gotha.de - :: Service :: Aktuell :: Pressemitteilungen

Pressemitteilung - Detailansicht

06.10.2010, Festvortrag des OB zur Landesfachtagung Thüringen des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. in Luisenthal

Festvortrag des Oberbürgermeisters der Residenzstadt Gotha zur Landesfachtagung Thüringen des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. im Berghof zu Luisenthal am 1. 10. 2010

-es gilt, was gesagt ist-

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

"Schweißen verbindet" und deshalb danke ich Ihnen, dass Sie mich, den Oberbürgermeister von Thüringens bedeutendster Residenzstadt als Gast zu Ihrer Fachtagung eingeladen haben. Ich war erst etwas unsicher, was ich für sie zusammen schweißen kann, denn ich bin sicher, dass jeder Einzelne von Ihnen die Naht besser hinbekommt als ich. Doch sie sehen es an meinem Thema, dass auch mir, dem ehemaligen Schlosser, das Schweißen besondere Impulse gibt, weil "Gotha für mich ein Gefühl des Zusammenschweißens ist".

Wenn Sie an Gotha denken, dann fallen Ihnen wichtige Dinge ein, so die Gothaer Fahrzeugtechnik GmbH und die herausragende Schweißerausbildungsstätte, die Bundespräsident Prof. Horst Köhler 2008 besuchte.

Der Europäer, das werden sie verstehen, denkt bei Gotha nicht sofort an das Schweißen. Ihm ist viel mehr die berühmte Versicherung, namens GOTHAER im Gedächtnis, es sind die Atlanten und Karten aus dem Hause Justus Perthes/Hermann Haack  bzw. der weltberühmte Adelskalender "Der Gotha".

Während Sie hier sind und mir zuhören, erhalten Ihre Partner ein Rahmenprogramm. Sie tauchen dabei ein in eine besondere Welt, das "Barocke Universum Gotha", dass zu verbinden versteht. Ein kulturelles Erbe von Weltrang schweißt uns mit der Geschichte zusammen und legt uns die Schweißnaht in die Zukunft.

Sie tagen heute in Luisenthal. Dieser Ort trägt seinen Namen nach Thüringens wohl berühmtester Herzogin - Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1711-1767). Sie brachte im 18. Jahrhundert die französische Aufklärung nach Gotha, stand im Kontakt mit Voltaire und Diderot. Sie verstand Beziehungen zu schweißen zu Friedrich dem Großen und Katharina, der legendären russischen Zarin. Gotha war durch sie der erste Musenhof Deutschlands. Weil diese Herzogin wusste, wie man Kräfte einteilen muss und dass Kultur unbedingt Geld aus der Wirtschaft braucht, erhielt der neugegründete Kupferhammer an der Ohra ihr zu Ehren den Namen "Luisenthal". Sie sind also in einem Ort und einer Region wo die Menschen wissen, wo der Hammer hängt.

Schon sehr früh war diese Gegend industrialisiert - wenn man es so sagen möchte. Denn schon um das Jahr 1000 führte aus den ungarischen Bergwerken eine Straße bis nach Hohenkirchen. Man könnte sagen, vor eintausend Jahren gab es schon ein europäisches Projekt der Zusammenarbeit von Unternehmen. Denn die Bergwerke in Ungarn lieferten Erz, das von Fuhrleuten auf der Straße bis in die Saigerhütte Hohenkirchen transportiert wurde. Diese Straße, gern genutzt von der Kaufmannsfamilie der Fugger, ist die Kupferstraße und noch heute erhalten. Sie machte Gotha und das Gothaer Land zum Dreh- und Angelpunkt wirtschaftlicher Zusammenarbeit und logistischer Vernetzung. Ein Fakt, der noch heute gilt!

Wir brauchen Wege, die uns zusammen bringen, die uns zusammen schweißen. Das sind nicht nur Straßen, die Pole und Orte verbinden, das sind auch Tagungen, die uns neue Gedanken vermitteln.

Gotha heute - mit 46.500 Einwohnern fünftgrößte Stadt in Thüringen. Mit 579 Gewerbesteuerzahlern die Wirtschaftsstadt Thüringens und mit Eisenach gemeinsam seit Jahren führend in der industriellen Produktion. Die Gewerbegebiete zu 87 % ausgelastet, stark geprägt durch den Fahrzeugbau und seine Zulieferindustrien, durch Kunststofftechnik, Holzindustrie und Lebensmittelindustrie. Wenn wir heute die Zahl von 6,8 % Arbeitslosigkeit genannt bekommen, so weiß ich, was die Zukunft bringt. Wir werden weniger Menschen haben, um sie auf qualifizierte Arbeitsplätze zu bringen. Wir werden gute Löhne zahlen müssen, um Menschen an den Arbeitsplatz zu binden. Wir müssen ein Arbeitsteam zusammen schweißen, das gern seiner Arbeit nachgeht. Einige dieser Faktoren sind uns in den letzten Jahren abhanden gekommen. Angst um den Arbeitsplatz ist kein Faktor um Menschen zu motivieren.

