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01.04.2021, Zu Corona-Ostern den Frieden nicht vergessen - Oberbürgermeister Knut Kreuch erinnert an den 4. April 1945

Zum zweiten Male ein Osterfest, das geprägt sein wird vom Maskentragen und dem Einhalten des Abstandes zueinander. Dies hatte vor 76 Jahren eine ganz andere Bedeutung. Heute gilt es Abstand zu halten, um sich oder andere nicht zu infizieren, damals gewannen immer mehr bereits Infizierte Abstand vom alten System.

Am 4. April 1945, das war der Mittwoch nach Ostern, wurde Gotha durch die amerikanischen Streitkräfte unter General Patton als erste thüringische Stadt vom Nationalsozialismus befreit. Der Österreicher Josef Ritter von Gadolla gab sein Leben, weil kein Deutscher bereit war die Stadt kampflos zu übergeben. Deutsche waren bereit, weitere Bombenabwürfe sowie den Tod vieler Mitbürger zu riskieren und nahmen dabei auch eine totale Zerstörung in Kauf, die sie tagtäglich durch die Ruine der Margarethenkirche am Neumarkt vor Augen hatten. Noch heute erinnert sich der in Springe lebende gebürtige Gothaer Klaus Rauschert an Ostern 1945:

„Ich war damals Schüler des Gymnasiums in der Bergallee. Am 3. April waren Osterferien. Wir hatten von der Schule den Auftrag, in den Ferien Altmaterial zu sammeln und ich als Terzianer hatte den speziellen Auftrag, an jedem Werktag zweimal zu kontrollieren. An den beiden Feiertagen, 1. und 2. April, war ich nicht dort, und als ich am 3. April gegen 8.30 Uhr hinkam, fand ich an der Tür der Schule ein Plakat: "Kampfkommandantur Gotha". Ein Soldat war nicht zu sehen. Ich ging in die Schule hinein: es brannte Licht, aber es war totenstill. Die Situation wurde mir unheimlich, ich legte das mitgebrachte Altpapier irgendwo hin und verließ das Haus. Ich ging gemächlich zu unserer Wohnung in der heutigen Breitscheidstraße zurück. In der ganzen Stadt war eine gespenstische Stille. Kein Mensch, kein Auto war zu sehen oder zu hören. Ich ging zunächst durch den Park, dann durch die Ohrdrufer Straße und die Stielerstraße. In der Ohrdruferstraße überholte mich ein deutscher Militär-Pkw, in dem ein Offizier und zwei weitere Soldaten saßen. Nachdem dieser etwa 20 Meter vorbeigefahren war, hielt er an. Da die drei Soldaten zu mir her sahen, ging ich etwas schneller auf sie zu.  Der Offizier fragte mich, wie sie nach Eisenach kommen könnten, ohne die Autobahn zu benutzen. Nach sehr kurzer Überlegung riet ich, etwa 30 Meter zurück zu fahren und dann nach links in die Schlossallee (Parkallee) einzubiegen und diesem Straßenzug bis nach Sundhausen zu folgen, dann über Waltershausen weiter zu fahren. Der Offizier bedankte sich, sie wendeten dann aber nicht, sondern fuhren in der bisherigen Richtung weiter. Ich bin etwa 15 Minuten nach dem Gespräch mit Gadolla zu Hause angekommen - wenige Minuten später kam über die Sirenen der "Feindallarm". - Gadolla hat, wie gesagt, nach dem Gespräch die Fahrt fortgesetzt. Ich vermute, dass er hinter der Bahnunterführung rechts abgebogen und auf der Südstraße bis zur Uelleber Straße weitergefahren ist , dann auf dieser nach Süden und kurz nach dem Ende der städtischen Bebauung wieder nach rechts, um über Boilstädt und Sundhausen die Strasse in Richtung Eisenach zu erreichen. Auf dieser Strasse wurde er dann gestoppt und verhaftet. Das könnte geschehen sein, noch ehe ich zu Hause war. “ Noch heute beschäftigt Herrn Rauschert die Frage, ob es wirklich Josef Ritter von Gadolla war, dem er begegnet ist.

„Auch in dieser schwierigen Zeit nicht zu vergessen, sondern zu erkennen, was wirklich wichtig ist, das ist die Botschaft des Jahres“ so Oberbürgermeister Knut Kreuch in seinem Gedenken zum Jahrestag der Befreiung Gothas vor 76 Jahren.

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