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Dr. Birgit Ebbert: Alle Kolumnen 2019

07.12.2019, Denn es soll wieder Weihnachten werden

Denn es soll wieder Weihnachten werden, Foto: Birgit Ebbert

Ich gebe zu, ich liebe Weihnachten, ich esse zwar im September keine Lebkuchen, aber wenn es abends früh dunkel wird, warte ich auf die ersten Zeichen für die Vorweihnachtszeit. Hier in Gotha genieße ich seit Mitte November, wie sich die Schaufenster weihnachtlich verändern und verfolge mit Argusaugen die Fortschritte beim Aufbau der Weihnachtsmärkte. Um die Zeit zu überbrücken, habe ich mir den Besuch in der Kerzenfabrik für den November aufbewahrt und mich beim Kerzenflohmarkt für den Advent eingedeckt. Ja, es soll wieder Weihnachten werden. Bei der Suche nach einer passenden Überschrift für meine Kolumne über das vorweihnachtliche Gotha fiel mir die Zeile "Denn es soll wieder Weihnachten werden" aus dem Gedicht "Knecht Ruprecht" von Theodor Storm ein. Sofort drängte sich mir die Frage auf, an die ich mich hier in Gotha gewöhnt habe: Kennen die Gothaer das Gedicht? Eine Prüfung im Internet förderte eine erstaunliche Entdeckung zutage. Das Gedicht, das mich mein Leben lang begleitet hat, wurde in Thüringen geschrieben. In Heiligenstadt, um genau zu sein. Was für ein schönes Zeichen für unsere gemeinsame Kulturgeschichte jenseits vom Leben in Ost und West. Von Unterschieden zwischen Ost und West finde ich nichts, wenn ich durch das vorweihnachtliche Gotha und Hagen gehe. Glühwein und Eierpunsch, Bratwurst und Reibekuchen, Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge und Kinderkarussell hier wie dort. Menschen, die hetzen, und Menschen, die gelassen mit Freunden und Fremden plaudern, Kinder, denen sowieso nur wichtig ist, auf welchem Fahrzeug oder Tier sie im Karussell sitzen und ob sie gebrannte Mandeln bekommen. Aber, das muss ich zugeben, die Weihnachtsmärkte in Gotha - ob auf dem Neumarkt, im Hof von Schloss Friedenstein oder in der Gartenstadt Am Schmalen Rain -  überall stehen die Stände in historischer Kulisse, die durch die weihnachtliche Beleuchtung ein zusätzliches Flair bekommt. Die Weihnachtsbeleuchtung, sie bestimmte meinen allerersten abendlichen Eindruck von Gotha. Beim Italiener gegenüber vom Maria Magdalena Hospital leuchtete noch der Weihnachtsbaum. Spätestens bei diesem Anblick wusste ich, dass ich mich hier wohl fühlen würde. Wenn ich jetzt an meinen letzten Tagen durch die weihnachtlich geschmückten Straßen gehe, weiß ich, dass ich in Hagen ein bisschen wehmütig daran denken werde. Das einzige, was das ausgleichen kann, ist das Riesenrad vor meinem Fenster.

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