Ich weiß um die Schwierigkeiten, des Erhalts von Arbeitsplätzen. Ich weiß aber auch, dass nur eine enge Schweißnaht, eine enge Verbindung zwischen Kommune und Unternehmen dauerhafte Partnerschaft sichern kann. Für dieses System des Miteinanders stehe ich. 

Gotha steht meist bescheiden unter den deutschen Städten und spricht nicht von seinen großen technischen Meisterleistungen oder wussten Sie, dass der erste künstliche Wasserlauf Mitteldeutschlands, der Leinakanal seit fast 700 Jahren nach Gotha führt, die Geografie und Welterkundung in Gotha dokumentiert worden ist, die Astronomen von Gotha aus erstmals das Weltall entdeckten, die erste deutsche Bauschule und die erste deutsche Lehrlingsausbildungsstätte in Gotha sind, dass die Fleischer sich in Gotha deutschlandweit gründeten, in Gotha das erste Krematorium Europas funktionierte, die erste Thüringer Porzellanmanufaktur war und mit Rohrbachs Sternwarte der erste Stahlbetonbau Thüringens entstand?

Wer heute von Gotha spricht, der weiß, dass Kräne und Gittermasten, die Getriebe für Gabelstapler, Audi Q7, zukünftig auch die Achsen und Getriebe für Renault, Werkzeugmaschinen, Holztüren, Heftpflaster und Getränke der Oettinger Gruppe aus unserer Stadt kommen.

Alle diese Produkte fußen auf einer Geschichte, die vor fast 150 Jahren mit der industriellen Serienproduktion begann. Wer weiß schon, dass das erste mechanische Karussell in Gotha vom Band rollte, dass Flugzeuge von Lastenseglern bis zur Gotha-Taube oder zum Segelflugzeug, Straßenbahnen, Salonwagen der Bahn in Gotha ihren höchsten Produktionsstand erreichten, genauso wie Haushaltswaren mit Bauhausdekor von der Hand Marianne Brandts geformt. Stahlschränke sind seit fast einhundert Jahren ein typisch Gothaer Produkt und wenn im Tropical Island die Türe am Umkleidespind nicht klemmt, so sind Nähte und Techniken dafür in Gotha entstanden.

Mir ist klar, dass die Münchner heute noch nicht so gern zugeben, dass BMW das Autobauen von Gothaern erlernte. Denn die Eisenacher Motorenwerke waren 1928 Eigentum der Gothaer Waggonfabrik und erst als die Gothaer die Eisenacher verkauften, lernten die Bayern das bauen guter Autos.

Was schweißt Menschen zusammen!

Da steht an erster Stelle die starke Heimatbindung, die besonders der Thüringer besitzt. Er will vor Ort bleiben. Er ist kein Wanderer zwischen den Staaten. Das ist eine Entwicklung, die es bei uns schon seit Jahrhunderten gibt. Gotha war immer eine internationale Drehscheibe, schon der legendäre Herzog Ernst der Fromme hat an das erste Gymnasium Thüringens Schüler aus Russland, Polen, Ungarn, Frankreich geholt, um sie gut auszubilden. Wenn heute dreihundert Jahre später wieder Russen, Italiener oder Kroaten zu uns kommen, dann gehen diese doch nur auf den Wegen ihrer Vorfahren. Im 17. Jahrhundert zogen Gothaer aus, um den afrikanischen Kontinent zu erforschen, zwischen 1950 und 1990 kamen Äthiopier und Algerische Mitbürger zu uns, um in Gotha zu studieren.

August Petermann, der weltbekannte Kartograph startete von Gotha aus die erste Nordpolarexpedition. James Cook schickte die Bilder seiner Südsee Exkursoin nach Gotha und Alexander von Humboldt war dem Gothaer Hof dankbar, dass man ihm die Fahrten zur Entdeckung Südamerikas ermöglichte. Die Kinder der Gothaer Herzöge zogen in die Welt und heirateten auf die Throne Europas, so dass heute alle zehn Monarchien Europas in Ernst dem Frommen von Gotha ihren Stammvater sehen. Ende des 19. Jahrhunderts kam dann der Sohn von Englands Queen Victoria als Regent nach Gotha, ein Engländer auf einem deutschen Thron.

