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Rebekka Knoll: Alle Kolumnen

16.11.2013, Die sechste letzte Kolumne - Stadtschreiberin Rebekka Knoll muss sich verabschieden

Wie schreibt man eine letzte Kolumne ohne zu traurig zu werden? Ohne sich in der Stadtschreiberwohnung verschanzen zu wollen oder der bereits gewählten Nachfolgerin ein WG-Leben in Gotha vorzuschlagen? (Liebe Sonja Ruf, ich würde sogar regelmäßig kochen und den Schreibtisch aufräumen!) Wie schafft man es, lächelnd zurückzublicken und trotzdem zu gehen?

Als sechste Stipendiatin habe ich das Glück, auf fünf bereits geschriebene, letzte Kolumnen zurückgreifen zu können. Ich habe sie in diesem Moment alle vor mir liegen. Fünf Abschiede, fünf Resümees, fünf weinende und fünf lachende Augen. Ich versuche den unausgesprochenen Rat ihrer Autoren zu befolgen: Ein Abschied ist nicht nur traurig. Melancholie kann sich auch gut anfühlen.

Sie alle sehen neben den schönen Dingen in Gotha nämlich auch die schönen Dinge, die auf sie zukommen werden. Und natürlich geht es mir ähnlich: Ich freue mich auf meine Familie und Freunde und auf meine ganz neue, spannende Aufgabe in meinem ersten Job. Ich freue mich auf meinen zweiten Roman, der im Frühling erscheinen wird, und darauf, dass schon ein Jahr später mein Gotha-Roman veröffentlicht wird. 
Nach sieben Umzügen weiß ich natürlich, dass jeder Abschied auch ein neuer Anfang ist.

Doch auch meine Vorgänger schauen gleichzeitig voller Wehmut auf ihre letzten sechs Monate zurück. Es gab bisher keine StadtschreiberIn, der der Abschied leicht fiel. Sie alle haben Gotha lieben gelernt. Die eine erinnert die Gothaer daran, in welcher tollen Stadt sie leben, und die andere weiß jetzt schon, mit wie viel Sehnsucht und Dankbarkeit sie an Gotha zurückdenken wird. Reinhard Griebner überlegt unter der Überschrift "Gotha to go" sogar, wie er Gotha mitnehmen kann. Er entscheidet sich unter anderem für Lieblingssätze. Was werde ich mitnehmen?

Zunächst einmal zwei Jugendromane, die ich in Gotha geschrieben habe und die 2015 und 2016 erscheinen werden. Außerdem fast 30 Kolumnen. Und, was noch viel wichtiger ist: Unbezahlbare Erfahrungen. Ich habe tolle SchülerInnen kennengelernt und mich von ihren Gedanken überraschen lassen. Gemeinsam haben wir Geschichten entwickelt und in einem Fall sogar ein ganzes Haus damit gefüllt. Im Projekt "Tapetenschreiber" habe ich viel gelernt, ich wurde von verschiedenen Seiten unterstützt und stellte fest, dass gemeinsam alles auf die Beine gestellt werden kann. Als Erinnerung wird ein Stück Tapete auch in meiner nächsten Wohnung zu lesen sein: Alle Gäste konnten selbst an einer Geschichte mitschreiben. Das Ergebnis in grün, lila und unzähligen Handschriften wird mich immer an diese Ausstellung erinnern.

Außerdem werde ich neu geschlossene Freundschaften mitnehmen. Die Erinnerung an zusammen besuchte Kulturveranstaltungen, an Wanderungen durch Thüringen, an gemeinsam gegrillte Thüringer Bratwurst, an Soljanka und Quarkkeulchen, an lange Abende im Pub oder in der Stadtschreiberwohnung.

Auf mindestens einen Abend in Gotha kann ich mich noch freuen: Meine Abschlusslesung. Sie wird am 28.11. im Bürgersaal stattfinden, der Eintritt ist frei. Ich bin gespannt, Sie dort noch einmal zu sehen! Aber versprochen: Es wird nicht mein letzter Abend in Gotha sein.

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