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20.02.2009, Sondersitzung des Stadtrates am 18. Februar 2009

Informationsbericht des Oberbürgermeisters zur Sondersitzung des Stadtrates am 18. Februar 2009 im Rathaus zu Gotha

"Es gilt, das historisch gesprochene Wort und sein Inhalt"

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates, Herr Vorsitzender, meine Herren Ortsbürgermeister,

auch wenn heute nur wenige Punkte auf der Tagesordnung stehen, so haben wir doch in dieser Sondersitzung nach langen und demokratischen Wegen unser Ziel erreicht. Die Stadtverwaltung Gotha legt Ihnen heute das Konzept zum Bau des Stadt-Bades Gotha vor. Ich muss an dieser Stelle ausdrücklich sagen, dass ich den Vorschlag des Denkmalbeirates, den am Gebäude stehenden Namen "Stadt - Bindestrich - Bad Gotha" als neuen Namen zu wählen sehr begrüße. Alle Zusätze wie altes Stadtbad, Stadt- und Familienbad, Stadtbad- Sport und Freizeitbad würden "die Sache baden zu gehen" nur verkomplizieren und, ein werbewirksamer Name wäre es auch nicht geworden - danke dem Denkmalbeirat.

Lassen Sie mich bitte noch einmal kurz zusammen fassen - Der Weg bis zum heutigen Tage war weit, teilweise sehr weit, von tiefen Enttäuschungen begleitet, von hoch gejubelten Visionen gejagt, die schneller abstürzten, wie manche davon träumten.

Schon in den Jahren 1990-94 plante die Stadt Gotha die Errichtung eines Freizeitbades mit eventueller privater Beteiligung, dieses Vorhaben wurde damals hinter dem Bau des TABBS in Tabarz durch die Kreisentwicklung zurück gestellt. Im Dezember 1995 hat der neue Stadtrat Gotha die Verwaltung beauftragt, eine Lösung vorzuschlagen, wie die städtische Bäderlandschaft zukünftig geregelt werden kann. Im Jahre 1996 sind für die Konzeptentwicklung erstmals Gelder eines städtischen Unternehmens ausgegeben worden. Im März 1999 wurde nach vier Jahren Planung das erste Konzept im Stadtrat vorgelegt, welches mit einer privaten Beteiligung bis zum Jahre 2006 fortgesetzt worden ist, dazu war ein Grundstück angeworben worden. Noch in den Jahren 2004-06 hat die Stadtverwaltung immer wieder den privaten Investor in der "Güldenen Aue" gebeten, seine Zahlen und Planungen für die Fördermittelanträge zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grunde ist klar, dass die Stadt Gotha auch nach unserer heutigen Entscheidung in der Verantwortung steht, Klärung aller anstehenden Rechtsfragen zu schaffen.

Im Laufe der Thüringer Bäderentwicklung der Jahre 1995 bis 2006 und der Vielzahl der Badneubauten dieser Jahre (Tabarz, Brotterode, Suhl, Oberhof, Hohenfelden, Bad Langensalza, Mühlhausen usw.) wurde klar, dass Gotha dauerhaft kein Spaß- und Freizeitbad finanzieren kann und für die Interessen der Bürger, die Sport und Erholung wünschen auch nicht benötigt.

Mehrfachen Förderanfragen und -anträgen in Erfurt, ablehnenden kommunalen Stellungnahmen, Überprüfungsanträgen von Fraktionen bei der Kommunalaufsicht, abgesagten Fördermitteln und immer wieder neuen Standortdiskussionen erfolgte erst im Jahre 2006 durch diese Verwaltung und den heutigen Stadtrat eine neue zukunftsfähige Positionierung, der eine enge Beteiligung der Bevölkerung vorangegangen war.

Es sei mir gestattet heute daran zu erinnern:

Dezember 2006 - In der öffentlichen Diskussion entscheiden sich die Bürger Gothas für die Erhaltung des Stadt-Bades und den Neubau einer Schwimmhalle an diesem Standort.

14.03.2007 - Der Stadtrat beauftragt den Oberbürgermeister am Standort des Stadt-Bades Gotha einen Ersatzneubau und die Sanierung des Gebäudes einzuleiten. Es beginnt ein städtebaulicher Wettbewerb.

18.09.2007 - Jurysitzung - Zehn Büros reichen Vorschläge ein eine Jury prämiert die beste Umsetzung, die Bürger sind einbezogen in die Entwürfe. 

