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24.10.2011, 375-jährigen Hochzeitsjubiläums von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha und seiner Frau Herzogin Elisabeth Sophia

Ansprache des Oberbürgermeisters der Residenzstadt Gotha anlässlich des 375-jährigen Hochzeitsjubiläums von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha und seiner Frau Herzogin Elisabeth Sophia am Montag, den 24. 10. 2011 auf Schloss Friedenstein "Es gilt das, was gesagt wird!"

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen des Stadtrates der einzigartigen Residenzstadt Gotha, jener bedeutenden alten Hauptstadt im Thüringer Land, darf ich Sie anlässlich eines außergewöhnlichen Jubiläums im Festsaal des Schloss Friedenstein begrüßen. Gemeinsam mit meinem Kollegen Herrn Bürgermeister Kukulenz und der Frau Beigeordneten Marlies Mikolajczak freue ich mich sehr, dass Sie so zahlreich unserer Einladung Folge leisten konnten, um das "Elternpaar Thüringens" zu ehren. Vielleicht ist bis heute noch nicht jedem in Thüringen, geschweige denn in Deutschland und Europa bewusst, dass die Kinder unseres Gothaer Ehepaares die Grundlagen schufen, für den heute mit Smaragden, Saphiren und Perlen rund um den roten Rubin Gotha so dicht belegten Thüringer Kulturteppich - diese Schatzkammer, dieses wahre Weltkulturerbe erhielt eine seiner wichtigsten Grundlagen durch die Fruchtbarkeit der Ehe, des Gothaer Herzogs Ernst I. von Sachsen-Gotha mit der letzten Altenburger Prinzessin Elisabeth Sophia, vor 375 Jahren.

Mancher fragt mich, warum ich als Oberbürgermeister Gothas denn schon wieder einen Hochzeitstag feiern würde, wo ich doch schon, das "Deutsch Englische Jahr 2011" ausgerufen habe mit dem Hochzeitstag von Prinzessin Augusta aus Gotha mit dem Prince of Wales vor 275 Jahren, ein Jahr das unter der Schirmherrschaft ihrer Majestät der Queen steht. Meine Antwort darauf ist einfach: "Lieber Hochzeitstage begehen, als Todestage feiern", man kann doch das Wirken von Menschen nicht auf Geburt und Tod begrenzen, wichtig sind die Etappen, die dazwischen liegen.

Sie erlauben mir, dass ich besondere Ehrengäste in unserer Mitte willkommen heißen darf und es bleibt unsere Gothaer Tradition, dass wir nur einmal einen Begrüßungsapplaus senden, nämlich dann, wenn alle die müssen, die wollten und sollten von mir begrüßt worden sind.

Der Willkommensgruß des Stadtrates zu Gotha gilt zuerst den Ehrenbürgern der Stadt Gotha Frau Dr. Sigrid Damm, Herrn Dr. Edgar Jannott und dem Enkel unseres heutigen Jubelpaares Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha. Für die Thüringer Landesregierung gilt mein Gruß dem direkten Abgeordneten des Gothaer Landes, Herrn Matthias Hey, ich freue mich über die Anwesenheit des Honorarkonsuls des Königreiches Schweden, Herrn Gerald Grusser und des Direktors des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin, Herrn Schiganow.

Den Machern des Barocken Universums, Herr Dr. Paulus, Herr Dr. Eberle, Herr Schilling und der Grand Dame Frau Dr. Paasch sowie ihren Mitarbeitern danke ich für alle Fürsorge, die sie mit der Stadt Gotha und insbesondere mit mir bewahren. Was wäre Thüringens schönstes Denkmal - das Schloss der zwei unterschiedlichen Türmen- ohne Denkmalpflege und Tourismus, liebe Frau Ortmann und liebe Frau Grönegres, Sie unterstreichen mit Ihrer Anwesenheit den hoch aufragenden Stellenwert Gothas.

Er ist der Biograf unseres genialen Gothaer Herrschers und er ist heute bei uns,  um in die Details des Lebens eines Ehepaares einzuführen, Herr Dr. Klinger wir freuen uns sehr über ihren Festvortrag.

Gotha ist die Stadt aus der schon vor Jahrhunderten gute Nachrichten in die Welt geschickt worden sind, denn das erste Anzeigenblatt Deutschlands ist hier verlegt und, damit dies weiterhin so ist, freue ich mich, den Rundfunkchef des MDR Herrn Gehler stellvertretend für die Thüringen Medienlandschaft im Festsaal begrüßen zu dürfen.

Abschließend ist es mir wichtig, drei Menschen in unserer Stadt vorstellen zu dürfen, die aus Moskau zu uns gekommen sind. Scherzhaft sage ich immer, er ist unser ehrenamtlicher Botschafter in Moskau, der Leiter des ZDF-Studios Moskau und bekennende Gothaer, Herr Roland Strumpf und sein Kollege Juri Rylow. Sie begleiten die stellvertretende Direktorin des Staatlichen Puschkin Museums zu Moskau, Frau Tatiana Potapova.

