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Pressemitteilung - Detailansicht

07.02.2019, Laudatio der Beigeordneten Marlies Mikolajczak zur Verleihung des Westthüringer Stiftungspreises

7. Februar 2019, KunstForum Gotha

Sehr geehrte Vorstände der VR Bank Westthüringen und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Westthüringen, Herr Schomburg und Herr Diwo,
sehr geehrte Mitglieder und Mitarbeiter der VR Bank Westthüringen,
sehr geehrte Preisträger,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich danke Ihnen für die Einladung, den heutigen Abend mit Ihnen zu verbringen. Ich danke Ihnen in zweierlei Hinsicht: Zum einen gilt mein Dank der VR Bank Westthüringen, die hier in der Region verwurzelt nicht nur ein verlässlicher Ansprechpartner für ihre Kunden ist, sondern sich auch vielfältig engagiert. Dieses Haus der Kunst, das KunstForum Gotha, ist ein Zeugnis dafür. Und zum zweiten gilt mein Dank den Preisträgern, ohne deren Wirken im Ehrenamt unser Gemeinwesen wesentlich ärmer wäre.

Ich habe mich darüber hinaus sehr gefreut, dass ich die Laudatio für den diesjährigen Preisträger den Verein „Gotha glüht e.V.“ in Vertretung des Oberbürgermeisters – von dem ich Sie herzlich grüßen darf – halten soll.

Wenn ich an den Verein „Gotha glüht“ denke, was fällt mir dazu ein?
Wenn ich dies per WhatsApp oder Twitter schreiben müsste, würde ich folgende Kurzfassung wählen:
•    Vereinsarbeit und Zusammenhalt
•    Kunst und Kunsthandwerk
•    Kontinuität und Qualität
•    Verbundenheit mit unserer Region und internationaler Blick
•    kultureller Höhepunkt im Veranstaltungskalender unserer Stadt mit überregionaler Strahlkraft.

Doch mein Gebiet ist diese Medium nicht. Ich liebe die Worte und die Sätze. Und mit diesen möchte ich Sie kurz entführen.

Das Metallgestaltertreffen in Gotha findet seit dem Jahr 1997 immer am letzten Septemberwochenende eines jeden Jahres statt. Es wurde bis zum Jahr 2009 von einer Arbeitsgruppe innerhalb des damaligen Gewerbevereins organisiert. Und diese Treffen von Metallgestaltern und insbesondere die Idee haben wir einer Gothaer Künstlerin und Goldschmiedin zu verdanken: Kerstin Damm, langjährige Vorsitzende des im Jahr 2010 gegründeten Vereins und Hannah-Höch-Preisträgerin der Stadt Gotha des Jahres 2010.
Kerstin Damm hatte damals im Vorstand Heiko Bley und Heino Geestmann an ihrer Seite, neben einer Vielzahl von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern wie Susan und Steffen Klatt, Anette Martini, Vera Hantel, Ralf-Uwe Heinz, Karl Heinz Merten, Gerd Schlegel, Eric Schmidt, Jörg Wattenbach, Sylvio Werner, Christine und Roland Braune, Sylvia Krauß und vielen weiteren Helfern. Dieses Zusammenwirken war auch notwendig, denn der Verein setzte sich anspruchsvolle Ziele.

Das Metallgestaltertreffen mit nationaler und internationaler (Tschechien, Österreich, Niederlande usw.) Beteiligung blieb Herzstück der dreitägigen Veranstaltung. Traditionell zeigen Schmiede auf dem Buttermarkt der Residenzstadt ihr Können.
Der Anspruch der Veranstalter ist hoch, denn jedes Jahr wird zu einem neuen, spannenden Thema gearbeitet: Astronomie (1997), Liebespaare (1998), Ende und Anfang (1999), Rund (2000), Traum vom Fliegen (2001), Die vier Elemente (2002), Wunder der Technik (2003), Insekten (2004), Nützliches (2005), Lust (2006), Bewegung (2007), Lichter der Nacht (2008), Anziehend (2009), Magie (2010), Tierisch (2011), Dur und Moll (2012), Vereint (2013), Stille (2014), Farbig (2015), Toleranz (2016), Spielzeug (2017), Licht und Schatten (2018) und Fließend (2019). Diese Jahresthemen sind nicht nur anspruchsvoll für die künstlerische Umsetzung – ich frage Sie: „Wie schmiedet man Stille?“ Nein, diese Jahresthemen lassen den Schmieden auch Freiraum in der Gestaltung. Manchmal sind die Themen an besondere Ereignisse oder Jubiläen unserer Stadt angelehnt. Das Thema dieses Jahres „Fließend“ zum Beispiel reiht sich ein in die Erinnerung des 650. Jahrestages des Leinakanals. Andere wiederum nehmen Bezug auf überregionale Ausstellungen im Schloss Friedenstein. Hier anerkenne ich die Weitsicht der Veranstalter, indem sie Kultur unserer Stadt verknüpfen und verbinden.

