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05.07.2011, Laudatio zur Verleihung der Myconiusmedaille 2011

Laudatio zur Verleihung der Myconiusmedaille 2011
an Dirk Kollmar im Festsaal des Schlosses Friedenstein zu Gotha
am 5. Juli 2011

Sehr geehrter Herr Kollmar,
liebe Frau Kollmar,
verehrte Myconius - Festgesellschaft,

"Please convey my warm thanks to the people of Gotha for your kind message, sent on the occasion of your German-English Year. As your Patron, I much appreciate your tougthfulness in writing as you did and, in return, send my best wishes to all concerned for a most memorable and enjoyable event."

Ich möchte gern meine heutige Festrede mit diesen Worten beginnen, die Queen Elisabeth II. den Menschen in Gotha anlässlich des unter ihrem Patronat stehenden Deutsch-Englischen Jahres 2011 sandte. Man merkt in diesen Worten, welche hohe Wertschätzung das britische Staatsoberhaupt den Menschen in Gotha entgegenbringt. Wir sind uns dieser hohen Wertschätzung sehr wohl bewusst und machen dies auch heute deutlich, denn der Myconius - Empfang ist jedes Jahr die höchste Wertschätzung, die der Stadtrat zu Gotha einer Bürgerin oder einem Bürger entgegenbringen kann, er ist Dank und Motivation zugleich.

Wenn sich die moderne Residenzstadt Gotha den deutsch-englischen Verbindungen zuwendet, so ist das kein Kniefall vor der Geschichte, sondern ein Auftrag, historische Prozesse zur Zukunftsvision werden zu lassen. Eine wechselvolle Geschichte mit Schmerz und Freude, ist immer ein Brückenschlag zwischen den Kulturen, aber auch eine Hinwendung zum Menschen. Das Engagement einzelner braucht den Nährboden der Masse, denn wer voran kommen will, braucht solide Grundlagen, den Willen zum Erfolg, die Geradlinigkeit der Tat und die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen auf den Weg. Wo sich Leistungswille und soziale Verantwortung gleichberechtigt nebeneinander stellen, nur dort kann eine Gesellschaft dauerhaft erblühen. Wir in Gotha haben solche Vorraussetzungen. Wir haben den Mut zu großen Entscheidungen, die erst in Jahrzehnten Früchte tragen, ob mit der Schaffung großer Gewerbeflächen, den Investitionen in die touristische und kulturelle Leistungskraft des Barocken Universums Gotha, in die Silhouette einer einzigartigen Residenz mit Bauarbeiten an Stadt-Bad oder Winterpalais. Natürlich ist auch eine großzügige Sportförderung Fundament der Vitalität Gothas.

Dieser Mut braucht Kraft, dem Alltagsdenken zu entweichen und die Gesamtheit im Blick zu haben. Thüringen ist klein, seine Städte sind es auch und wenn Gotha im Konzert der thüringischen Metropolen eine erste Geige spielen will, muss die Stadt anders und nicht vergleichbar werden. Wir sind auf gutem Wege, aber dieser Weg braucht Pflastersteine, die jeder Bürger selbst verlegt "Wartet nicht auf andere, ruft nicht nach Stadt und Staat, sondern handelt, in dem jeder Einzelne die eigene Idee umsetzt" so verstehe ich die Chance die Gotha für die Zukunft besitzt.

Ich war vor wenigen Wochen auf dem Domplatz in Erfurt, zehntausend Menschen haben sich dort versammelt, um einem Künstler zu lauschen, der mit seiner Stiftung Projekte für benachteiligte Kinder unterstützt. Das schönste an diesem Tage war aber ein Lied und ich möchte es als das Lied der deutschen Einheit bezeichnen, denn wie könnte man es sonst nennen, wenn sich zehntausende Menschen die Hände reichen und aus voller Kehle singen ?Über sieben Brücken musst du gehen?"

Lieber Dirk Kollmar,

ich weiß nicht, ob es im Jahre 1991 sieben Brücken waren über die ihre Eltern mit ihnen gegangen sind, um am anderen Ende der Brücke neue Wurzeln zu schlagen. Soll man heute sagen, die Treuhandanstalt hätte ihnen zum Glück verholfen? Vielleicht sind sie dann einer der wenigen Glücksfälle dieser Anstalt. Nein, es war anders.

Eine bayerische Unternehmerfamilie sah in der deutschen Einheit die größte Chance des 20. Jahrhunderts, sie wollten einen eigenen Beitrag zur Wiedervereinigung des Vaterlandes leisten, wollten das traditionelle Familieunternehmen zukunftsfähiger machen, glaubten an die Innovation der Mitarbeiter und den Mut der Thüringerinnen und Thüringer zu Produkten der Heimat. 3,2% der Thüringer haben es schon erkannt, haben aber noch einen weiten Weg, denn in Deutschland wissen bereits 8% aller Menschen, wie gut Produkte aus Gotha munden.

