer und eiskalte Winter, diese machen den Menschen zu schaffen. Gerade der Freizeitgeneration (also die über 80 Jahre), deren Anteil auf über 30 % der Bevölkerung gestiegen ist, macht das zu schaffen. Doch die Stadt hat vorgesorgt, sie spendet Schatten im Sommer und Halt im Winter, denn die in den letzten 10 Jahren angelegten neuen grünen Oasen in der Stadt sind Ruhepunkte, im hektischen Alltagsleben. Hier findet man Schatten und Abkühlung. Gleichzeitig verbessern sie das Stadtklima. Ein besonders gelungenes Beispiel ist der neue Grünzug entlang der Ratsrinne und des Wilden Grabens, der sich vom Grünen Weg, südlich des Viaduktes bis in das Heutal erstreckt. Damals, vor dem Jahr 2010, nutzte man die Chance der Veränderung eines ganzen Stadtteils. Keiner wollte mehr an einer stark befahrenen Straße wohnen. Und so entwickelte man in der Stadtverwaltung Pläne zum Rückbau der leer stehenden Häuser in der Mohrenstraße. Mit Hilfe von Städtebaufördermitteln wurden damals 2011 die ersten Bäume gepflanzt. Jetzt steht hier ein richtiges Wäldchen. Einzelne stehengebliebene Häuser markieren noch die alte Baulinie der Mohrenstraße. Auch der Busbahnhof, ehemals eine voll versiegelte Bitumenfläche, die im Sommer sengend heiß wurde, ist jetzt ein kleiner Park, wo unter schattigen Bäumen die Autos der Bürger oder der Gäste stehen. Die Busse halten längst an viel günstigerer Stelle in der Huttenstraße, direkt an der Fußgängerzone.

Durch den steigenden Anteil von Menschen, die nicht selbst fahren wollen, ist die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs und der Radwege in Gotha gewachsen. Da wird jede Verbesserung, wie dieser neue Verknüpfungspunkt zwischen Bus und Straßenbahn direkt an der Altstadt, dankbar angenommen. Auch findet es der Bürger toll, dass er auf gut ausgeschilderten Radwegen seine Vorfahrt genießen kann, ohne Fußgänger zu stören oder zwischen den Autos fahren zu müssen. Nicht nur in der Stadt ist er mit dem Fahrrad mobil, sondern er kommt auch gut in die Nachbarstädte.   Natürlich haben an den meisten Ampelanlagen jetzt die Busse und Bahnen Vorfahrt. Das verkürzt die Fahrtzeit, so dass jetzt auch zunehmend Berufstätige Bus und Bahn benutzen. Benzin kostet zwischenzeitlich 3,00 Euro je Liter. Da fährt man mit dem Bus wirklich günstiger.

Kulturelles Wachstum - Das Barocke Universum
Gotha, eine Stadt mit reicher kultureller Landschaft, in die täglich tausende Besucher schon am frühen Morgen am Tourismusterminal am Marstall ankommen, die sich zuerst einige Stunden im Herzoglichen Museum aufhalten, um Sammlungen von Weltruhm zu besichtigen. Sie erhalten hier Anregungen nach Dresden in den Zwinger, in die Eremitage nach St. Petersburg oder den Louvre nach Paris zu fahren.  

Beim Blick aus dem Museum liegt dem Gast das Veranstaltungsforum Gotha vor den zwei markanten Friedenstein-Türmen zu Füßen, wo sich jährlich beim "Friedenstein-Spektakel" alle Topkünstler der Welt treffen, um vor zehntausenden Menschen zu gastieren. Höhepunkt eines jeden Jahres ist die Show der Hochseiltruppe Geschwister Weisheit, die vom Fürsten von Monaco das Prädikat "Fürstlich-Monegassische Artisten" erhielten.

Beim Spaziergang durch den ältesten englischen Garten auf dem Kontinent werden sie angehalten von jungen Künstlern, deren Keimzelle einst der kleine Verein "Art der Stadt" war, im mimischen Szenenspiel werden sie auf den Spuren des Herzogtums Sachsen-Gotha und jenes "Opa von Europa" in das "Barocke Universum" Gotha eingeführt. Sie erleben Kunstsammlungen, Theater, Bibliothek, Münzkabinett, Archiv und Schlosskirche als einmaliges Juwel der Weltkultur. Aufgeschreckt werden die Touristen über Wissenschaftler, die mit Saurierfährten hantieren und im Westgarten des Schlosses ein neues "Museum der Natur" konzipieren.

