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29.06.2022, Lesung Ulrike Draesner Roman "Schwitters" in der Stadtbibliothek "Heinrich Heine"

Autorin Ulrike Draesner und Künstler Henry Günther

Autorin Ulrike Draesner und Künstler Henry Günther

Am Donnerstag, den 30.06.2022, um 19 Uhr liest Ulrike Draesner aus ihrem Roman "Schwitters" im Cibulka-Saal der Stadtbibliothek "Heinrich Heine" in Gotha. Begleitet wird diese Lesung durch die Sonderausstellung "Korrelation" (30.06. bis 30.07.2022) mit zeitgenössischen Künstlerbüchern der "BuchKunstBalance" von Henry Günther und Malerei, Druckgrafik und Malerbücher von Thomas Offhaus.

Ulrike Draesner wurde 1962 in München geboren und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Leipzig, wo sie seit 2018 das Deutsche Literaturinstitut an der Universität Leipzig leitet. In den vergangenen 25 Jahren publizierte sie sechs Gedichtbände, sieben Romane, mehrere Erzähl- und Essaybände, Über-setzungen – sie übersetzte unter anderem Gedichte der Literaturnobelpreis-trägerin Louise Glück ins Deutsche – und beteiligte sich an zahlreichen intermedialen Projekten. Für ihre Romane und Gedichte wurde Ulrike Draesner mehrfach ausgezeichnet, zuletzt für ihren Roman "Schwitters" mit dem Bayrischen Buchpreis 2020. Für ihr Gesamtwerk erhielt die Autorin im Jahr 2021 den Großen Preis des Literaturfonds.

"Schwitters" ist ein Roman über das Leben Kurt Schwitters (1887 – 1948), ein Mann, der nachhaltigen Einfluss auf die Kunst des 20. Jahrhunderts hatte. Kurt Schwitters war ein durch und durch künstlerischer Mensch. Er war Lyriker, Dramatiker, Theatertheoretiker, Maler, Grafiker, arbeitete in der Werbung, gestaltete Collagen, Typografien und Installationen. Schwitters nannte seine Kunst MERZ. Auf dem Theaterplatz in Hannover entdeckte der Künstler einen Zeitungsfetzen mit einer Annonce der "Kommerz- und Privatbank". Schwitters schneidet die Silbe MERZ heraus und nutzt sie für eine Collage. Auf diesen Namen tauft er dann auch seine Technik. Was andere wegwarfen, die Abfallprodukte des Alltags, wurde geklebt, montiert und in einen neuen Zusammenhang gebracht. Konsequent behält er den Begriff bis zuletzt für seine Kunst bei und nennt auch sein Wohnhaus in Hannover "MERZ-Bau". Dieses leider 1943 durch Bomben vollständig zerstörte Haus beherbergte ein Gesamtkunstwerk, eine begehbare Skulptur, die sich vom Wohnzimmer bis zum Dach des Hauses erstreckte. Auch Hannah Höch, die große Tochter der Stadt Gotha, hinterließ dort ihre künstlerischen Spuren. Sie war mit Schwitters und dessen Frau von 1919 bis zum Tod Schwitters 1948 befreundet und rettete in ihrem kleinen Haus in Berlin-Heiligensee wertvolle Kunstwerke und Dokumente ihrer unter den Nationalsozialisten verfemten und verbotenen Künstlerfreunde.

Und hier – mit dem deutschen Leben Schwitters – setzt Ulrike Draesners Roman an. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Schwitters Arbeiten als "entartete Kunst" diffamiert, Schwitters selbst von der Gestapo verfolgt. Es braucht mehrere Gestapo-Haussuchungen bis er bereit ist, schweren Herzens 1937 gerade noch rechtzeitig aus Deutschland zu fliehen. Norwegen ist seine erste Station, hier glaubt er sich sicher. Er beginnt erneut künstlerisch zu arbeiten. Ein zweiter MERZ-Bau entsteht. Doch die Deutschen besetzen auch das neutrale Norwegen. Im letzten Augenblick gelingt ihm 1940 die Flucht nach England. Schwitters wird zunächst als Deutscher für ein Jahr interniert. Nach seiner Entlassung geht er nach London – das "englische Leben" beginnt. Hier entsteht der letzte MERZ-Bau, der bis heute überdauerte, der vom Ursprungsort 1965 abgebaut wurde und der nun in der Hatton Gallery von Newcastle als Wandrelief zu sehen ist. Seine Kunst nimmt Schwitters überall mit und Ulrike Draesner gelingt es in ihrem Roman die Fäden aller Figuren in hochmusikalischer Sprache exzellent zu verknüpfen. Ein wunderbares Stück Erzählkunst.

Karten zur Lesung "Schwitters" am 30.06.2022, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) sind im Vorverkauf zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek und an der Abendkasse erhältlich: 10 €, Ermäßigte (Schüler, Studenten, Schwerbehinderte) 5 €.
Die Buchhandlung „Hannah Höch“ gestaltet zur Lesung einen Büchertisch mit Werken von Ulrike Draesner, die die Autorin gern signiert.
Die Ausstellung „Korrelation“ kann in der Zeit vom 30.06.-30.07.2022 zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besichtigt werden und ist kostenfrei.

Kontakt:

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