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Dr. Christoph Köhler, Myconiusmedaille 2016

Myconius-Medaille 2016 an Dr. Christoph Köhler

Myconius-Medaillen Preisträger Dr. Christoph Köhler mit Gattin und Oberbürgermeister Knut Kreuch, Foto: Lutz Ebhardt
Myconius-Medaillen Preisträger Dr. Christoph Köhler mit Gattin und Oberbürgermeister Knut Kreuch, Foto: Lutz Ebhardt

Der Gothaer Stadtrat hat in seiner Sitzung am 14. März 2016 beschlossen, die Myconiusmedaille 2016, die höchste Auszeichnung der Stadt Gotha für ehrenamtliches Engagement, an Dr. Christoph Köhler zu verleihen. Mit der Myconiusmedaille würdigt der Stadtrat Dr. Christoph Köhlers ehrenamtliches Engagement als Publizist, als jahrzehntelanger Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Gotha und als langjähriges aktives Mitglied der Vereinigung der Freunde und Förderer des Gymnasiums Ernestinum Gotha e.V.. Die Auszeichnung mit der Myconiusmedaille der Residenzstadt Gotha wurde heute im Rahmen des traditionellen Myconiusempfangs in der Stadthalle Gotha durchgeführt.

Dr. phil. habil. Christoph Köhler wurde am 11. Juli 1936 als Sohn eines Pfarrers und einer Grundschullehrerin in Gera geboren. Nach Abschluss des Abiturs an der Ernst-Abbe-Oberschule in Eisenach 1954 studierte er Klassische Philologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, dabei erhielt er die Lehrbefähigung zu Latein und Griechisch. Später folgte ein Extern-Studium in Diplomgermanistik mit der Lehrbefähigung Deutsch in Jena und ein Fernstudium mit Lehrbefähigung Russisch in Leipzig. Dr. Christoph Köhler ist verheiratet und hat 2 Söhne.

1959 begann die Zeit des Preisträgers in Gotha. Zuerst mit Anstellung als Lehrer an der EOS Arnoldi Gotha und später am Gymnasium Ernestinum Gotha. Währenddessen war er zeitweise Fachleiter für Latein am Studienseminar und Mitglied der Kommission für Prüfungsaufgaben für Thüringen (Deutsch). Die Promotion erfolgte 1968, die Habilitation erfolgte 1992 zum Thema: "Gotha – eine thüringische Residenz zur Aufklärungszeit – Studien zum geistig-kulturellen Leben". Weitere Veröffentlichungen sind "Beiträge zu Ernst II." (Symposium 2004) und "Gotha als Medienstandort" sowie Aufsätze zur Stadtgeschichte und zur Geschichte des Gymnasiums Ernestinum Gotha.

Der Auszeichnung mit der Myconius-Medaille würdig erwiesen hat sich Dr. Köhler u. a. als Gründer und langjähriger Vorsitzender der Goethe-Ortsvereinigung Gotha (1985-2015), als Mitbegründer des Thüringer Altphilologenverbandes 1990 und dessen Vorsitzender bis 2001. Weitere Ehrenämter werden als Mitglied der Internationalen Bachgesellschaft und als Mitglied und inzwischen Ehrenmitglied der Goethe-Gesellschaft Weimar begleitet.

Laudatio des Oberbürgermeisters zum Myconius-Empfang der Residenzstadt Gotha

am 3. Mai 2016 in der Stadthalle zu Ehren von Dr. Christoph Köhler


- Es gilt das gesprochene Wort -

„Das keiner etwas unternehme,
dass bloß ihm Vortheile, den anderen aber Schaden bringt….“

Mit diesem Zitat überschreibt zu Ehrende im Jahr 2004 seinen Artikel über „Carl Wilhelm Ettingers Verlagsunternehmen in Gotha“ den Werner Greiling und Siegfried Seifert in ihrem Buch „Der entfesselte Markt“ veröffentlichten. Damals konnte er nicht wissen, dass gerade diese Lebensweisheit auch für ihn zutrifft und ihm heute die Myconius-Medaille der Stadt Gotha zuträgt. Die Lebenszeit des Namensstifters der Myconius-Medaille, das ist nicht seine Zeit. Sein Forschungsgebiet ist das 18. Jahrhundert. Trotzdem sind sie sich nah, denn die von Myconius begonnene Gothaer Geschichtsschreibung hat der Geehrte mit wesentlichen Beiträgen bereichert.

Ich kenne den Gymnasiallehrer für Latein, Griechisch, Deutsch und Russisch seit meiner Jugendzeit. Ich glaube, dass weiß er gar nicht. Er promovierte über die Reden des Cicero und jener schenkte uns eine Lebensweisheit, die den Geehrten mit mir verbindet. Cicero formulierte

„Ubi bene, ibi patria“ zu Deutsch
„Wo es mir gut geht, dort ist meine Heimat“.

Ja, Heimat verbindet uns! Ich war nicht sein Schüler. Ich begann im Jahre 1981 mit meinen regionalgeschichtlichen Forschungen und mein Weg führte mich jeden Dienstag, weil da bis 18 Uhr geöffnet, in die Forschungsbibliothek im Schloss Friedenstein. Und jeden Dienstag saß dort ein großer Mann, tief über seine Bücher gebeugt, las und forschte. Das war er. Geschlossen wurde erst, wenn er ging, das war gut für mich, denn halb sieben fuhr der letzte Bus nach Wechmar.