Jeden, den ich erwähnte, aber besonders all die, um deren Namen ich ein Geheimnis hülle, gilt der Willkommensgruß der Stadt Gotha - schön, dass Sie bei uns sind und nun Ihr verdienter Applaus.

Sehr geehrte Festgesellschaft,
eines der berühmtesten Lieder des französischen Chansoniers und Geburtstagskindes des heutigen Tages, Gilbert Becaude, lautet "Wo ist die Liebe zu Hause?" Schade, dass ich ihm nie begegnet bin, ich hätte es ihm gern gesagt - in Gotha! Es ist schon ein ungewöhnliches Ereignis, wenn man Menschen bittet zusammen zu kommen, um einem 375. Hochzeitstag zu gedenken, sicherlich ist dieser Tag besonders, denn er galt einst als Festtag des Gothaer Landes, erst recht, als zwölf Jahre später genau an diesem Tage der Westfälische Friede zu Münster unterzeichnet worden ist.

Ernst der Fromme wird als der Friedensfürst, als der kluge Reformer, als der "Teutsche Staats-Fürst" schlechthin gerühmt, von der Partnerin an seiner Seite spricht kaum einer, manchmal ist das auch heute noch so, dass man nicht sieht, wer hinter einer starken Persönlichkeit steht, mit der man an einem gemeinsamen Werk arbeitet, und die statt Sonne nur Schatten genießt.

Der heute so viel geliebte und gepriesene erste Gothaer Herzog war kein Demokrat im heutigen Sinne und steht doch noch aufrecht auf seinem Sockel. Er war ein Mensch, der Menschen zwang -z.B. zur Schule zu gehen- und damit kein Stuttgart-21-Befürworter war. Er war ein sittenstrenger Erzieher und stand damit heutigen modernen Kindertagesstättengesetzen völlig ablehnend gegenüber. Aber er war ein Mann, der seiner Zeit weit voraus dachte, dem man Visionen zuschrieb und dessen Sparsamkeit jede Euro-Krise überstanden hätte, denn sein Rettungsschirm war, das Aufräumen im eigenen Hause, nicht die Schuld in der Nachbarschaft zu suchen.

Ich frage mich: Haben Ernst und Elisabeth Sophia Nachkommen in heutiger Zeit? Sie waren kein Glimmer-Ehepaar, wie heute Präsident Sarkozy und Carla Bruni, obwohl Elisabeth Sophia bei der Geburt eines Kindes auch über 40 Jahre alt war (nur es war ihr 18.), sie hatten auch nichts gemeinsam mit der Bundeskanzlerin und ihrem Mann, denn Ernst hätte nie im Schatten seiner Frau stehen können, aber er war auch kein Mann, wie Ministerpräsident Berlusconi, denn er war nur einer Frau treu und ließ von sich nie Aufnahmen in Badehose machen, wie der italienische Staatschef. Ganz sicher war er ein Autokrat wie der starke Mann Russlands, Wladimir Putin, der mit harter Hand führte und seine Landeskinder am bescheidenen Wohlstand teilhaben ließ.

Vielleicht ist dieser Exkurs in die Neuzeit zu gewagt, aber es gibt immer Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, jeder von Ihnen wird sich nach dem Vortrag von Herrn Dr. Klinger sein eigenes Bild des berühmtesten Gothaers und seiner Ehefrau machen können.

Auf was kommt es mir persönlich im 21. Jahrhundert an?
Ernst I. und seine Frau lehren uns, was es heißt Partnerschaft zu leben, eine Zeit, in der sich einer auf den anderen verlassen kann, eine Epoche des Vertrauens und der Verlässlichkeit. Aus meinen Worten merken Sie schon, dass es an dieser Partnerschaft im 21. Jahrhundert mangelt.

Heute, am 24. Oktober 2011, dem Zeitalter von Facebook, Twitter, Sims und Mail bleiben Werte wie Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit im Strudel der selbstgemachten Hektik auf der Strecke oder wie könnte es sonst sein, dass die Thüringer Landesregierung den Kommunen ohne Vorankündigung und Gespräche mit der Streichung finanzieller Mittel den Boden der Partnerschaft unter den Füßen wegzieht. Der von Herzog Ernst und seiner Frau geknüpfte Teppich kultureller Blüte, wirtschaftlicher Stärke und sozialer Sicherheit ist mit solchen Maßnahmen auf schärfste gefährdet.

