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Geschichte des Gothaer Winterpalais

1 - Aquarell um 1840, vom Gothaer Hofmaler Heinrich Schneider (1811-1884)
Aquarell um 1840, vom Gothaer Hofmaler Heinrich Schneider (1811-1884)
2 - Frühstückszimmer
Frühstückszimmer
3 - Schlaf- u. Ankleidezimmer
Schlaf- u. Ankleidezimmer

Das Gothaer Winterpalais wurde im 18. Jahrhundert vom Gothaer Hofmarschall von Frankenberg als kleines Palais erbaut. Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg kaufte im Jahre 1798 das Wohnhaus mit einem Gartengrundstück am Siebleber Tor. Sein Nachfolger Herzog August ließ das Haus für seine Witwe Caroline von Sachsen-Gotha-Altenburg, eine Tochter des hessischen Kurfürsten Wilhelm I. herrichten. Als die Herzogin das Haus zum Witwensitz nahm stand in der Urkunde dazu "Ihre Hoheit hatte 38 beheizbare Zimmer, 25 Kammern und Kabinette mit Einschluss des Speisesaals in der Größe wie der in Schloss Friedrichstal befindliche …". Caroline Amalie, Enkelin des Dänenkönigs war auch eine Urenkelin von König Georg II. von England und damit eine Nichte des Thronfolgers Friedrich Ludwig (Frederick), der mit der Gothaer Prinzessin Augusta vermählt war. Herzogin Caroline Amalie lebte bis zu ihrem Tode 1848 in dem Palais. Als Queen Victoria und ihr Gatte Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha am 29. August 1845 erstmalig gemeinsam Gotha besuchten, wurden sie zuerst von der Großmutter Herzogin Caroline Amalie im Winterpalais begrüßt. Nach dem Tode der Herzogin-Witwe zog das Herzogliche Staatsministerium im Palais ein.

Gothaer Politik wurde über viele Jahrzehnte von diesem Platze aus gestaltet. Berühmte Familien wohnten im Winterpalais. Da waren die Familie von Malotki, von Westernhagen, von Treskow, die Staatsminister von Bonin und von Hentig und Hofmarschall von Rüxleben zu Hause. Die Handwerkskammer, die Kriegsgeneralkasse und die Fürsorgestelle betreuten im Winterpalais die Belange der Menschen. Schon immer war der prächtige Bau an Gothas großer Magistrale für repräsentative Aufgaben und wichtige Entscheidungsträger eine bevorzugte Lage. Selbst die Mächtigen der DDR schätzten diesen Standort und ließen ihn gleichzeitig gnadenlos verfallen. Die Kreisorganisationen der Freien Deutschen Jugend, des Deutschen Turn- und Sportbundes und der Gesellschaft für Sport und Technik leiteten vom Winterpalais durch alle Monate und viele Jahre die Geschicke im Gothaer Land.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in diesem Haus die Zeitung "Der Stürmer" herausgegeben, von 1946 bis 1990 war hier die Redaktion der SED-Tageszeitung "Das Volk".

Mit der Deutschen Einheit kamen die Zeiten der Träume und der großen Investoren. Ob Spielbank oder hochklassiges Seniorenheim, viele dieser Träume platzen so, wie sie ausgesprochen waren. Doch dem Haus lief die Zeit davon und ohne Nutzung zog der Hausschwamm ein. Die Stadtverwaltung suchte nach Lösungen, das Haus von Queen Victoria, das Haus einer glücklichen Kindheit des Prinzen Albert in Gotha zu erhalten. Im Jahre 1999 erfolgten Sicherungsmaßnahmen gegen den Schwammbefall. Die in den Folgejahren unternommenen Versuche, das Grundstück mit dem Gebäude zu verkaufen, zu sanieren und wieder zu nutzen schlugen fehl und der Bauzustand verschlechterte sich bedrohlich. Ein bautechnisches Gutachten bestätigte eine Substanzschädigung von 80%. Der schlechte Zustand des Gebäudes offenbarte sich im Rahmen weiterer Sicherungsmaßnahmen und bei der Einrüstung der Gebäudehülle im Frühjahr 2011. Die akute Einsturzgefahr von Teilen des Winterpalais konnte durch einen Teilrückbau beseitigt werden, die jetzt noch bestehenden und abgestützten Außenwandbereiche werden erhalten und im Neubau integriert.

4 - Wohnzimmer
Wohnzimmer
5 - Unsigniertes Aquarell, um 1860
Aufnahme eines unsignierten Aquarells, um 1860
6 - Winterpalais zwischen 1914 und 1920
Winterpalais zwischen 1914 und 1920
7 - Foto des Winterpalais, 1975
Foto des Winterpalais, 1975

Quellenangaben der Abbildungen

1 - Aufnahme aus der Sammlung Prinz Albert Saxe - Coburg, Album III, 12, veröffentlicht im Ausstellungskatalog: Ansichten von Deutschland" aus der Royal Collection in Windsor Castle, S. 51
2 - Frühstückszimmer, Aufnahme aus der Sammlung Prinz Albert Saxe - Coburg, Album III, 12, veröffentlicht im Ausstellungskatalog: Ansichten von Deutschland" aus der Royal Collection in Windsor Castle
3 - Schlaf- u. Ankleidezimmer, Aufnahme aus der Sammlung Prinz Albert Saxe - Coburg, Album III, 12, veröffentlicht im Ausstellungskatalog: Ansichten von Deutschland" aus der Royal Collection in Windsor Castle
4 - Wohnzimmer, Aufnahme aus der Sammlung Prinz Albert Saxe - Coburg, Album III, 12, veröffentlicht im Ausstellungskatalog: Ansichten von Deutschland" aus der Royal Collection in Windsor Castle, "52. Das Winterpalais: Das Wohnzimmer der Herzoginwitwe Caroline, 1848"
5 - Aufnahme eines unsignierten Aquarells aus der Zeit um 1860 aus der Sammlung des Museums für Regionalgeschichte und Volkskunde in Gotha
6 - Foto des Winterpalais aus dem Zeitraum zwischen 1914 und 1920, Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde Gotha, Fotoarchiv, Sammelmappe Friedrichstrasse, Negativ Nr. Ph. V. 14358
7 - Foto des Winterpalais aus dem Jahr 1975, Museum für Regionalgeschichte und Volkskunde Gotha, Fotoarchiv, Sammelmappe Friedrichstrasse, Negativ Nr. Ph. V. 14772

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