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11.09.2020, Gemälde von Eugen Ritter konnte durch Projektförderung der Kulturstiftung Gotha restauriert werden

Das Gemälde 'Maria und Johannes von Golgatha zurückkehrend' in der Trauerhalle des Hauptfriedhofes.

'Maria und Johannes von Golgatha zurückkehrend' wieder in der Trauerhalle des Hauptfriedhofes zu sehen

"Maria und Johannes von Golgatha zurückkehrend" wieder in der Trauerhalle des Hauptfriedhofes zu sehen

Das für die Feierhalle des Gothaer Hauptfriedhofes von Eugen Ritter geschaffene Gemälde "Maria und Johannes von Golgatha zurückkehrend" ist jetzt nach intensiver Restaurierung an seinen Bestimmungsort zurückgekehrt. Die Kulturstiftung Gotha hatte hierfür 5.400 Euro zur Verfügung gestellt.

Im Jahr 1909 wurde die Feierhalle des 1878 eröffneten Hauptfriedhofs mit einem großformatigen Gemälde (Breite 175 cm x Höhe 270 cm) und einem Altar neu ausgestattet. Das Gemälde „Maria und Johannes von Golgatha zurückkehrend“ wurde vom Kunstmaler Eugen Ritter geschaffen. Der Künstler wurde 1853 in Gotha geboren und verstarb 1922 in seiner Heimatstadt. Ritter ist heute ein kaum mehr bekannter Historien- und Bildnismaler. Er war Schüler der Kunstschule Weimar (1873 f.) und studierte an der Akademie in München (1875/79) bei Wilhelm Lindenschmit dem Jüngeren.

Vermutlich im Jahr 1908 begann er mit seiner künstlerischen Arbeit an dem großformatigen Gemälde für die Trauerhalle, welches er wahrscheinlich im Frühjahr des Jahres 1909 beendete. Verschiedene Gothaer Zeitungen berichteten im Mai 1909 über die Neugestaltung der Trauerhalle und insbesondere über das beeindruckende Gemälde.

Das Gemälde "Maria und Joseph von Golgatha zurückkehrend" entspricht der christlichen Ikonografie, die aber auf den ersten Blick als solche nicht zu erkennen ist. Nur der Titel des Bildes weist darauf hin. Es zeigt zwei Menschen, die in Trauer verbunden sind. In einer anmutigen Geste lehnt eine Frau (Maria) mit geschlossenen Augen den Kopf an die Schulter des Mannes (Johannes) und wird von ihm gestützt. In der Ferne sind Hügel zu erkennen. Es ist eine tröstende Szene. Maria und Johannes kommen von Golgatha. Nicht auf dem Gemälde zu erkennen ist das vorausgegangene Geschehen. Auf dem Hügel von Golgatha wurde Jesus Christus gekreuzigt. Neben Christus am Kreuz befinden sich seine Mutter, weitere Frauen und der Jünger Johannes. Jesus sah zu ihnen herab und erkannte das Leid seiner Mutter und sprach zu beiden: "Frau, siehe, das ist dein Sohn!“ Danach spricht er zu dem Jünger: "Siehe, das ist deine Mutter!" Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich" (Johannes 19, 26 und 27). Damit tritt der Lieblingsjünger Johannes auch familiär in die Nachfolge Jesu ein.

Wenn Angehörige verstarben, war der Stand einer Frau zur damaligen Zeit äußerst dürftig. In aller Regel bedeutete der Verlust der Angehörigen zugleich den Fall in die Armut. Also brauchte eine Frau damals männliche Fürsorger, um überhaupt überleben zu können. Jesus bestimmte diesen direkt. Er benannte Johannes. Er ist der Fürsorger.

Dieses Prinzip der Fürsorge gilt auch heute noch. Gerade in der Zeit des Abschiednehmens von einem Menschen benötigt man Trost, Zuspruch und Hilfe, ja Fürsorge durch andere. Eugen Ritter hat für die Trauerhalle in Gotha ein Gemälde geschaffen, das diese Fürsorge, die Verbundenheit in der Trauer, künstlerisch beeindruckend darstellt und uns heute nach über einhundert Jahren anspricht. 

Das wiederentdeckte Bild wurde durch die Gemälderestauratorin Beatrix Kästner (Meusebach) umfassend restauriert. Die über einhundert Jahre hatten Spuren am Gemälde hinterlassen. Die Restauratorin spannte die Leinwand neu, reinigte die Oberflächen am Gemälde und am Schmuckrahmen vorder- und rückseitig. Hierbei musste sie viele Wachsspritzer (vor dem Bild wurden auf dem Altar große Wachskerzen angezündet), aber auch Putzspritzer entfernen. Die Feuchtigkeit auf der Gemäldeoberfläche wurde reduziert und Retuschen am Gemälde und am Schmuckrahmen vorgenommen. Am Ende erfolgte die ausführliche Dokumentation der ausgeführten Maßnahmen in Wort und Bild. Durch die hervorragende Arbeit von Beatrix Kästner vervollständigt das großformatige Bild die von der Stadt Gotha in den Jahren 2008/2009 restaurierte Feierhalle. Ein Stück Gothaer Geschichte ist wieder erlebbar, und zugleich bietet das Gemälde Trost für die Hinterbliebenen heutiger Tage.

Die Kosten für die aufwendige Restaurierung wurden von der im Jahr 1997 gegründeten Kulturstiftung Gotha getragen. Der Kulturstiftung Gotha liegt die Förderung von Kunst, Kultur, Forschung und Wissenschaft in der Stadt Gotha am Herzen. Sie sammelt Spenden und Fördergelder von Bürgern und Unternehmen der Stadt Gotha sowie von Freunden der Stadt und der Stiftung. Durch eine Vielzahl von großen und kleinen Spenden werden laufende Projekte umgesetzt, so auch die Restaurierung des Gemäldes von Eugen Ritter "Maria und Johannes von Golgatha zurückkehrend".

Ein großer Dank gilt allen Spendern, die die Ziele der Kulturstiftung – oftmals seit Jahren – unterstützen. Nur durch deren bürgerschaftliches Engagement konnten in der Vergangenheit 93 Projekte in der Stadt Gotha mit einer Fördersumme von 1.236.831 EURO realisiert werden.

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