Der zu Ehrende hat sich vor zwei Jahrzehnten auf die Brücke begeben und ich möchte an dieser Stelle auch ganz besonders ihren Eltern danken, die ich nun auch schon fast 20 Jahre kenne, was wären wir Kinder, hätte es nicht unsere Eltern gegeben, die uns das Rüstzeug gaben, das wir brauchen, um im Leben zu bestehen.

Sie fragen sich, wer ist das, und warum ist er es und kein Anderer, der heute zu ehren ist?    

Kurzbiografie in Schlagworten:

Dirk Kollmar ist Unternehmer, ist Sportler, ist Sozialarbeiter, ist Streatworker, ist Kulturförderer, ist Meister der Logistik, ist Botschafter des guten Geschmacks in Moskau und Minsk und er ist Familienmensch. Eigentlich vereint er somit fast alle Tugenden eines Menschen auf seinen zarten Schultern. Als sich der Stadtrat der Residenzstadt Gotha für Dirk Kollmar als neuen Preisträger entschied, war am Anfang gar nicht klar, welche seiner vielfältigen Aufgaben für Gotha die preiswürdigste ist und so entschied sich das Hohe Haus, ihm die Ehrung für sein bisheriges Gesamtwerk zu verleihen, was unwahrscheinlich viele Facetten besitzt.

Ein schönes Festwort für den diesjährigen Myconius-Preisträger ist ein Wort aus dem Bereich seines Hobbys, des Sports. Wir alle wissen, er ist BIG, obwohl ich immer dachte ich wäre BIG = der Bürgermeister in Gotha; nein, er ist es und ich will ihm diesen Titel auch nicht streitig machen, denn er spielt und managt den Basketball in Gotha, wie kein Zweiter vor ihm.

Und hier im Sport taucht mein Wort des Jahres auf - es heißt Dribbeln.

Was gleichbedeutend ist für schrittweise zum Ziel kommend und nicht die Bodenhaftung verlierend. Was für eine schöne Kernaussage, wenn nur jeder in Deutschland so vorgehen würde und nicht vor der Sommerpause ankündigt, an was er sich in einem Jahr sowieso nicht mehr erinnern kann, nur der Prozente willen.

Meine Damen und Herren,
kurz gesagt, dribbelnd geht es auch in Gotha voran, denn wir nähern uns schrittweise, mit großen und kleinen Aufschlägen und zielsicheren Würfen unserem Ziel der wirtschaftlich-starken, sozial engagierten und kulturvollen Residenz Gotha, der unverwechselbaren Stadt mit Zukunft.

Wer 1963 in Oettingen geboren worden ist, für den war Gotha weit weg, lag sozusagen hinter Mauer und Stacheldraht, unerreichbar, vielleicht hinter sieben Brücken und hätte es keine Schulwandkarten von Perthes gegeben, hätte in der Schule auch niemand erfahren, wo der Heimatort von Atlas und Landkarte ist. Das runde Leder fasziniert den jungen Dirk Kollmar, nicht das Leder eines jeden ordentlichen Bayern, von Bayern München, sondern der Sport den ein Kanadier Ende des 19. Jahrhunderts begründete.

Dirk Kollmar wollte eines - siegessicher treffen. Schon der Name Dirk sagt es ja, dass dieser Vorname zum Basketball gehört. Und unser Preisträger macht eine typische Karriere, geht mit zehn Jahren zum ersten Training, gründet mit 22 Jahren den ersten Verein in seinem Heimatort, nimmt an Landes- und Deutschen Meisterschaften teil, schafft den Sprung in die 2. Bundesliga, lernt den Familienberuf, geht als Offizier zur Armee, studiert in der Familientradition und kommt auf dem Höhepunkt seines Singledaseins nach Gotha, denn erst hier schließt er 1992 den Bund fürs Leben mit Ihnen liebe Frau Kollmar. Ihre Söhne Dennis und Kevin sind der Stolz der Eltern und steigen natürlich auch schon in die ersten Fußstapfen der Eltern.

Hier im schönen Gotha wird, um es umgangssprachlich zu formulieren, aus der Hopfendolde eine wahre Hopfenblüte, denn der schwierige wirtschaftliche Start fordert alle Kräfte, jeden Tag, ohne Urlaub. Der Start ist mehr als schwierig, doch die Weitsicht des Sportlers und der Wille zum Erfolg brachten ihn voran. Er wusste, wenn ich hier wirtschaftlich erfolgreich sein will, dann muss ich meine Sportregeln umsetzen. Ich muss als Spielführer das Mannschaftsspiel beherrschen, meine Strategen müssen sich auf eine starke und ausgeglichen besetzte Bank verlassen können, damit sich das Zusammenspiel zwischen Routiniers und Rollenspielern ergibt. Nur wenn Spielmacher und Aufbauspieler gleichmäßig am Erfolg arbeiten, stellt sich im Basketball genauso wie im Unternehmen Erfolg ein.

Das Leben des Dirk Kollmar ist das Dribbling, nie die Bodenhaftung verlierend, aber vorausschauend, in wenigen Zügen zielsicher treffend zu sein.

