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Pressemitteilung - Detailansicht

29.08.2011, Rede zur Verabschiedung nach Afghanistan

Rede des Oberbürgermeisters der Residenzstadt Gotha zum Verabschiedungsapell deutscher Soldaten aus der Friedenstein-Kaserne Gotha nach Afghanistan

Sehr geehrte Soldatinnen und Soldaten,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Ehefrauen und Mütter,

der 24. August 2011 ist für die Angehörigen des Aufklärungsbataillon 13 der Friedensteinkaserne zu Gotha ein außergewöhnlicher Tag. Dass wir heute auf diesem historischen Platz stehen dürfen, ist der Tatsache geschuldet, dass er nie durch Krieg und Gewalt zerstört wurde. Sie, die Gothaer Soldatinnen und Soldaten, gehen auf einen Weg, der unbestimmter nicht sein kann. Auf Friedensmission in den Krieg.

Klar und deutlich formulieren wir nun auch in Deutschland, dass in Afghanistan Krieg ist, wir reden nicht mehr drum herum. Es ist ein Krieg, der 1978 begonnen hat und nun schon 33 Jahre dauert, länger währt, als der 30-jährige Krieg des 17. Jahrhunderts, und in dem seit zehn Jahren Friedensmissionen der NATO beteiligt sind, darunter auch deutsche Soldaten. Einer der großen Deutschen, der für seine klaren Worte bekannt ist und der als Bundeskanzler 1978 am Beginn des Krieges am Hindukusch für unser Land Verantwortung trug formulierte vor wenigen Wochen:

Für Afghanistan/Pakistan/Zentralasien/islamistischer Dschihadismus gibt es gegenwärtig und in absehbarer Zukunft keine überzeugende Lösung.

Wie Recht er wieder hat - Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt, doch er entbindet die Entscheidungsträger nicht von ihrer Aufgabe, eine überzeugende Lösung zu suchen und friedlich umzusetzen.

Wir Deutschen haben uns zu Recht vor wenigen Tagen daran erinnert, dass 1961 ein Land und damit ganz Europa durch Mauer und Stacheldraht getrennt worden sind. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass diese Trennung lange Geschichte ist und bei all der Erinnerung fast vergessen, dass wir uns seit 21 Jahren in Freiheit mit Menschen in der ganzen Welt begegnen dürfen. Eigentlich sollten wir uns täglich bewusst sein, was es bedeutet, nicht umzingelt, sondern frei und ohne Angst sein zu dürfen. Deutsche Sorgen werden klein, wenn man ins Gespräch mit Soldatinnen und Soldaten kommt, die aus Afghanistan in die Heimat zurückkehren. Das dort erlebte zu verarbeiten, dauert Jahre, wenn nicht sogar ein ganzes Leben.

Wenn Sie heute Gotha verlassen und mit militärischen Ehren Abschied nehmen, dann haben Sie ein Mandat der UNO und des Deutschen Bundestages. Sie senden die Botschaft Frieden zu bringen in ein Land, das seit Jahrzehnten kein friedliches Miteinander kennt und dessen Präsident uns in einigen Entscheidungen an seinem Demokratieverständnis zweifeln lässt.

Der internationale Terrorismus ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Demokratie, ihn und seine Helfershelfer entschieden militärisch aber vor allem auch wirtschaftlich und politisch zu bekämpfen, ist ein Auftrag an die Freiheit, die es zu verteidigen gilt. Gehen Sie deshalb mit der Botschaft die Deutschlands großer Friedensfürst Herzog Ernst der Fromme von Sachsen-Gotha-Altenburg vor fast 400 Jahren in das Portal seines Schlosses Friedenstein meißelte "Friede ernähret - Unfriede verzehret". Diese Friedensbotschaft von Gotha ist mehr, als ein bloßes Wortspiel, denn ich wünsche mir, dass Sie nach ihrer glücklichen Heimkehr sich an diesem Friedenskuss treffen und uns berichten, dass der Unfriede zu Ende ist und der Friede gesiegt hat.

Ich wünsche mir von der europäischen und amerikanischen Politik, dass den Worten des amerikanischen Präsidenten Obama endlich Taten folgen und es einen gemeinsamen, und nur einen gemeinsamen, Abzug der Soldatinnen und Soldaten aus Afghanistan gibt - wir Deutschen sollten mit der gesunden Rückkehr des Aufklärungsbataillon der Friedensteinkaserne zu Gotha unseren Friedensauftrag erfüllt haben.

Gestatten Sie mir noch ein persönliches Wort: Afghanistan bedeutet ins Deutsche übersetzt "Platz, an dem ich stehe", Sie, die nun gehen, werden für eine lange Zeit nicht genau wissen, wie sicher Sie an ihrem Platz stehen, bitte seien Sie deshalb vorsichtig auf Schritt und Tritt, bei Tag und Nacht, unterschätzen Sie nicht die enormen Gefahren, die Ihnen bei ihrem Einsatz begegnen können.

Liebe Familien,
Ihnen steht eine harte Prüfungszeit bevor. Alles, was hier zu erledigen ist, liegt nun eine lange Zeit allein in Ihren Händen. Halten Sie bitte engen Kontakt zu  Ihren Männern, den Söhnen und Vätern, den Freunden, durch Internet, Handy aber auch in Gedanken, unterstützen Sie ihre Arbeit von zu Hause aus.

Heute stehen Sie an einem Platz mit Symbolkraft, hier wohnte Martin Luther, hier schuf Ernst Wilhelm Arnoldi das moderne Versicherungswesen, Johann Wolfgang von Goethe kehrte ein, hier holte sich Lucas Cranach seine Ehefrau und im Gothaer Rathaus werden seit 444 Jahren Entscheidungen für die Gothaer Bürgerschaft getroffen. Dieser Platz der Geschichte ist der Anfangspunkt für ihre Mission und wenn ich Ihnen im Anschluss eine Stadttafel Gotha zu treuen Händen übergeben werde, dann nehme ich Ihnen damit die Verpflichtung ab, mir diese Tafel unversehrt nach ihrem Einsatz als Zeichen einer glücklichen Heimkehr wieder zu übergeben.

Ich sage Ihnen im Namen der Stadt Gotha, jenem Platz an dem ich stehe, "Auf Wiedersehen" und glauben Sie mir, ich möchte Sie alle wieder sehen, hier in Gotha und an keinem anderen Platz der Erde.

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