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27.04.2016, Umzug der Oettinger Rockets Gotha nach Erfurt

Umzug der Oettinger Rockets Gotha nach Erfurt

Antwort des Oberbürgermeisters der Stadt Gotha auf eine Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion in der Stadtratssitzung am 27. April 2016

 

1. Seit wann wusste die Stadt Gotha von den Plänen der Oettinger Rockets die Spiele der kommenden Saison in Erfurt auszurichten?

Antwort:

Hier muss man zuerst klarstellen, dass nur eine Mannschaft in der kommenden Saison in Erfurt spielen wird. Der Basketballsport in Gotha umfasst 583 Mitglieder, davon 283 Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren. Im Spielbetrieb sind 21 Mannschaften, davon 5 Herren-, 1 Damen-, 2 Rollstuhlbasketball-, 9 Nachwuchs- und eine Hobbymannschaft sowie 3 Teams der Chearleader.

Der Basketballsport in Gotha organisiert sich im Verein BIG e.V., mit Präsidentin Frau Astrid Kollmar und dem Geschäftsführer, Herrn Peter Sturmhöfel. Neben dem Verein gibt es eine BIG GmbH mit dem Geschäftsführer Herr Björn Snater und dem Geschäftsstellenleiter Herr Thomas Fleddermann, diese GmbH ist ausschließlich verantwortlich für die Koordination und Organisation des Spielbetriebes der 2.Basketball-Bundesliga Pro A.

Am 22. März 2016 informierte mich die Präsidentin des Vereins BIG e.V., Frau Astrid Kollmar, in einem persönlichen Telefongespräch, das geplant ist, die Spiele der PRO A in der Saison 2016/2017 in der Messehalle Erfurt durchzuführen. Grund für diese Entscheidung sind anstehende kostenintensive Reparaturen an der „Blauen Hölle“ sowie enorme Betriebskosten. Das bedeutet aber auch, dass der Trainingsbetrieb der Mannschaft der Pro A 2. Bundesliga sowie der Trainings- und Spielbetrieb aller anderen Mannschaften, insbesondere der Jugend, in Gotha verbleiben wird.

 

2. Was wurde von der Stadt Gotha unternommen, damit die Oettinger Rockets ggf. noch in der kommenden Saison in Gotha spielen?

Antwort:

Die Entscheidung, wo der Spielbetrieb der 2.Baskettball-Bundesliga Pro A stattfindet, ist einzig und allein eine Entscheidung der BIG GmbH. Es gibt keinen Entscheidungsspielraum bzw. ein Mitbestimmungsrecht der Stadt Gotha.

 

3. Wie ist der aktuelle Stand bzgl. eines evtl. Hallenbaues für die Oettinger Rockets?

Antwort:

Der Stadt Gotha liegen keine Bauvoranfrage und auch kein Bauantrag vor.

 

4. Was hat die Stadt Gotha unternommen, um etwaige Pläne zum Bau einer Halle zu unterstützen?

Antwort:

Die Stadt Gotha und der Verein BIG e.V. pflegen seit der Vereinsgründung eine enge Beziehung. Fast alle Sporthallen der Stadt Gotha und des Landkreises Gotha in der Stadt Gotha werden durch die Mannschaften des Vereins zum Trainings- und Wettkampfbetrieb genutzt. In den Schulen der Stadt Gotha bietet der Verein erfolgreiche Arbeitsgemeinschaften an.

Die Zusammenarbeit begann unter dem damaligen Präsidenten Dirk Kollmar, als die erste „Blaue Hölle“ in der Ernestiner-Halle entwickelt werden sollte und nicht genügend Zuschauerplätze vorhanden waren. Schon hier hat die Stadt Gotha mit ihren Genehmigungsbehörden den Weg frei gemacht für die Spiele. Es war immer der Wunsch der Basketballer eine eigene Halle zu bekommen. Bereits 2012 stellten die Basketballer den Antrag in der Messe Erfurt zu spielen, diesen Antrag lehnte die Messe AG ab. Der Wunsch nach einer eigenen Halle erfüllte sich, als die alte Halle aus Jena gekauft werden konnte und in der Kindleber Straße aus dieser eine neue „Blaue Hölle“ entstehen konnte. Damals war bereits klar, dass es sich nur um eine Übergangslösung handeln kann.

Die ersten Gespräche zu einer neuen Halle fanden bereits mit Dirk Kollmar im Jahr 2009 statt, als wir am 17. März eine Halle in Chemnitz besichtigten. Damals war klar, nicht die Oettinger Brauerei GmbH baut, sondern der Verein oder die GmbH bauen, möglichst mit Unterstützung des Freistaates Thüringen und der Stadt Gotha. Im Sommer 2012 entstand die „Blaue Hölle“ in der Kindleber Straße, der Spielbetrieb war gesichert.

