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Dr. Birgit Ebbert: Alle Kolumnen 2019

31.08.2019, Meine Reise in die Zeit im Barocken Universum

Nun gehöre ich zu den Menschen, die sich für das Leben in früheren Zeiten interessieren. Hätte es in meiner Kindheit bereits Bücher gegeben, in denen die Kinder in eine andere Zeit reisten, wäre ich wohl gar nicht mehr aus der Bücherei herausgekommen. Deshalb ist Gotha für mich ein Erlebnis-Paradies. Der englische Landschaftsgarten mit dem geheimnisumwitterten Mysterienpark, das Ekhof-Theater, in dem Wind und Donner wie vor 300 Jahren erzeugt werden und die Kulissen wie zu Herzogs Zeiten per Handkraft gewechselt werden, das Herzogliche Museum und Schloss Friedenstein, wo man hinter jeder Ecke den Herzog erwartet. So viel Zeitreise habe ich bisher nicht an einem Ort erlebt.

Ich gebe zu, ich fand die Bezeichnung "Barockes Universum Gotha" anfangs seltsam. Mit jedem Besuch im Schloss oder Herzoglichen Museum und jedem Spaziergang durch die Parkanlage spürte ich mehr, dass dass wirklich ein kleines Universum ist, das einen in eine andere Zeit versetzt. Die Reise führt zurück in das 17. und 18. Jahrhundert, eine Zeit, in denen auch bei uns in den Schlössern noch Könige, Herzöge und Fürsten lebten, die über ihr kleines Reich bestimmen konnten. Auf den ersten Blick mag uns die Zeit völlig anders erscheinen als heute, aber seien wir ehrlich, der Prunk, den die Herrscher zur Schau stellten, hat die gleichen Wurzeln wie heute der Wunsch, das neuste Auto, ein cooles Smartphone oder die angesagten Markenklamotten zu besitzen. Man wollte und will zeigen, dass man besonders ist.

Wie das vor rund 300 Jahren aussah, habe ich am letzten Wochenende erlebt, denn natürlich konnte ich mir das Barockfest nicht entgehen lassen. Da ist mir deutlich geworden, wie groß der Innenhof und damit auch das Gebäude von Schloss Friedenstein ist. Am Rand des Platzes gab es Kunsthandwerkerstände mit Waren, die auch im Barock gebraucht wurden - Seife, Geschirr, Fächer, Süßholzbonbons, Holzschmuck und vieles mehr. Ob alle Speisen, die gereicht wurden, bereits von 300 Jahren gegessen wurden, da bin ich mir nicht sicher, den Mutzbraten, den ich versucht habe, bereitete man vermutlich auch damals am Spieß zu, Brot wurde auf jeden Fall gebacken und Sauerkraut ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt.

Aber nicht nur fürs leibliche Wohl war im Schloss gesorgt, in der Schlosskirche, im Spiegelsaal, im Ekhof-Theater, im Festsaal und im Schlosshof wurde musiziert, getanzt und das Publikum auf andere Weise unterhalten. Immer mit einem Bezug zum Barock und zwischendrin das Herzogspaar, Friedrich III von Sachsen-Gotha-Altenburg und Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg, die am Sonntag sogar zum Talk mit Voltaire einlud.

Wenn ich ehrlich bin, war mir die Zeit des Barock bisher eher fremd, aber die Zeitreise in das Barocke Universum hat mich neugierig gemacht und das Motto jener Zeit, "Carpe Diem", ist auch nichts anderes als unser Achtsamkeitsgedanke heute. Gut, dass ich noch ein paar Monate in Gotha bin, ich werde weiterstöbern, den Tag genießen und wenn Sie einen Tipp haben, was ich unbedingt erleben muss, nur her damit.

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