Verlässlichkeit bedeutet für mich, wenn die Bundesregierung, das Thüringer Kultusministerium und die Stadt Gotha gemeinsam ein 30 Millionen Kraftpaket schultern, um das "Barocke Universum Gotha" zum aufblühen zu bringen und damit Impulse für ganz Deutschland setzen. Partnerschaft herrscht zwischen Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten und ihren Nutzern der Stiftung Schloss Friedenstein, dem Thüringischen Staatsarchiv Gotha, der Evangelischen Kirche Mittelthüringens und der Universitäts- und Forschungsbibliothek Gotha-Erfurt über die Zukunft des Barocken Universums Gotha als einheitlicher Marke im Weltmaßstab.

Partnerschaft ist die Gewissheit,ein Ziel zu haben, Partnerschaft ist die Fruchtbarkeit der Kontakte, Partnerschaft ist das Miteinander der Visionen und der Wille zu gegenseitigem Vertrauen.

Gotha ist eine Stadt, in der Partnerschaft aus der Geschichte für die Zukunft neu definiert werden kann, überlegen Sie bitte: Wo ist das älteste Doppelportrat der deutschen Malerei zu Hause, wo laden zwei Figuren über dem Portal des mächtigsten Schlossbaus in Thüringen zum Friedenskuss ein, wo stehen zwei unterschiedliche Türme als eine partnerschaftliche Einheit unverrückbar nebeneinander? - natürlich nur in Gotha.

Gelebte Partnerschaft, so lehrt uns das Leben von Herzog Ernst I. und seiner Frau, ist überall da, wo wir aufrichtig und ehrlich mit unseren Ideen umgehen, wo wir Menschen finden, die sich inspirieren lassen und wo wir gemeinsame Ziele verwirklichen können. Es kommt nicht darauf an, gleich heute alles zu erledigen, man darf sich auch Zeit nehmen, sich auf Ziele zu freuen.

Die Stadt Gotha wird noch mit zwei Veranstaltungen im Deutsch-Englischen Jahr auf sich aufmerksam machen. Wir haben uns mit den Veranstaltungen dieses Jahres den schwierigen Bausteinen der Geschichte gestellt und durften durch die Bestätigung des englischen Staatsoberhauptes die Gewissheit mitnehmen, dass die Schuld der Geschichte, keine Last für die Zukunft mehr ist und wir eine neue Partnerschaft mit Augenmaß aufbauen dürfen.

Natürlich lässt sich der rote Faden der Partnerschaft fortsetzen. Eine Partnerschaft die top aktuell beginnt, zum Beispiel dann, wenn wir im Stadtrat zu Gotha in den nächsten Wochen um den Haushalt ringen. Hier hat es ein Oberbürgermeister nicht so leicht, wie der kluge Gothaer Herzog, der selbst und allein bestimmte. Doch ich lobe mir unsere heutigen Formen der Demokratie, sie sind besser, glaubwürdiger und von Partnerschaft geprägt.

Wenn die BRD und Russland 2012 ein "Deutsch-Russisches Jahr" veranstalten, so steht Gotha wieder im Mittelpunkt. Denn was gibt es nicht alles, womit Gotha russische Geschichte schrieb, das Kanalsystem um Moskau schuf Herzog Ernst von Württemberg, der in Gotha ruht, der Botanische Garten Moskaus trägt die Handschrift des Gothaer Botanikers Eduard August von Regel und unverzichtbar für die "Korrespondenz Literare" ist der Schriftwechsel des Gothaer Gelehrten Melchior von Grimm zwischen den Höfen Paris, Gotha und dem Moskau der Zarin Katharina die Große.

Wenn es um Partnerschaft geht, dürfen wir Gothaer nicht vergessen, dass 2012 der Maler der Reformation Lucas Cranach seine Ehe-Partnerschaft vor genau 500 Jahren in Gotha begann, dass der Walzerkönig Johann Strauß vor 125 Jahren den Grundstein seiner neuen Lebenspartnerschaft in Gotha legte und wir somit wieder im Scheitelpunkt mitteleuropäischer Geschichte stehen. Sie merken es schon, Gotha steckt voll von Impulsen für die Zukunft, voll Ideen pragmatischer Gestaltungskraft. Die Bürger dieser Stadt sind unverwechselbar, sind charismatisch, können auch lächeln und sind bürgerschaftlich engagiert.

Die Gothaerinnen und Gothaer dürfen jeden Tag ihrem Herzog Ernst dem Frommen ins Auge blicken, wenn er von seinem Denkmalsockel auf eine lebens- und liebenswerte thüringische Metropole blickt und sie müssen ihm dabei Rechenschaft ablegen, wie sie mit dem eigenen und uneigennützigen Beitrag seine Stadt weiterentwickelt haben. Eine schönere Zukunftsvision kann es nach 375 Jahren wohl kaum geben.

Darum zum Schluss "Machen wir Ernst und leben wir eine aktive vertrauensvolle Partnerschaft für Gotha, nur so lohnt sich jeder neue Tag".

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