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Katharina Müller: Alle Kolumnen 2020

13.06.2020, Wo die glücklichen Ziegen wohnen

Hofkäserei Burgmühle Haina, Foto: K. Müller

Hofkäserei Burgmühle Haina, Foto: K. Müller

Der Bus hält in Haina. Bei etwas nieseligem Wetter biege ich nach ein paar Metern Landstraße in einen schmalen Weg ein, parallel zum Flüsschen Nesse. Um mich herum Weideland, Weißdorn und wilde Rosen. Rechts grasen ein paar dunkle Rinder nebst Stier. Etwas entfernt schwirrt eine Feldlerche. Auf der Wiese links kuscheln sich etwa zwei Dutzend creme- und schokofarbene junge Ziegen unter einem Ladewagen zusammen. Etwas weiter dient ein großer ausrangierter Kühlschrank, kornblumenblau angemalt, als Büchertauschstation. Bald kommt die Hofkäserei Burgmühle Haina in Sicht, das Ziel meines kleinen Ausflugs. Aufmerksam mustert mich Fips, der imposante Hofhund, als ich das Anwesen betrete. Eine gefleckte Katze kreuzt meinen Weg und läuft geschäftig weiter. Wie verwunschen steht da ein alter bemooster Brunnen. Ein Garten beeindruckt mit üppigen Sommerblumen, dahinter ein Holzofen: jeden Freitag wird hier Brot gebacken.

Auf dem Gelände der Burgmühle wohnen zehn Erwachsene und fünf Kinder. Zwei der Mitbewohner, Karin Wöllert und ihr Mann Reiko, betreiben hier gemeinsam seit 1993 auf 32 Hektar Weideland Landwirtschaft und stellen Rohmilchkäse aus Ziegen- oder Kuhmilch her. Zunächst bereiteten sie ihre Milchprodukte für die Menschen auf dem Hof zu. Nach und nach haben sie die Produktion ausgeweitet und professionalisiert. "Aber wir stellen bis heute her, was uns selber schmeckt", betont Reiko Wöllert, der mich mit strahlendem Lächeln und einer Kanne Tee begrüßt. Er erzählt angeregt von einem Termin im Ministerium für Landwirtschaft, denn als Landesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) kämpft er auch für Tierwohl: Zur Zeit geht es darum, welche Tierwohlma?nahmen gefördert werden sollen. Er engagiert sich für eine spezielle Förderung für Betriebe, die ihre Milchkühe artgerecht auf der Weide grasen lassen.

Die fünf Milchkühe der Hofkäserei dürfen vom Frühjahr bis zum Herbst auf die Weide, ihre Kälber bleiben mehrere Monate bei den Müttern. Auch die 35 Milchziegen und ihre weibliche Nachzucht (die männlichen Lämmer wurden bereits verkauft oder im nahgelegenen Ernstroda geschlachtet) tummeln sich auf Weideland. Außerdem gibt es auf dem Hof zehn Mastschweine, die unter anderem mit der bei der Käseherstellung anfallenden Molke gefüttert werden. Ein paar Hühner leben auch auf dem Hof. Eine Menge Arbeit zusätzlich zur Käseproduktion in Bio-Qualität! Zum Glück sind die beiden Auszubildenden Elias und Emelie da, die tatkräftig beim Melken, Käsen und Verkaufen mithelfen und den Betrieb auch alleine "schmeißen", wenn die Chefs mit den drei jüngeren, noch zu Hause lebenden Kindern in Urlaub fahren.

Der Verkauf der Produkte und der Zukauf von Kraftfutter – die Hofmühle hat leider kein eigenes Ackerland, bedauert Reiko Wöllert – erfolgt in einem Radius von  maximal 50 Kilometern. Das Grünfutter produzieren die Landwirte zum großen Teil selbst, durch die Trockenheit in den letzten Jahren müssen sie aber inzwischen Heu zukaufen.

Den Käse verkauft das Paar im eigenen Hofladen, aber auch an einige Geschäfte und Restaurants in der Umgebung. Die Menschen kommen heute von nah und fern – viele auch aus Gotha – um sich mit Frischkäse, Feta, Joghurt, hausgebackenem Brot, Lamm- oder Schweinefleisch einzudecken. "Die Menschen finden es gut, wie wir hier Tiere halten. Viele kaufen auch aus gesundheitlichen Gründen hier ein. In diesem Jahr, gerade während Corona und dem damit verbundenen Mindestabstand standen die Menschen vor dem Hofladen bis zu einer Dreiviertelstunde Schlange", berichtet Wöllert.
Was macht bei diesem Job am meisten Spaß? "Der Mix, die Abwechslung!" antwortet der Landwirt. "Ich finde es toll, in der Agrarpolitik etwas bewegen zu können. In diesen Ministeriumsrunden bin ich oft der einzige Bauer. Aber ich finde es auch wichtig, hier auf dem Hof geerdet zu sein."

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