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Dr. Birgit Ebbert: Alle Kolumnen 2019

28.09.2019, Seit 200 Jahren auf Nummer Versicherung in Gotha

Foto: B. Ebbert

Foto: B. Ebbert

Auf der Liste der Orte, die ich unbedingt in Gotha besuchen wollte, stand von Anfang an auch das Versicherungsmuseum. Nicht, weil ich ein Fan von Versicherungen bin, sondern weil das erste, was mir zur Stadt Gotha einfiel die Gothaer Versicherung war. Ich weiß, es gibt den Gothaer Adelskalender, da ich aber kein blaues Blut habe, war mir der nie zuvor begegnet. Die Gothaer Versicherung hingegen begleitete mich durch meine Kindheit, wann immer etwas am Haus war, hieß es: Das klären wir mit der Gothaer. Die Chance, der Geschichte dieser Versicherung auf den Grund zu gehen, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dass ich dabei einer der ältesten Versicherung in Deutschland begegnen würde, wusste ich da noch nicht. Aber es ist so, die Feuerversicherungsbank, die als Vorläufer der Gothaer Versicherung gilt, war eine der ersten Versicherungen und vom Gründer Ernst Wilhelm Arnoldi gezielt initiiert, um einem englischen Monopolisten Paroli zu bieten. Die Idee hatte er bereits 1817 in einem Artikel skizziert, 1819 begann er, Mitstreiter unter den Gothaer Kaufleuten zu suchen, schnell fand er Unterstützer in Gotha und den umliegenden Ländern, sodass am 3. Juli 1820 die konstituierende Sitzung der Versicherungsbank stattfinden konnte. 1820, zu jener Zeit lebte Goethe noch, das ist also wirklich sehr lange her. Das Versicherungsmuseum vermittelt einen kleinen Eindruck davon, was sich in den 200 Jahren getan hat.
In einem Raum finden sich Dokumente und Werbemittel aus den letzten 200 Jahren, unabhängig von der Versicherungsgeschichte sieht man dort sehr schön, was den Menschen in verschiedenen Zeiten wichtig war und mit welchen Ideen die Versicherungen, ihre Kunden angesprochen haben. Besonders angetan hat es mir die Spar-Uhr. Davon hatte ich nie zuvor gehört und im Versicherungsmuseum stehen mehrere davon, aus aller Welt. Sie stammen aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und das Prinzip war einfach. Um die Uhr aufzuziehen, musste man ein Geldstück einwerfen, am Ende des Monats kam der Versicherungsvertreter, schloss die Uhr auf und kassierte das Geld als Versicherungsbetrag ein. Aber auch die alten Computer und Rechenmaschinen inkl. einem Laptop der vermutlich ersten Generation, den ich bisher nicht einmal auf einem Foto gesehen hatte, laden zum Nachfragen und Fantasieren.
Ein Raum ist Ernst Wilhelm Arnoldi gewidmet, dem „Vater“ des modernen Versicherungswesens. Die Exponate in dem Raum zeigen den großen Sohn der Stadt nicht nur als Kaufmann, sondern als Menschen, der zum Beispiel Gedichte schrieb, vom Glückwunsch bis zum gereimten Kommentar zu einem aktuellen Ereignis. Vitrinen auf dem Gang vor dem Versicherungsmuseum erinnern an weitere bedeutsame Persönlichkeiten der Branche. Wimpel und Versicherungsschilder vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt dessen, was sich in 200 Jahren getan hat. Besonders faszinierend aber sind die beiden Räume des Museums, die völlig unversehrt sind. Ich hatte beim Betreten das das Gefühl hatte, durch ein Zeittor in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts zu gelangen. Schade, dass die Wände, Decken und Türen nicht sprechen können. Was sie wohl zu erzählen hätten? Wissen Sie es? In meiner Geschichtensammlung ist unendlich viel Platz!

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