Angefüllt mit so viel kulturell reicher Nahrung sind die Menschen hungrig geworden. Sie blicken vom Schloss auf die herrliche lebendige Altstadt, die auf Schritt und Tritt einlädt  in interessante Boutiquen sowie liebevolle kleine Kneipen, Cafes und Pub`s. Man hört Menschen lachen. Nette Stadtführerinnen und Stadtführer erläutern auf unnachahmliche Weise die Geschichte imposanter Bauwerke, in denen sich geschäftstüchtiges Leben regt. Fast 500 Jahre alt ist das rote Rathaus und genauso lang ist die Zeit, in der tüchtige Bürgermeister von hier aus die Geschicke der Stadt leiteten. Gestärkt ziehen die Touristen durch die Stadt, bummeln durch die kleinen Geschäfte und kommen in die Gartenstraße, deren anmutige Gärten und Bäume die Fremden entzücken. Die Gothaer haben Fassaden und Vorgärten geschmückt und zu jeder Jahreszeit laden sie mit besonderen Höhepunkten zum Verweilen ein.

Fazit:
Das Barocke Universum Gotha wird weltweit einmalig sein, es umfasst die zauberhafte Parklandschaft der Stadt, das Schloss Friedenstein mit seinen Museen und der Bibliothek, die Universität Gotha-Erfurt, das Europäische Museum der Orangeriekultur in der Orangerie, das Ausstellungsforum im Lorbeerhaus, die Stadtbibliothek im Winterpalais, wo Queen Victoria und Prinz Albert im Jahre 1845 weilten, die wissenschaftlichen Forschungsstätten des Perthes-Forum Gotha mit dem bedeutsamen Thüringischen Staatsarchiv Gotha sowie Schloss Friedrichsthal als Sitz einer Landesbehörde.

Es ist Abend, immer noch lebt die Stadt! Vor allem auch deshalb, weil es gelungen ist, durch in Gotha gebürtige Wissenschaftler und eine intensive Förderung der Wirtschaft eine Europa-Akademie in Gotha anzusiedeln, die mit 3.000 Studentinnen und Studenten die besten Wissenschaftler ausbildet und weithin gerühmt wird.

Junge Leute gehen zur Arbeit, täglich mit vielen Unterbrechungen. Sie arbeiten lebenslang, die Arbeit macht ihnen Spaß, sie wollen keine Rente mehr, weil sie die Möglichkeit erhalten, bis zu dem Tage zu arbeiten, an dem sie körperlich oder geistig dazu nicht mehr in der Lage sind. Die Rentendiskussion entschwindet, denn wer nicht mehr arbeiten kann, wird von seiner Heimatstadt Gotha, in der er mindestens zwanzig Jahre Steuern zahlte, bis zum Lebensende in hoher Qualität versorgt.

Öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen muss mit Kontinuität geschehen, dazu ist es notwendig, dass die Stadtmarke "Gotha adelt" immer wieder mit neuen Impulsen besetzt wird. Die durchgängige Entwicklung öffentlicher Aufmerksamkeit im deutschen und europäischen Raum ist dabei wichtig. Große Veranstaltungen wie der Thüringentag des Jahres 2011 dürfen keine Eintagsfliegen bleiben. Hier sollte im Jahre 2013 die 50. EUROPEADE, das größte Tanzfest Europas folgen (Bewerbung ist eingereicht). Für die folgenden Jahre ist eine Thüringer Landesausstellung denkbar , besser noch eine Ausstellung des Europarates mit internationalem Profil, Gotha wird sich 2019 an der Internationalen Bauausstellung "100 Jahre Bauhaus" beteiligen und die Ausrichtung einer Thüringer Landesgartenschau anstreben. 

Sonne schafft Zukunft in Gotha!
Gotha wird grüner werden, möglichst pflegeleichte naturnahe Begrünungen sind vorzunehmen, doch es steigt der Pflegeaufwand an. So konnten zwar neue Arbeitsplätze in Gartenbetrieben geschaffen werden, diese belasten aber den städtischen Haushalt. Also müssen neue Geldquellen erschlossen werden. Zur langfristigen Sicherung von Einnahmen verfolgt die Stadt Gotha nunmehr seit über 10 Jahren eine andere Strategie - regenerative Energiegewinnung. Bereits 2011 wurde durch Bebauungspläne Baurecht zur Errichtung von Photovoltaikanlagen im Gelände der alten Russenkaserne in Gotha-West und auf dem Gelände der Mülldeponie in Gotha-Ost geschaffen. Diese Photovoltaikparks liefern nicht nur auf saubere und umweltfreundliche Art Strom, durch die Produktion dieses Stroms wird auch Gewerbesteuer fällig. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass 80 % der Gewerbesteuer am Ort der Stromerzeugung zu entrichten ist. Da die Investoren auf die Schaffung von Baurecht durch die Stadt angewiesen waren, gelang es in Verhandlungen, diesen Anteil vertraglich auf 90 % anzuheben. Seither wird regenerative Energiegewinnung in Gotha als verlässliche Einnahmequelle für den städtischen Haushalt geschätzt. Zahlreiche weitere Vorhaben folgten.

Auch Strauch- und Baumschnitt, der früher verbrannt oder kompostiert wurde, ist heute als wertvoller Rohstoff für Holzpellets gefragt und wird, wie Altpapier und Kunststoffe, eingesammelt (Städte wie Eisenach und Erfurt haben schon früher damit angefangen). Seit kurzem wird auch Biomasse von städtischen Grundflächen hierfür genutzt. Die Betriebskosten städtischer Immobilien konnten durch den Einsatz dieses Heizmaterials gesenkt werden.

