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Krematorium

Das Gothaer Krematorium - das älteste im deutschsprachigem Raum

Das Krematorium auf dem Gothaer Hauptfriedhof, Foto: Lutz Ebhardt
Das Krematorium auf dem Gothaer Hauptfriedhof, Foto: Lutz Ebhardt

Der Gothaer Hauptfriedhof wurde vor allem durch eine neuartige Anlage über die Landesgrenzen hinaus bekannt, die für die damalige Zeit bahnbrechend werden sollte. Mit der Eröffnung dieses Friedhofes wurde das erste Krematorium Deutschlands, die erste moderne Anlage dieser Art in Europa überhaupt, in Betrieb genommen. Nur in Chicago befand sich ein älteres Krematorium.

Das, was heute als selbstverständlich angesehen wird, war für die damalige Zeit eine bedeutende Leistung, galt es doch viele Vorurteile aus der Welt zu schaffen, bevor die erste Einäscherung stattfinden konnte. Erst nach mehr als einem Jahrzehnt folgten weitere deutsche Städte dem Beispiel Gothas zur Errichtung von Krematorien (1891 Heidelberg, 1892 Hamburg).

Die Errichtung des ersten deutschen Krematoriums ist vor allem der privaten Initiative des 1874 gegründeten "Feuerbestattungsvereins" unter dem Vorsitz des verdienstvollen Gothaer Landrats Wilhelm Ewald zu verdanken. Verständnis und Entgegenkommen fand das Vorhaben sowohl bei der Stadtverwaltung als auch beim Staatsministerium und nicht zuletzt beim Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, einem freisinnigen und in Vorurteilen nicht befangenem Mann. Infolge vieler anderer sehr notwendiger städtischer Vorhaben, wie der Bau einer Wasserleitung, Kanalisation, neuer Straßen und Schulhäuser, fehlten jedoch die finanziellen Mittel. Die für die Errichtung des Krematoriums veranschlagten Kosten wurden deshalb hauptsächlich durch Spenden des Gothaer Feuerbestattungsvereins sowie des ersten Deutschen Feuerbestattungskongresses, der 1876 in Dresden stattfand, und durch weitere private Spenden aufgebracht. Nachdem im Herbst 1877 alle Meinungsverschiedenheiten über Form und Größe des Baues beseitigt waren, konnte im Frühjahr 1878 mit der Errichtung begonnen werden, so dass bereits am 10. Dezember 1878 die erste Einäscherung stattfinden konnte.

Besondere Verdienste bei der Realisierung dieses gemeinnützigen Vorhabens erwarben sich amtlich der damalige Oberbürgermeister Hünersdorf und der Stadtbaurat Bertuch, der die baulichen Anlage entworfen und ausgeführt hat, sowie ehrenamtlich der Zivilingenieur Stier.

Letzterer war jedoch bereits ein Jahr vor Fertigstellung verstorben. Auf seinem testamentarischen Wunsch wurde seine Leiche in einem hermetisch versiegelten Metallsarg auf Friedhof IV nur vorläufig beigesetzt, um nach Fertigstellung des Krematoriums als erste Leiche Deutschlands am 10. Dezember 1878 den Flammen übergeben zu werden. Stier war der erste und zugleich der letzte der Eingeäscherten im Jahre 1878 sowie der einzige, an dessen Leiche beide Bestattungsarten vollzogen worden sind.

Das Krematorium besteht aus einem etwa 50 m langen Säulenbau, der in vornehmer Schlichtheit aus Seeberger Sandstein im neoklassizistischen Stil erbaut wurde. Als die Urnenkollonade nicht mehr ausreichte, wurde 1892 im Mittelteil ein geschmackvoll ausgestalteter, halbkreisförmiger Anbau, die Urnenhalle - auch Kolumbarium genannt - angegliedert.

Kontakt:

Stadtverwaltung Gotha
Abt. Friedhof
Frau Heß
Telefon: 03621 219-746

Anschrift: Außenstelle Friedhof
Langensalzaer Straße 98
Telefax: 03621 222-485
Mail: friedhofsverwaltung@gotha.de