Gotha ist eine internationale Stadt, die Menschen verschiedenster Nationen zusammenschweißt. Hier können Sie schwelgen durch den ältesten englischen Garten auf dem Kontinent, Sie dürfen blättern in der größten Sammlung islamischer Handschriften, die Mumien bestaunen in der ältesten Ägyptenforschung Deutschlands. Auf die Bühne des ältesten Barocktheaters der Welt können Sie treten, Millionen Jahre alte Saurierfunde aus dem Bromacker des Thüringer Waldes bestaunen, den Hut Napoleon Bonapartes in Augenschein nehmen, die schönste Sammlung japanischer Lackarbeiten bewundern. 

Gothaer sind heute in aller Welt zu Hause. Doch sie wissen, dass sie egal wo sie sind, nur eine Heimat haben, das Gefühl dass sie dorthin bindet, schweißt sie zusammen. Andreas Kieling, der berühmteste deutsche Tierfilmer, ist ein Gothaer - ob in Namibia, am Amazonas oder am Yukon, Sigrid Damm, die First Lady des deutschen Buches ist eine Gothaerin, die diese Liebe in ihren Büchern auf wunderbare Art und Weise beschreibt. Die Hochseiltruppe Geschwister Weisheit, Europas größte Hochseilshow, klettert weit hinauf, um für Gotha zu werben. 

Es gibt viele Beispiele, auch in der Wirtschaft, wo Gothaer ganz hinauf in die Führungsetagen kletterten, nicht zuletzt, waren sechs der großen deutschen Versicherungskonzerne im Jahre 1995 in Gothaer Händen. 

Gotha hat etwas, was zusammen schweißt!

Die Bürger lieben ihre Stadt. Je mehr es ihnen bewusst wird, desto stolzer sind sie. Es ist die Aufgabe von Menschen wie mir, diesen Stolz zu heben. Dieses Bewusstsein zu verlangen und auch zu fordern, dass man auf dieser Welt ist, um sich tatkräftig zu engagieren. 

Gothaerinnen und Gothaer inner- und außerhalb Gothas sind von mir zur Mitarbeit eingeladen. Wir haben uns eine neue Stadtmarke gegeben und wollen durch diese ganz einfach zum Ausdruck bringen, wie unser Gefühl ist. Es gibt viele Stadtmarken, sie kennen vielleicht "Suhl trifft"; "Altenburg reizt", "Greiz geizt", "Ilmenau himmelblau" oder was ich ganz toll finde "Essen ist fertig". Gotha hat es anders gemacht, bei uns heißt es kurz und bündig "Gotha adelt", angelehnt an die großartige Geschichte, bauen wir damit auf die Zukunft, denn wer hier wohnt, hier investiert, hier lehrt und lernt und wer hier was zusammenschweißt, der ist geadelt, der wird geadelt oder der adelt sich selbst.

Wenn wir im nächsten Jahr vom 8. bis 10. Juli 2011 Thüringen und Deutschland zu Gast in Gotha haben, weil der 13. Thüringentag seine Zelte in unserer Stadt aufgeschlagen hat, dann wollen wir wieder Menschen zusammenschweißen und für das Image unserer Stadt nachhaltige Impulse versprühen. Wenn eine Stadt, dabei fast ein Million Euro aus Spenden und Sponsoring der Wirtschaft zusammenbringt, um dieses Festival drei Tage lang zu veranstalten, so zeigt dies die große Sympathie, das große Gefühl einer zusammengeschweißten Bürgergesellschaft.

Der Weg dahin ist weit, der Weg ist nicht einfach, doch wenn er leicht wäre, würde ihn jeder gehen. Nicht jeder kann nach Santiago de Compostella laufen um dort eine Erleuchtung auf dem Jakobsweg zu erhalten, mancher von uns muss auch hier bleiben, um das Licht erst anzuzünden.

Wenn ich ein wenig für Sie der Fackelläufer des Zusammenschweißens sein durfte, so habe ich meinen Beitrag geleistet, denn wie schön steht es am Gothaer Rathaus 

"Immer strebe zum Ganzen,
und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied,
schweiß mit anderen dich als Ganzes zusammen".

In diesem Sinne Ihnen noch eine wunderbare Tagung im Berghof zu Luisenthal.  

Kontakt:

Stadtverwaltung Gotha
Informationsamt
Telefon: 03621 222-234

Anschrift: Historisches Rathaus
Hauptmarkt 1
Telefax: 03621 222-293
E-Mail: presse@gotha.de