Im Jahre 2015 wurden die Gespräche zum Neubau einer Basketballhalle durch die Präsidentin Frau Astrid Kollmar wieder intensiviert. Am 22. Juli 2015 fand ein erstes Arbeitsgespräch zwischen Frau Kollmar und mir statt, wo wir Möglichkeiten besprachen, wie der Spielbetrieb in Gotha dauerhaft verankert werden kann. Ausgehend von diesem Gespräch haben wir zu zweit am 25. August 2015 mit der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, vertreten durch den Geschäftsführer Herr Andreas Krey, über den Bau einer Halle verhandelt. Am 5. Oktober 2015 waren Frau Kollmar und ich in Jena, um mit dem Bauherren der „Science City Arena“ über den Bau der Halle zu sprechen. Jena hat seine Leichtmetallhalle für 6 Millionen im ersten Bauabschnitt erbaut. Bauherr waren Privatpersonen, komplett finanziert durch die Sparkasse. Die Stadt Jena hat sich mit einem Betrag von einer Million Euro an diesem Bauvorhaben beteiligt, die restlichen Gelder wurden privat finanziert.

Nun gab es den Wunsch: Kann Gotha eine Mehrzweckhalle über europäische Fördermittel bauen?

Dazu muss man wissen, eine Mehrzweckhalle ist ein Gebäude, wo fast ausschließlich kulturelle und touristische Veranstaltungen stattfinden. Sportliche Veranstaltungen und Wettkämpfe in solchen Hallen sind nur in geringer Zahl erlaubt.

Am 16. Oktober 2015 gab es zu diesem Thema ein Gespräch des Oberbürgermeisters mit dem Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, dieses Gespräch mit dem Minister wurde fortgesetzt mit der Präsidentin Frau Kollmar gemeinsam am 8. Februar 2016 sowie am 27. Februar 2016 bei einem Gespräch in der Blauen Hölle in Gotha.

Hier stellte sich heraus:

Der Bau einer Mehrzweckhalle über europäische Fördermittel ist nur möglich, wenn mindestens 60% aller Veranstaltungen ausschließlich touristischen Maßnahmen von europäischer Bedeutung dienen, sprich Messen, Kongresse, kulturelle und touristische Großveranstaltungen jeweils mit mindestens 3.000 Besuchern.

Wir rechnen:

Bei 22 Basketballspielen (=40%) im Jahr bedeutet dies, dass mindestens 33 kulturelle oder touristische Veranstaltungen (=60%) a. 3.000 Besucher stattfinden müssten, das sind insgesamt 99.000 Gäste zusätzlich zu allen Gothaer Angeboten.

Zu dieser Prognose hat das Wirtschaftsministerium klar eingeschätzt, dass Gotha diesen Status und diese Auslastungszahl nicht erreichen kann, auch wegen der Nähe der Messe Erfurt.

Damit ist der Bau einer Mehrzweckhalle aus europäischen und Bundesfördermitteln nicht möglich. Hierzu muss man auch wissen, es finden jährliche Überprüfungen über einen langen Zeitraum statt, werden die Kriterien nicht eingehalten, fordert die Europäische Union die Fördermittel in vollem Umfang zurück.

Es geht weiter:

In Kenntnis dieser Tatsache, dass der Bau einer Mehrzweckhalle bzw. Mehrzweckarena in Gotha nicht aus europäischen bzw. Bundesmitteln gefördert werden kann, suchte ich nach weiteren Förderwegen. Am 21.12.2015 gab es dazu einen Termin im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft beim Staatssekretär Dr. Klaus Sühl, dieses Gespräch wurde am 2. Februar 2016 fortgesetzt. Am 23. März 2016 gab es ein weiteres Gespräch mit dem Abteilungsleiter, Prof. Dr. Olaf Langlotz. Auch hier war in allen drei Gesprächen klar, dass die Stadt Gotha keine europäischen Fördermittel (EFRE-Förderung) bzw. Bundesmittel zum Bau einer Mehrzweckarena erhalten kann.

Der Freistaat Thüringen fördert im Haushalt 2016/2017 aus seinen Mitteln den Bau von Sporthallen nur in Suhl, Eisenach und Bad Langensalza sowie den Stadionbau in Jena. Auch hier ist kurzfristig keine Förderung zu erwarten.

Am 16. Dezember 2015 führte der Landtagsabgeordnete Matthias Hey, auf meine Bitte hin, ein Gespräch mit der Thüringer Ministerin für Bildung, Frau Birgit Klaubert, ob eine öffentliche Sportförderung für die Halle möglich ist. Hier gab es die klare Aussage, es sind keine Fördermittel vorhanden.