Später sind wir uns im Kulturbund öfter begegnet, unter dessen Dach er die Goethegesellschaft gründete und sich mit Gleichgesinnten im „Klub der Kulturschaffenden“ traf.

Goethe und Gotha, das ist sein Thema. Er hat den Klassiker in 30 Jahren im Ehrenamt, durch Vorträge, Reisen auf dessen Spuren, Tagungen und Einladungen an Goetheforscher zu einem Gothaer gemacht. Heute wissen wir, sieben Jahre bevor Goethe in Weimar einkehren durfte, war er schon in Gotha und lobte den Ort, als einen Platz, wo er unter großen Stuckdecken frei denken durfte. In Gotha war Goethe zu Gast beim „Ernestiner-Astronom auf dem Thron“, Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg und seinem Bruder Prinz August, denen Dr. Köhler seine Beiträge im Buch „Ernst II. ein Herrscher im Zeitalter der Aufklärung“ widmete.

Der 1936 in Gera Geborene wurde im Jahre 1985 zum Gründer der Ortsvereinigung Gotha der Goethegesellschaft, genau drei Jahrzehnte führte er die Goethegesellschaft Gotha, zuerst als Ortsgruppe in der DDR, später ein Vierteljahrhundert als Gothaer Gruppe der Goethegesellschaft im vereinten Deutschland. 1985 war kein Goethejahr, sondern der Moment, als die DDR drei große Komponisten im „Bach-Händel-Schütz-Jahr“ für sich entdecken wollte, das Mitglied der Internationalen Bachgesellschaft freute sich über die Ehrung des großen Meisters, der auch in Gotha seine Spuren hinterließ.

Der durch die Friedliche Revolution in der DDR eingeleitete Weg zur Wiedervereinigung unseres Vaterlandes brachte für unseren neuen Myconius-Preisträger vielfache Veränderungen. Plötzlich war er allein zu Hause, denn seine liebe Frau, Pädagogin wie er, Lehrerin an der gleichen Schule, stellte sich der neuen politischen Verantwortung und wurde am 18. März 1990 für die CDU Mitglied der letzten freigewählten Volkskammer der DDR und im Anschluss von 1990 bis 1999 Mitglied des Thüringer Landtages. Er hatte als Mann und Vater von zwei Ärzten plötzlich neue Pflichten, war nicht ausgelastet und widmete sich neben seiner Goethegesellschaft zusätzlichen Aufgaben im Ehrenamt.

1990 gründete sich in Thüringen der Thüringer Altphilologenverband, der Fachverband für Latein und Griechisch an Gymnasien und Universitäten. Erster Vorsitzender und für mehr als ein Jahrzehnt an der Spitze des Verbandes - Dr. Christoph Köhler.

Im Jahre 1991 wechselte Christoph Köhler den Arbeitsplatz und ging an den ältesten und wohl berühmtesten Gothaer Bildungshort, das Gymnasium Ernestinum. Er wurde Mitglied der ULULA und tauchte ein in die Schulgeschichte solch berühmter Professoren und Pädagogen wie Andreas Reyher, Johann Gottfried Geißler, Johann Georg August Galetti, Kurd Laßwitz, Karl Marquardt, Adolf von Schlichtegroll, Friedrich Jacobs, Valentin Rost oder Albert von Bamberg. Dieses erste Gymnasium der Reformation, diese Schule mit den ersten Abiturprüfungen Deutschlands faszinierte ihn so sehr, dass er anlässlich des 490-jährigen Schuljubiläums gemeinsam mit weiteren Autoren eine dreibändige Schulgeschichte publizierte, die die Geschichte einer außergewöhnlichen Bildungseinrichtung dokumentiert.

„Die glückliche Lage von Gotha fast mitten in Deutschland…, macht es zu einem bequemen Ort!“ das sind wahre Zeilen eines alten Zitates von Albert Klebe aus dem letzten Buch von Christoph Köhler „Gotha als Medienstandort von den Anfängen bis 1815“, welches er 2014 in Zusammenarbeit zwischen Historischer  Kommission für Thüringen, Verein für Thüringische Geschichte e.V. und mit Förderung der Kulturstiftung Gotha herausgegeben hat.

Dr. Christoph Köhler hat sich um seine Heimatstadt Gotha verdient gemacht, er hat vor drei Jahrzehnten einen bürgerschaftlich engagierten Verein gegründet und ihn eben solange geführt, hat 1990 einen landesweiten Fachverband für Sprachen mit ins Leben gerufen und ihn elf Jahre lang geleitet. Dr. Köhler hat sich durch Vorträge und Publikationen die hohe Anerkennung seiner Mitbürger und der forschenden Wissenschaft erworben.

Um das Eingangszitat noch einmal zu bemühen darf ich zum Abschluss sagen:

„Er ist keiner, der was unternimmt, dass bloß ihm Vortheile, den anderen aber Schaden bringt. Er ist Einer für den der Andere im Vordergrund und die Allgemeinheit im Mittelpunkt stehen!“

Herzlichen Glückwunsch Dr. Christoph Köhler zur Myconius-Medaille 2016.

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