Wenn wir heute zum 20. Male die Myconiusmedaille an eine Persönlichkeit verleihen, die sich außergewöhnliche Verdienste um die Entwicklung der Stadt Gotha und ihrer Bürgerschaft erworben hat, so ehren wir in Dirk Kollmar den Mut eines Unternehmers zum Umbau eines sozialistischen Bierkombinates zur modernsten Brauerei Deutschlands, wir würdigen den Einsatz für die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen, das Engagement um die unternehmerische Jugend durch die Schaffung von Ausbildungsplätzen. Die Entwicklung Gothas zu einem Logistikstandort, von dem aus seit sieben Jahren Deutschlands größte Biermarke in 90 Länder der Erde geliefert wird, ist eine Meisterleistung und macht Werbung für den ausgezeichneten Standort Gotha.

Die Stadt Gotha sagt Danke für das große soziale Engagement von Dirk Kollmar, der in vorbildlicher Art und Weise eine Kindertagesstätte in Gotha fördert, dort Zusatzangebote finanziert, sich um die besondere Förderung von Kleinkindern kümmert und eine außergewöhnliche Unternehmens-Kinderpartnerschaft unterhält. Gemeinsam mit seiner Frau engagiert er sich hier und hat damit eine vorbildliche soziale Unternehmensphilosophie umgesetzt.

Wir würdigen die Leistungen des Unternehmers in der Kulturförderung für Gotha, denn die Entwicklung des jährlichen Gothardusfestes, die Finanzierung kostenloser Eintritte für Gothaer Schüler in die Museen des Barocken Universums Gothas, die Unterstützung von Vereinen und Verbänden sowie die Präsentation der Residenzstadt Gotha, ob in Brüssel, Berlin oder in wenigen Stunden zum Thüringentag wird wesentlich durch das persönliche Engagement Dirk Kollmars geprägt. Man kann im Kaufvertrag auch eine Braustätte geschenkt bekommen, die nicht wirtschaftlich ist, auch das musste Dirk Kollmar erfahren doch dank des klugen Weitblickes seiner Frau, hat der Lieblingsplatz der Gothaer Herzogin Luise Dorothea - Luisenthal, ein wunderbares Museum zur Regionalgeschichte erhalten, das von der Familie Kollmar unterhalten wird. 

Wir ehren mit der Myconius-Medaille 2011 aber auch den Einsatz von Dirk Kollmar für den fairen Wettstreit im Sport, seine Liebe zum Basketball führte ihn vom Vereinspräsidenten und Spieler in die Position des Präsidenten des Thüringer Basketballverbandes, aufbauend auf seiner Leistung BIG in Gotha zu begründen. Die sportliche Reifung des Vereins, aber besonders die außergewöhnliche Jugendarbeit sind wichtige Meilensteine in der Entwicklung Gothas zu einem sportlichen Leistungszentrum. Das jetzt neu begründete Projekt "Basketballkids" welches BIG, Stadt Gotha und die Dirk-Nowitzki-Stiftung in Gotha begonnen haben, ist ein tolles Aushängeschild. Wir beginnen schon bei den Jüngsten, damit sie lernen, dass im Leben das Zusammenspiel wichtiger ist, als der Abwehrkampf, im Leben sind soziale Kontakte die Ader des Erfolgs und wenn sie es dann noch verstehen dribbelnd zum Ziel zu kommen, sind sie wahre Gothaer geworden.

Lieber Dirk Kollmar,

ich weiß, Du bzw. Sie sind kein Mann der großen Worte und mögen es auch nicht, wenn über Ihnen das Füllhorn der Lobdudelei ausgegossen wird, Sie werden mir verzeihen, aber einer musste einmal die Wahrheit sagen, welches tolle Engagement Sie genau seit zwei Jahrzehnten für Gotha, für die Menschen und dafür diese Region einbringen. Die Stadt Gotha und ich wissen, Sie werden noch weitere Zeichen Ihres Engagements setzen und möchte Ihnen heute Gesundheit wünschen sowie weiterhin eine glückliche Hand, denn Gotha braucht Menschen wie sie.

Sie sind ein herausragendes Beispiel dafür, wie sich Deutschland seit 1990 verändert hat. Trennendes wird überwunden, denn der Weg über sieben Brücken zu gehen, ist zur Straße des Erfolgs geworden. Sie zeigen wie die Menschen auf diesem Weg durch die Hand des Anderen einen Brückenschlag bilden zu mehr Fairness, mehr Verständnis sowie sozialer Verantwortung füreinander.

In ihrem ersten Kinderbuch, dessen Erlös Sie fast selbstverständlich für soziale Projekte stiften, lassen Sie nicht nur erkennen, was Sie für ein künstlerisch begabter Zeichner sind, sondern lassen uns durch ihren Titelhelden Paul Piranha wissen:

"Alle Angehörigen unserer Familie helfen sich und wir beschützen uns gegenseitig - Familie ist etwas wunderbares"

- was für eine tolle Lebensphilosophie und ein ehrliches Schlusswort.  

Herzlichen Glückwunsch!  

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