Über die private Finanzierung der Basketballhalle gab es am 25. Februar 2016 ein Gespräch zwischen mir und dem Vorstandsvorsitzenden der Thüringer Aufbaubank, Herrn Matthias Wierlacher. Hier ist eine Finanzierung möglich, wenn die BIG GmbH bereit und leistungsfähig ist, zwanzig Jahre lang jährlich 500.000€ zu zahlen, um den günstigen Baukredit an die Aufbaubank zurückzuzahlen.

Aus den geschilderten Maßnahmen ist zu erkennen, dass die Stadt Gotha alle Möglichkeiten geprüft hat, um den Basketballsport in Gotha zu unterstützen.

 

5. Wie schätzt die Stadt Gotha die Perspektive ein, dass die Oettinger Rockets zukünftig wieder in Gotha spielen?

Gut, wenn gebaut wird. Damit Bundesligaspiele in Gotha stattfinden können, wird eine Basketballhalle benötigt, die den internationalen Standards entspricht und mindestens 3.000 Sitzplätze umfasst. Über die Kosten für eine solche Halle gibt es die verschiedensten Vorstellungen. Im Facebook wurde geschrieben „lasst einmal das Gothardusfest ausfallen, dann ist die Halle bezahlt“. Das zeigt mir, welche Unkenntnis vorherrscht, denn das GOTHARDUSFEST erhält einen Zuschuss von ca. 80.000 €, damit kann man keine Umkleidekabine bezahlen.

Seriöse Berechnungen sehen anders aus.

Der Neubau einer Basketballhalle in Gotha kostet 8 bis 10 Millionen Euro. Diesen Neubau kann sich die Stadt Gotha in den nächsten Jahrzehnten nicht leisten. Nach einer mir vorliegenden Kostenschätzung gemäß DIN 276 kostet eine Halle mit 5.000 qm Brutto-Grundfläche in Massivbauweise 9.529.000 Euro (in Worten: neun Millionen fünfhundertneunundzwanzigtausend Euro). Dass diese Zahl exakt ist, zeigt sich an der Diskussion in Eisenach, wo der Umbau der Assmannhalle zu teuer geworden ist und man jetzt für den Ballsport laut Medienberichten eine neue Halle für 9 Millionen Euro errichten will.

Welchen Lösungsansatz gibt es?

In den Gesprächen mit dem Freistaat Thüringen hat sich ergeben, dass im Doppelhaushalt 2018/2019 die Möglichkeit bestehen könnte, den Neubau einer Sporthalle, oder Basketballhalle in Gotha als zentrale Aufgabe des Landes Thüringen zu verankern. Eine solche zentrale Aufgabe würde vom Freistaat Thüringen mit 80% gefördert.

Ausgehend von der Tatsache, dass die Stadt Gotha keine Kredite aufnehmen wird, weil sie dazu dauerhaft nicht leistungsfähig ist und auch keine Rücklagen zu diesem Zwecke besitzt, ist der Nutzer gefragt.

Das bedeutet, damit die Stadt Gotha Bauherr sein kann, muss die BIG GmbH, wie im Schreiben vom 4. September 2015 an die Stadt Gotha bereits erklärt, über Sponsoren mindestens den Eigenanteil an der Baumaßnahme von 2 Millionen Euro aufbringen. Weiterhin ist vor einer Fördermittelantragsstellung ein Betreiberkonzept vorzulegen, dass eine mindestens zwanzigjährige Betreibung und Werterhaltung ohne Zuschüsse der Stadt Gotha zusichert.

Wenn Eigenmittel und Betreiberkonzept vorliegen, können wir in die Planungen für Standort, Bauausführung usw. gehen und mit dem Freistaat Thüringen in 2016 verhandeln, damit 2017 die Mittel im Doppelhaushalt des Landes eingeplant werden können. Wenn dann die Mehrheit der Landtagsabgeordneten aller Parteien zustimmt, könnte 2018 der erste Spatenstich sein und 2019 das Spiel beginnen.

Zum Abschluss:

Die Stadt Gotha steht dem Leistungssport in jedem Falle sehr positiv gegenüber. Was sich allein im Basketball durch das Engagement von Oettinger und des BiG in so kurzer Zeit entwickelt hat, ist nahezu spektakulär. Ich sehe, und damit stehe ich keineswegs allein, den Basketball in unserer Stadt als einen besonders erfolgreichen und wichtigen Faktor in der Jugendarbeit.

 

Knut Kreuch

Oberbürgermeister

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