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Rebekka Knoll: Alle Kolumnen

11.05.2013, Gotha - Thüringen's hottest party location

Jedenfalls am letzten Wochenende, findet Stadtschreiberin Rebekka Knoll

Am letzten Wochenende habe ich mich bewusst gegen die Deutsche Bahn entschieden. Ich bin nicht zum Bahnhof gefahren, habe mich nicht an einem der ZWEI Automaten angestellt, um die Gothaer auf den im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlichen Ticketverkauf, auf die vielen Auswahlmöglichkeiten für nur ein Ticket und auf die eigenen Geldscheine, die der Automat wieder und wieder ausspuckt, fluchen zu hören. Ich habe nicht mit ihnen gemeinsam auf die Uhr gesehen, mit ängstlich geweiteten Augen, und mich gefragt, ob ich den Zug diesmal erreiche oder ob der Automat mal wieder gewinnt.

Am Rande gesagt: Wer war bitte der Meinung, ZWEI kleine Automaten würden für eine Stadt mit 45.000 Einwohnern ausreichen? Mit diesem Menschen würde ich mich gern mal unterhalten. Ich würde ihn darauf hinweisen, wie viele von diesen 45.000 Einwohnern wohl aufs Zugfahren verzichten, nur weil sie nackte Angst vor den unbarmherzigen Automaten haben. Ich würde ihm von den langen, nicht kürzer werdenden Schlangen vor den Automaten und der Stimmung an diesem Bahnhof erzählen: Verschreckt, verunsichert - aber auch voller Hilfsbereitschaft. Ja, wenn man genauer hinsieht, erkennt man: Hier hält die Stadt zusammen. Gegen die Automaten verbrüdern sich die Menschen, sie kaufen sich gegenseitig Tickets, lassen denjenigen vor, dessen Zug als nächstes kommt, und werden ein ums andere Mal zu einer großen Gemeinschaft.

Vielleicht sollten wir der Deutschen Bahn also danken. Aber ich bin mir sicher: So weit hat sie nicht gedacht. Außerdem gibt es andere Anlässe, viel schönere Anlasse, die einen ähnlichen Effekt haben. Und damit komme ich endlich zu meinem eigentlichen Thema: dem Gothardusfest.

Ich habe mich natürlich nicht wegen der Automaten dafür entschieden, am letzten Wochenende in Gotha zu bleiben, sondern wegen der größten Gothaer Party des Jahres. Und ich war beeindruckt. Dass auf dem Hauptmarkt diese Bühne, diese Menschenmassen Platz haben würden, hätte ich zuvor nicht für möglich gehalten. Gotha kann Metropole sein, wenn die Stadt Lust darauf hat. Sie kann die Menschen mit Feuerwerken, viel Oettinger und bayrischem Salsa zum Kochen bringen.

Ernsthaft: Mit bayrischem Salsa? Auf diese Frage muss ich mir selbst mit einem ausdrücklichen Ja antworten. Denn diese Band hatte es ja mal wirklich drauf. Was mich aber am meisten beeindruckt hat, war das Publikum. Während uns der einzige Bayer in der Runde jedes Wort übersetzen musste, grölte ganz Gotha mit! Anscheinend wissen die Gothaer ganz genau, wann Mutti kocht und ob Bayern tatsächlich Kubaner sein können. Denn: Thüringer können auch Bayern sein. Wir sind alle eine große Gemeinschaft. Fast so groß, wie die am Gothaer Bahnhof. Aber nur fast.

Während ich in der Menschenmenge stand und Salsa tanzte, musste ich mir vorstellen, all diese Menschen würden morgen früh mit dem Zug abfahren. Zurück nach Bayern, Kuba oder Bad Langensalza. Und es gäbe weiterhin nur ZWEI kleine Automaten. Schnell wischte ich den Gedanken weg und tanzte weiter.

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