Nicht zuletzt ist dieses Treffen auch ein Wettbewerb der Kunst, die aus Feuer und Eisen entsteht. Die Ergebnisse werden jeweils von einer Fachjury bewertet, die Preisträger benannt und ausgezeichnet. Auch einen Publikumspreis gibt es. Und manchmal fallen die Meinungen von Fachjury und Publikum zusammen. Vielfach werden künstlerische Arbeiten dem Veranstalter überlassen. In Auktionen versteigert wird ihr Erlös für nächste Projekte des Vereins eingesetzt. Und die Kunst wechselt somit den Ort - vom Künstler zum Rezipienten und Sammler.

Außergewöhnliche Wege beschritt der Verein im Jahr 2014. In gemeinschaftlicher Arbeit entstand Kunst für den öffentlichen Raum. Die „Wasserwelten“ wurden geboren und aufgestellt, eine Skulptur anlässlich der Eröffnung des restaurierten Stadt- und neu gebauten Sportbades. Das Ergebnis des Zusammenwirkens von 19 Metallgestaltern aus Deutschland und Tschechien blickt seither auf die Badegäste und diese schauen auf Fische, Pflanzen, Seestern, Qualle und auf den Oktopus. Aber auch der Fisch aus dem gleichnamigen Kinderbuch „Paul Piranha“ von Dirk Kollmar, dem leider viel zu früh verstorbenen Brauereiunternehmer Gothas, ist in die Skulptur quasi mit eingewebt.

Schmiede sind erdverbundene Menschen. Sie arbeiten mit Feuer und Eisen. In ihren Werkstätten gehen sie ihrem Tagwerk vielfach allein nach. Doch in Gotha entstehen vor den Augen der staunenden Besucher künstlerische Arbeiten. Dieses Handwerk hat etwas Archaisches. Und so verwundert es nicht, dass man einfach mittun möchte. Auch das ermöglichen die Veranstalter: Schmieden mit Kindern und Jugendlichen. Mit Lederschürze, Schutzbrille und Handschuhen ausgerüstet geht es ans Werk. Ein Schmiedestück für zu Hause und Begeisterung sind das Ergebnis. Danke an die Geduld der Schmiede und ihre nie ausgehenden Ideen.

Doch was wäre dieses Internationale Metallgestaltertreffen ohne ein Rahmenprogramm? Seit 2010 organisieren die Vereinsmitglieder Ramona und Heino Geestmann den Handwerker- und Spezialitätenmarkt. Beide hatten dies – nach eigener Aussage – vorher noch nie getan, doch nun – so meine Einschätzung – sind sie Profis, wie unschwer an der Vielzahl von kulinarischen und kunsthandwerklichen Ständen und an dem nicht abreißenden Besucherstrom zu sehen ist. Wenn sich bei Groß und Klein ein Lächeln auf dem Gesicht zeigt, wenn sich Familien Zeit füreinander nehmen und gemeinsam das Fest besuchen, wenn Freunde sich bei  Wein und Käse und anderen Spezialitäten treffen, dann ist das Ziel der Veranstalter erreicht. Und so ist es in Gotha zum Metallgestaltertreffen und seinem Handwerker- und Spezialitätenmarkt.
Aber auch Mitmachaktionen, Attraktionen für die Kinder und nicht zuletzt das Nachtglühen, wenn Feuerschalen den Buttermarkt erleuchten, Musik zum Rhythmus der Hammerschläge erklingt und eine Feuershow den Abschluss bildet – all das fasziniert die Besucher aus nah und fern. Dass dieses ein Verein ehrenamtlich vorbereitet, durchführt, also die komplette Organisation bei ihm liegt, nötigt mir nicht nur Bewunderung, sondern auch tiefen Respekt ab.

Doch dies ist noch nicht alles. Es werden alljährlich Ausstellungen der Schmiedearbeiten hier in Gotha organisiert. Auch an die Ausstellung in unserer Partnerstadt Salzgitter im Jahr 2010 möchte ich erinnern. Jährlich entsteht ein qualitätvoller Kalender mit wunderbaren Fotoarbeiten der Vereinsmitglieder und dem Fotografen Bernd Seydel, Fachvorträge im Rahmen der Metallgestaltertreffen werden angeboten,  Kunstauktionen und, und, und – die Reihe lässt sich fortsetzen. Es sind Beispiele gelebter Vereinsarbeit und gelebtem Engagement für unsere Stadt und für die Region.

Dafür mein herzlicher Dank – ganz persönlich – und im Namen des Oberbürgermeisters unserer Stadt, Herrn Kreuch. Sie, liebe Vereinsmitglieder von „Gotha glüht“, glühen im wahrsten Sinne für Ihre Sache und sind ein verdienter Preisträger des Westthüringer Stiftungspreises 2018 der VR Bank Westthüringen.

Meine herzliche Gratulation.

Ich danke Ihnen.

Kontakt:

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