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Pressemitteilung - Detailansicht

11.05.2010, Festrede des OB zur anlässlich 20 Jahre demokratisch gewählter Stadtrat am 7. Mai 2010 in der Stadthalle Gotha

"Demokratie ist Glück, das mit den Füßen erkämpft,  mit dem Herzen ersehnt und in Gesetze geschnürt wird"

-es gilt das, was man sagt-

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute steht kein Runder Tisch in der Mitte, heute stehen Menschen im Mittelpunkt. Bürger, die vor 20 Jahren aus den Kräften des runden Tisches wurzelten, um ihren Weg in die neue Demokratie zu finden. Nicht alle haben wieder am Tisch Platz nehmen dürfen, die Demokratie hat den Menschen der Friedlichen Revolution sechs Monate später nur wenig Platz gegeben.

20 Jahre Deutsche Einheit sind mehr als 20 Jahre Friedliche Revolution. Was im Herbst 1989 wuchs hat am 6. Mai 1990 seinen Einzug in die Räte der Kommunen gefunden. Nach der ersten Volkskammerwahl vom 18. März 1990 war es die zweite freie Wahl. Über 90 % der Bürger strömten zu den Wahlurnen und wir alle dachten, das bleibt jetzt immer so. Ein erster Irrtum in der Demokratie! 

Willkommen den Aufbauhelfern der ersten Stunde, Meine Herren des Landtages, des Kreistages und des Stadtrates, Herr Landrat, Meine Herren Alt-Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, die sie als Dezernenten in Gotha wirkten, mein Gruß den Ortschaftsräten und Ortsteilbürgermeistern damals und heute, verehrte Festgäste,

"Politik ist der schöpferische Ausdruck der Kräfte, sie ist Instrument der Demokratie und Vollzug der Meinungsumfragen", nicht immer hat Politik etwas mit Nachhaltigkeit, gar mit Visionen zu tun, in der Stadtpolitik ist das ein wenig anders. Wer sich dem Gothaer Wort 

G = Gemeinsamkeit
O = Offenheit
T = Tradition
H = Heimat und
A = Arbeit

gewidmet hat, der weiß, Gotha ist ein Auftrag, den niemand für sich allein in Anspruch nehmen kann, dafür sind die Aufgaben einfach zu groß.

Wenn wir heute mit dieser kleinen Zusammenkunft daran erinnern, dass wir schon 20 Jahre eine freie demokratische Kommunalpolitik in Gotha und im Gothaer Land begehen können, dann wissen wir, unser Weg war nicht immer bequem, aber wer geht schon gern den einfachsten Weg.

In 20 Jahren haben in fünf Wahlperioden 277 Frauen und Männer das Mandat eines Stadtrates der Stadt Gotha getragen, in 222 Stadtratssitzungen wurden tausende gute Beschlüsse für die Entwicklung der Stadt gefasst, mancher Beschluss, das sei ehrlich gesagt, musste später auch wieder geändert werden. 1.169 Male haben sich die Stadträte in Ausschüssen getroffen - und der Stadtrat hat alle Bevölkerungsgruppen Gothas erfasst, in dem sein jüngstes Mitglied 20 Jahre und sein ältestes 77 Jahre beim Eintritt in den Stadtrat waren. Und letztendlich sind alle guten Dinge drei, denn der dritte Oberbürgermeister in zwanzig Jahren darf seit 45 Monaten für die Stadt als dienendes Glied wirken. Werner Kukulenz und Volker Doenitz haben, jeder auf seine Art und Weise, die Stadt geprägt, ob wir Spuren hinterlassen, werden nächste Generationen beurteilen.

20 Jahre war eine Lehrzeit und wir mussten erkennen Lehrjahre sind keine Meisterkurse, oft wurden Beschlüsse schneller von der Wirklichkeit überholt, als wir dachten. Andererseits erinnerten wir uns nach Jahren, dass wir diese Entwicklung doch so beschlossen hatten. Politik ist Weitblick, weit schauen über den Horizont und nie das Ziel aus den Augen verlieren. Manches ging ohne Beschlüsse, manche Idee, wie die eines neuen Stadtbades für Gotha brauchte mehr als 16 Jahre, um verwirklicht zu werden.

Wenn heute die Thüringen Philharmonie Gotha diese festliche Stunde umrahmt, dann ist dies für uns ein deutliches Zeichen: Gotha und sein Orchester sind eine untrennbare Einheit! Zu oft haben wir in den letzten Jahren kämpfen und bangen müssen, nicht zuletzt an einem meiner ersten Arbeitstage in Gotha. Da erklärte der Thüringer Kultusminister zuerst der Presse, dann dem Oberbürgermeister, dass das Gothaer Orchester zu schließen ist. Gotha hat diesen Prozess verhindert, ist vorgeprescht, hat überzeugt und gehandelt. "Steuerschätzungen dürfen deshalb nicht der Maßstab nachhaltiger Kulturpolitik sein".

Stadtrat zu sein bedeutet, ein Ehrenamt zu besitzen. Es ist eine Ehre, die Steuern festzusetzen, die Tierparkpreise zu erhöhen und die Straßenausbaubeiträge zu bestimmen. Stadtrat zu sein, ist deshalb auch ein medizinischer Grundkurs, man muss nämlich sehr oft Rückgrat beweisen.

Jeder Stadtrat braucht Freiräume, braucht Zeiten, in denen die Familie gern auf ihn verzichtet, deshalb möchte ich an dieser Stelle auch einmal den Frauen und Männern hinter einem Stadtrat, einem Dezernenten - Dank und Anerkennung sagen, nicht jeder Partner wartet gern daheim, lässt sich auf jede, ihn nicht interessierende Veranstaltung mitschleppen, lächelt auch noch nach einem anstrengenden Arbeitstag und freut sich, wenn das Liebste dann endlich eintrifft. Der Mensch im Ehrenamt ist nur so stark, wie man ihm für Ehre und Amt Freizeit gibt.

Die Stadt Gotha dankt, den Abgeordneten der ersten Stunde, den drei Dezernenten um Oberbürgermeister Kukulenz, die in der ersten Wahlperiode die Grundfesten der Entwicklung Gothas legten. Manche Entscheidung aus dem Bauch heraus erwies sich später als ein Glücksfall. Heute bandagieren uns Gesetze und Gesetzlichkeiten, so dass erst dreimal der Kopf eingeschaltet wird, um einmal mit dem Bauch zu knurren.

Oberbürgermeister Volker Doenitz hat Gotha in zwei Wahlperioden mit seinen fünf Dezernenten und in zwölf Jahren als wirtschaftlich starke Region geprägt, ein Fundament, was uns heute einen erfolgreichen Kurs in die Zukunft gehen lässt.

Gotha im 21. Jahrhundert, das ist unsere Aufgabe, die wir in Dankbarkeit vor den Leistungen derer, die den Staffelstab an uns übergaben, gern übernommen haben. Wir wollen unsere Stadt als familien- und generationenfreundliche Stadt mit hohem kulturellem Potential auf starker wirtschaftlicher Basis prägen. Gotha, die Stadt der kurzen Wege ist unsere Vision. Wir sind der Motor und der Pulsschlag einer Region, in der sich Menschen wohl fühlen und sich ehrenamtlich in die Bürgergesellschaft einbringen.

Meine Damen und Herren,

Danke für die Zeit, die wir schon gestalten durften und den Mut für die Zeit, die vor uns liegt, denn
"Demokratie ist Licht, um zu erblühen".

Herzlichen Dank!

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