Durch laufende Verbesserung der Infrastruktur (Straßen, Ver- und Entsorgungsleistungen) gelang es, die ursprünglich vorhandenen Betriebe in Gotha zu halten. Mit Fertigstellung der neuen Verkehrstrasse B 247, wird der Industriestandort Gotha-Ost deutlich gestärkt. Auch die Wohngebiete im Osten der Stadt sind durch die Herausnahme des Durchgangsverkehrs aufgewertet worden. Hauseigentümer haben Sanierungsarbeiten durchgeführt. Der Wohnungsleerstand ist rückläufig.

Und die politische Zukunft?
Gotha im Jahre 2025 ist Kreisstadt eines der größten Landkreise in Thüringen. Der Freistaat Thüringen wird sich die Verpflichtung auferlegt haben, bis zum Jahre 2050 mit den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt den neuen Freistaat Wettin begründet zu haben. Auch dann bleibt Gotha Kreisstadt, entwickelt sich zu einer Stadt mit oberzentraler Funktion. 

Im ersten Schritt werden bis 2025 die Städte Gotha und Waltershausen einen Städteverbund gründen, wie dies bereits zwischen Dessau-Roßlau oder Bitterfeld-Wolfen geschehen ist. Die Bürger der Stadt mit dann weit mehr als 50.000 Einwohnern wählen in direkter Wahl das Stadtoberhaupt, den Oberbürgermeister. Dessen Stellvertreter sind zwei Bürgermeister, die beide in Direktwahl in den Stadtteilen Gotha und Waltershausen gewählt werden. Im nächsten Schritt wird sich der Landkreis Gotha bis 2050 auflösen und die Gemeinden des heutigen Landkreises werden souveräne Orte mit direkt gewählten Bürgermeistern, die Aufgabe des Landrates übernimmt der Oberbürgermeister, der ab dann auch von allen Bürgern der neuen Stadt gewählt wird.

Die Stadt Gotha wird im Jahre 2050 das Territorium des historisch gewachsenen Herzogtums Gotha von 1826 umfassen. Damit wird die von Ernst dem Frommen eingeleitete Staats- und Bildungsreform fast 500 Jahre später von Neuem umgesetzt. Die Stadt hat 130.000 Einwohner.

Die jetzt aufgezeigte Entwicklung klingt verrückt, doch sie wird kommen. Vor einem Vierteljahrhundert hätte auch niemand geglaubt, dass sich Deutschland friedlich wieder vereinigt, dass wir heute durch Telekommunikation in Sekunden mit der ganzen Welt vernetzt sind. Wichtig ist nur, Wettbewerb allein, darf nicht die Quelle unseres Lebens sein, die rasanten Entwicklungen in China werden in Kürze dazu führen, dass die Systeme dort, in einer Wirtschaftsrezession zusammenbrechen, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2008 kein Vergleich ist.

Wir Menschen haben die Aufgabe, alle Probleme friedlich zu lösen, ohne Waffen auf dem Kriegsfeld, ohne Worte als verletzende Waffen gegenüber dem Nachbarn und wäre es nicht schön, wenn im Jahre 2050 Richter nur noch dazu da wären, um Schülern zu erzählen, was früher alles im Gerichtssaal geschah, als sich Nachbarn stritten usw. 

Und die kirchliche Entwicklung?
Mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2011 in Erfurt wird die Wende in der Kirchengeschichte eingeleitet. Beim Überflug Gothas blickt der Papst auf Schloss Friedenstein. Er sieht die zwei unterschiedlichen Türme, fest verbunden mit starken Grundmauern. Er erkennt, die Türme stehen nebeneinander wie die evangelische und die katholische Kirche. Doch werden sie hier nicht trennend, sondern als Einheit empfunden. Ihm wird klar, er muss hier in Thüringen seinen Friedenstein zur Zukunft der Kirche setzen. Deshalb erklärt er 2011 auf dem Domplatz zu Erfurt:

Bis zum Jahre 2046, dem 500. Todestag von Martin Luther, wird anlässlich dessen Heiligsprechung, die neue Katholisch-Protestantische Kirche gegründet. Pfarrer und Priester leben in Ehe und  Familie, die Gesellschaft wird wieder aus fast 52% Christen bestehen, die Kirchenmitglieder vor Ort bestimmen bei allen demokratischen Prozessen mit und über Regionalbischöfe wird der Papst in Rom beraten, der Papst kann, aber muss nicht mehr bis zum Lebensende arbeiten.

"Visionen sind Strategien des Handelns. Das unterscheidet sie von Utopien." (Roman Herzog)

Deshalb die klare Ansage:
Was wir für Gotha brauchen sind kreative, außergewöhnliche, innovative Ideen und den Mut, auch einmal eingefahrene Gleise zu verlassen.

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