gotha.de - :: Service :: Aktuell :: Pressemitteilungen

Pressemitteilung - Detailansicht

30.01.2019, Rede der Beigeordneten Marlies Mikolajczak in der Stadtratssitzung am 30.01.2019

B 538/18  -  Teilfortschreibung des Schulnetzplanes - Schulartänderung der Staatlichen Regelschule "Oststadt Gotha" in eine Thüringer Gemeinschaftsschule

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Beigeordnete, Herr Stadtratsvorsitzender,
meine Damen und Herren Stadträte,
sehr geehrte Damen und Herren,

in der Ihnen vorliegenden Beschlussvorlage mit der Bezeichnung "Teilfortschreibung des Schulnetzplanes - Schulartänderung der Staatlichen Regelschule 'Oststadt Gotha' in eine Thüringer Gemeinschaftsschule" geht es zwar um den Schulnetzplan. Schwerpunktmäßig werden aber nicht, wie sonst in diesen Plänen üblich, die Entwicklung von Geburten und Schülerzahlen und die damit verbundene Bereitstellung des räumlich-sächlichen Angebotes an den Schulstandorten eingehend betrachtet. Vielmehr geht es hier in diesem Fall hauptsächlich um Schulentwicklung. Schulentwicklung meint also etwas anderes als Schulnetzplanung. In der Schulentwicklung geht es um die innerschulischen Prozesse, wie pädagogisches Leitbild, Methoden, Unterrichtsorganisation oder auch um Übergänge von und in andere Schulen und Schularten.

Ein eben solcher Schulentwicklungsprozess ist auch die Entwicklung von einer Schulart in eine andere, hier von der Regelschule in eine Gemeinschaftsschule. Dieser Entwicklungsprozess beruht auf einer pädagogischen Grundkonzeption.

Wie kam es nun zur dieser Entwicklung an der Staatlichen Regelschule "Oststadt Gotha"? Bereits im Jahr 2015 hat die Schulleitung mit dem noch bis zum Endes des Schuljahres 2020/2021 gültigen Schulnetzplan bekundet, grundsätzlich ein Interesse an der Errichtung einer Gemeinschaftsschule zu haben.

Mit dem Beschluss der Schulkonferenz vom 1. November 2017 wurde dieses Interesse gegenüber der Stadtverwaltung Gotha erneut bekundet. Seitdem hat die Schulgemeinde an einem pädagogischen Konzept gearbeitet. Das Konzept wurde dem Sozial-, Sport- und Kulturausschuss des Gothaer Stadtrates in der Sitzung am 19. September 2018 vorgestellt und das überarbeitete Konzept zwischenzeitlich vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit Schreiben vom 2. November 2018 vorab gewürdigt.

In weiteren Schritten wurden alle Voraussetzungen geschaffen, damit die von der Regelschule "Oststadt Gotha" gewünschte Entwicklung zur Gemeinschaftsschule inhaltlich und formal erfolgen kann.
So hat das Landratsamt Gotha als Schulträger der gymnasialen Sekundarstufe in der Stadt Gotha die "Herzog-Ernst-Schule" als kooperierendes Gymnasium benannt. Erste Kontakte und Absprachen beider Schulleitungen bezüglich der Zusammenarbeit sind erfolgt. Im Sozial-, Sport- und Kulturausschuss (23.01.2019) berichteten die Schulleiter darüber.

Das überarbeitete pädagogische Konzept für die Errichtung einer Thüringer Gemeinschaftsschule wurde am 9. Januar 2019 durch die Schulkonferenz der Staatlichen Regelschule "Oststadt Gotha" beschlossen und soll als Grundlage des weiteren Schulentwicklungsprozesses der entstehenden Gemeinschaftsschule dienen.

Das pädagogische Konzept fußt auf dem Ansatz des Projektlernens. Demnach soll eine zweizügige Gemeinschaftsschule aus der bisherigen Regelschule mit den Klassenstufen 5 bis 10 ohne eigene Gymnasialstufe entstehen.