26.09.2007 - Der Stadtrat entscheidet auf Vorschlag der Jury, das Bad nach den Plänen der Architekten Veauthier/ Müller aus Berlin durch die Stadt Gotha bauen zu lassen. Gleichzeitig fassen wir den Beschluss zum Rückbau der Schwimmhalle in der Karl-Schwarz-Straße und bekennen uns zum Erhalt des Freibades in Gotha. Es beginnt die Erarbeitung des Bauantrages, es werden fachkompetente Büros gebunden, die zukünftigen Nutzer werden in die Planungen eingebunden, Wünsche werden gehört.

21.09.2008 - Abgabe des kompletten Bauantrages zum 100.Geburtstag des Stadt-Bades

10.12.2008 - Genehmigung des Bauantrages

12.12.2008 - Der Thüringer Minister für Wirtschaft, Technologie und Arbeit hat entschieden, das Stadt-Bad Gotha wird 2009 gefördert, die Fördermittelzusage der Städtebauförderung ist ebenfalls erteilt.

21.01.2009 - Abstimmung mit der gemeinde Tabarz, dass keine Konkurrenzsituation zwischen dem Tabbs und dem Stadt-Bad Gotha vorliegt.

28.01.2009 - Die Architekten stellen den Ausschussmitgliedern die gesamten Planungen für das Stadt-Bad in einem Lichtbildvortrag vor. Vorausgegangen waren Diskussionen mit den Mitarbeitern, Nutzern und Vereinen des Bades.

04.02.2009 - Sitzung des Denkmalbeirates - einstimmige Zustimmung zum Konzept

11.02.2009 - Sitzungen der Ausschüsse - einstimmige Zustimmung

11.02.2009 - Bürgerversammlung - einstimmiges Bürgervotum für das Projekt 

18.02.2009 - Sondersitzung des Stadtrates Gotha zum Badbau, anschließend sofortige Weitergabe an das Landratsamt Gotha, Kommunalaufsicht

10.03.2009 - Abgabe der Unterlagen im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit

Vom 14. März 2007 bis zum 18. Februar 2009 sind genau 708 Tage vergangen. Man glaubt, dies wäre eine Ewigkeit, doch trösten wir uns, von 1992 bis 2006 war die Zeit viel länger. 

Am Anfang des 20. Jahrhunderts brauchte man für die Planungen und Entscheidungen genau 778 Tage, damit waren wir, wenn wir heute beschließen, 70 Tage schneller! Der Bau begann am 24. April 1906 und Einweihung war nach genau 882 Tagen am 21. September 1908. Ich denke, auch diese Bauzeit könnten wir übertreffen. Es sollte keiner sagen, die Bürokratie wäre heute größer als damals. 

Sie gestatten mir, dass ich Sie noch einmal entführe und zwar ins Jahr 1905.
Am 17.10.1905 erstattet der Stadtverordnete Dr. Bretzfeld dem Stadtrat Bericht. Die 1903 begonnene Planung eines neuen Stadtbades ist nach zwei Jahren abgeschlossen. Die Kosten belaufen sich auf 292.000 Mark. Davon sind 130.000 Mark private Spenden eingegangen, so dass die Stadt Gotha 163.000 Mark zu tragen hat. Da die Stadt nur 130.000 Mark geplant hat, soll das Schwitzbad, welches 33.000 Mark kostet, nicht gebaut werden. Nach heftiger Diskussion entschloss man sich, das Schwitzbad doch zu errichten.

Schlusswort: 
Zur allgemeinen Diskussion ergreift das Wort Herr Oberbürgermeister Liebetrau:

"Wenn die Versammlung die Vorlage in zustimmendem Sinne erledige, so würde ein Beschluss gefasst, der wie kaum ein anderer mit der lebhaftesten Freude in der Bürgerschaft aufgenommen werde. Ein Bedürfnis bestehe, das beweist, dass sich der Gemeinsinn hier in geradezu glänzender Weise dem Unternehmen zugewendet hat. Das ist umso anerkennenswerter, da damit ein Wunsch der unbemittelten Bevölkerung, wie die Auslassung in der Presse erst in letzter Zeit dargetan habe, erfüllt wird. Wenn das Bad in Betrieb ist, kann man sagen, dass Gotha um eine Einrichtung für die Volksgesundheit reicher geworden ist".

Ich habe den Worten dieses weisen Gothaer Oberbürgermeisters nichts hinzufügen.

(Anmerkung: Text entstammt dem Gothaischen Tageblatt vom 17.10.1905)

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