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Pressemitteilung - Detailansicht

06.10.2011, Festakt der Thür. Landesregierung am 3.10.2011 in der Stadthalle

Grußwort des Oberbürgermeisters der Residenzstadt Gotha zum Festakt der Thüringer Landesregierung am 3. Oktober 2011 in der Stadthalle Gotha

Einheit, diese eine,
ist meine oder deine,
Einheit, die mich formt
ist individuell oder genormt,
Einheit, die uns entzweit
ist nah oder weit,
Einheit, die ich will,
ist WIR-Gefühl.

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Lieberknecht,

Exzellenz Herr Botschafter Murphy,

Meine verehrten Damen und Herren,

wir, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Gotha heißen Sie als Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens in Thüringen ganz herzlich in unserer Stadt willkommen. Nach den prächtigen Eindrücken, die Gotha anlässlich des 13. Thüringentages hinterlassen hat, ist die heutige Festveranstaltung eine weitere Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements hier vor Ort. 

Die Deutschen, ganz besonders die Deutschen zwischen Rügen und Thüringer Wald haben mit der deutschen Wiedervereinigung das Meisterwerk der Geschichte vollbracht und den friedlichen Zusammenschluss eines Volkes erreicht. Die Amerikaner hingegen, Exzellenz, mussten fünf Jahre eines harten Bürgerkrieges führen, um die Einheit der Vereinigten Staaten zu wahren.

Der "Tag der deutschen Einheit" ist mehr als ein Nationalfeiertag, er ist Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls der deutschen Nation, er ist der Tag des Dankes an die Frauen und Männer der friedlichen Revolution von 1989 und er ist ein Erinnerungsort der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wer die Einheit unseres Vaterlandes verstehen will, muss die Geschichte des 20. Jahrhunderts kennen. Kaum ein Jahrhundert der Weltgeschichte, hat den Menschen so oft gedreht, verdreht und neu aufgedreht, wie die letzten 111 Jahre.

Denken wir doch an:
Deutscher Nationalstaat, I.Weltkrieg, Sturz der Monarchie, junge Demokratie, Wirtschaftskrise, Faschismus, II.Weltkrieg, Sieg der Alliierten, friedlicher Wiederaufbau, Gründung zweier deutscher Staaten, Mauerbau und deutsche Teilung, Mauerfall und deutsche Einheit.

Gotha im 20. Jahrhundert: englischer Prinz auf dem Thron, Bomben aus Gothaer Flugzeugen auf London, Absetzung des Herzogs, Freistaat Gotha, Teil des Freistaates Thüringen, braune Machtergreifung, tausende Tote Bürger und Zwangsarbeiter, Josef Ritter von Gadolla verhindert die Zerstörung Gothas, die Amerikaner befreien und übergeben an die Russen, Wiederaufbau der zerstörten Stadt, Kontakte nach Hanau abgebrochen nach dem 17. Juni 1953, Städtepartnerschaft 1960 mit Romilly in Frankreich abgebrochen nach dem Mauerbau 1961, Städtepartnerschaft mit dem unbekannten Salzgitter 1988, Friedensgebete in der Augustinerkirche und erstmals das Deutschlandlied am 3.10.1990 der Thüringen Philharmonie in Gotha.

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist der Humus der Einheit, er lässt wachsen und deshalb ist es wichtig immer mit beiden Beinen auf dem Boden der Wahrheit verhaftet zu bleiben.

Wir, die wir die deutsche Teilung noch lebendig vor Augen haben, müssen nach 21 Jahren deutscher Einheit aufpassen, dass der Interzonenzug mit den Tatsachen der Wahrheit nicht ohne Kommentar vor den Köpfen unserer Kinder entschwindet.

Die Chance der deutschen Einheit ist riesig groß und ich sehe, dass viele Gothaerinnen und Gothaer sowie Millionen Deutsche das "Wunder des Mauerfalls" nutzten, um ein Leben mit vielen unbekannten Risiken, aber in Freiheit für jede Entscheidung zu beginnen.

Ich werde immer wieder gefragt, was für mich das Bauwerk der Deutschen Einheit ist, meine Antwort darauf ist ganz einfach. Nicht etwa die Wartburg oder das Brandenburger Tor sind das herausragende Bauwerk der deutschen Einheit. Es ist ein anderes Haus. Natürlich ist es ein Thüringer Bauwerk und fast selbstverständlich steht es in Gotha - es ist das Schloss Friedenstein.

Meine Damen und Herren,

wenn Sie Europas größte frühbarocke Schlossanlage mit dem runden und dem spitzen Turm betrachten, dann wird Ihnen klar, was deutsche Einheit bedeutet: Auf der einen Seite Deutschlands lief alles rund, auf der anderen Seite Deutschlands spitzte sich die Lage immer mehr zu, aber beide Türme blieben in allen Zeiten durch ein festes Mauerwerk verbunden, das Bauwerk der deutschen Einheit.

Ich hoffe, Ihnen ist nun klar, warum Sie die Thüringer Ministerpräsidentin nach Gotha gebeten hat. Wenn ich ein Lieblingslied habe, was mir auch in den Jahren der deutschen Teilung und der Wiedererlangung der Einheit Kraft gegeben hat, so ist es das Lied von Karat "Über sieben Brücken musst du gehen...", wenn sie mich fragen, sind WIR gemeinsam auf der siebten Brücke angelangt.

Herzlich willkommen in Gotha!

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