In den Klassen 5 und 6 wird gemeinsam in Projekten gelernt. Dabei wird eine Aufgabe oder ein Problem durch eine Gruppe von Schülern von der Planung, über die Durchführung, bis zur Präsentation des Ergebnisses bearbeitet. Hierfür sollen auch externe Partner gewonnen werden.

Ab Klassenstufe 7 lernen die Schüler über Binnendifferenzierung (also innerhalb der Lerngruppe/Klasse) auf drei Anspruchsebenen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium). Ab Klassenstufe 9 soll abschlussbezogen gelernt werden: entweder in dafür extra eingerichteten Lerngruppen/Klassen oder, wenn es die Schülerzahlen nicht zu lassen, weiter über Binnendifferenzierung. Wichtige Bestandteile des Konzeptes sind außerdem die Durchführung von Sozialprojekten und die Arbeit mit dem Klassenrat. Diese sozialen Lernformen sollen dazu beitragen, das Sozialverhalten der Schüler nachhaltig positiv zu entwickeln. Ab Klassenstufe 11 können die Schüler dann am kooperierenden Gymnasium weiterlernen und das Abitur erwerben. Grundsätzlich können Schüler der Thüringer Gemeinschaftsschule nach den Klassenstufen 4 bis 8 an ein Gymnasium wechseln.

Die Schulartänderung der Staatlichen Regelschule "Oststadt Gotha" in die Gemeinschaftsschule Gotha muss, nachdem das pädagogische Konzept vorliegt, über eine Änderung des Schulnetzes der Stadt Gotha erfolgen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Danach erfolgt die schulaufsichtliche Würdigung und Genehmigung durch das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport – so das Verfahren.

Es ist festzustellen, dass alle inhaltlichen und formalen Voraussetzungen vorliegen und der Gothaer Stadtrat damit in die Lage versetzt wird, einen Beschluss zur Schulartänderung herbeizuführen. Mit diesem Beschluss wird der Schulnetzplan für die Staatlichen Grund- und Regelschulen in Trägerschaft der Stadt Gotha im Planungszeitraum der Schuljahre 2016/2017 bis 2020/2021 (B 155/18) im Abschnitt der Regelschulen im Punkt "6.5. Entwicklung der Schülerzahlen" sowie im Punkt "6.7. Staatliche Gemeinschaftsschule Gotha" teilfortgeschrieben. Die zu errichtende Staatliche Gemeinschaftsschule Gotha tritt ab dem 1. August 2019 im Gothaer Schulnetz an die Stelle der zum 31. Juli 2019 aufzuhebenden Staatlichen Regelschule "Oststadt Gotha". Die Gemeinschaftsschule wird dann ebenso viele Schüler haben, wie vor der Schulartänderung. In der Klassenstufe 5 können jährlich zwei Klassen gebildet werden.

Die derzeit vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport im Raum stehende Mindestgröße von 260 Schülern für Gemeinschaftsschulen mit den Klassenstufen 5 bis 10, wird mit der entstehenden Gemeinschaftsschule erfüllt. Die Staatlichen Regelschulen "Andreas-Reyher" und "Conrad-Ekhof" werden jährlich mindestens jeweils zwei Klassen in der Klassenstufe 5 bilden können. Die beiden Schulen werden durch die Schulartänderung somit nicht weniger Schüler haben.

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,
wenn Sie heute der Beschlussvorlage zustimmen, soll der Beschluss dem Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport umgehend zugeleitet werden, damit den Schülern und den Eltern gegebenenfalls schon im Anmeldeverfahren für die fünften Klassen im Frühjahr 2019 Aussagen zur künftigen Schulentwicklung gegeben werden können.

Ich freue mich, dass sich die Staatliche Regelschule „Oststadt Gotha“ auf den soeben beschrieben Entwicklungsprozess gemacht hat. Er trägt dazu bei, dass Schule den künftigen Anforderungen gewachsen ist und die Vielfalt der pädagogischen Konzepte an den Gothaer Schulen bereichert wird.

Ich bitte um Ihre Zustimmung.

Kontakt:

Stadtverwaltung Gotha
Referat für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 03621 222-234

Anschrift: Historisches Rathaus
Hauptmarkt 1
Telefax: 03621 222-293
E-Mail: presse@gotha.de