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Rebekka Knoll: Alle Kolumnen

18.05.2013, Wireless-Verbindung von Gotha nach Berlin

Stadtschreiberin Rebekka Knoll reist kabellos in die Hauptstadt

Die häufigste Frage, die mir Gothaer stellen, lautet: "Und, wie ist es, von Berlin nach Gotha zu ziehen?" Eigentlich klingt diese Frage neutral - doch der Ton macht die Musik. Die Menschen meinen: "Und, wie sehr langweilen Sie sich in Gotha? Ist es nicht ein schrecklicher Kulturschock, plötzlich in Gotha zu landen?" Sie lächeln gespannt und gleichzeitig nachsichtig. Doch ich antworte, dass es absolut nicht langweilig ist, dass sich der Kulturschock in Grenzen hält - und das meine ich ernst.

Natürlich ist die Stadt viel kleiner, es gibt weniger Menschen, weniger Partys und weniger Theater. Aber dafür bin ich auch nicht nach Gotha gekommen. Ich bin hier, um Zeit zum Schreiben zu haben und diese herzliche, gemütliche Stadt kennenzulernen. Und in Gotha hat man wenigstens Gelegenheit, die vielen kulturellen Angebote auch zu nutzen - im Gegensatz zum ständigen Überangebot in Berlin. Die Hauptstadt habe ich bisher wirklich nicht vermisst. Doch dann musste ich wegen eines Termins mal wieder hinreisen.

Und ich war sofort überwältigt. Es fühlte sich an, als wäre ich noch nie hier gewesen. Plötzlich ist Sommer und der Sommer in Berlin ist unwiderstehlich. Das hatte ich ganz vergessen: Überall spielen talentierte Straßenmusiker, davor sitzen junge Leute auf dem Boden, die Spree glitzert und auch die Frauen trinken Bier. Zum ersten Mal seit Monaten bin ich wieder in Berlin verliebt.

Und hier sitze ich nun, in einem verrückten Straßencafé, das natürlich Sojamilch und Chai Latte anbietet. Zufällig läuft ein Freund aus Schulzeiten an meinem Tisch vorbei und erzählt mir überglücklich, dass er sich gerade mit einem Fahrradladen selbstständig gemacht hat. Auf Facebook zeigt er mir seine Seite - denn natürlich gibt es hier Wlan. So, wie in jedem Café. Wie in jedem Haus. Während ich diese Kolumne schreibe, kann ich dazu im Internet recherchieren - und das draußen.

Wer in Gotha lebt, weiß: Das ist nicht selbstverständlich, denn diese Stadt ist verkabelt. Zumindest ist es die wundervolle Stadtschreiberwohnung. Sie hat wirklich alles, was das Schreiberherz begehrt - nur kein Wlan. Ebenso geht es vielen Cafés und Kneipen, schließlich gibt es nicht viele, die hier ihr Büro gegen ein Café als Arbeitsplatz tauschen wollen. Gotha scheint noch auf die guten alten Kabel zu vertrauen.

Während ich in Berlin sitze und kabellos arbeite, muss ich mir eingestehen: Der Weg von Berlin nach Gotha ist doch ein kleiner Kulturschock. Allerdings kein rein negativer. Denn ich bin mir sicher: Schon morgen, nachdem ich so viel Sojamilch und Chai Latte wie möglich getrunken habe, nur bei jedem dritten Straßenmusiker stehen bleiben wollte und mal wieder vom Abendprogramm überfordert wurde, werde ich mich wieder auf Gotha freuen: Auf die romantische Altstadt, den lustig sympathischen Dialekt und die angenehme Ruhe vor meinem Fenster. Nur den technischen Möglichkeiten der Hauptstadt werde ich hinterher trauern. Doch wenigstens ist die Verbindung von Berlin nach Gotha kabellos, denn der Berlin Linienbus hat einen Hotspot.

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