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Christoph Kuhn: Alle Kolumnen

24.05.2008, Annäherung an Kurd Laßwitz

Er war mir noch überhaupt kein Begriff, als ich mich um das nach ihm benannte Stipendium in Gotha bewarb: Kurd Laßwitz. Auch kaum jemandem aus meiner Familie, dem Freundes- und sogar Autorenkollegenkreis war er bisher bekannt, dieser Schriftsteller, Physiker, Mathematiker, Philosoph und Lehrer. Das beruhigte mich etwas, doch wollte ich mich natürlich über Laßwitz´ Leben und Werk kundig machen. Er wurde vor allem durch Sciencefiction berühmt ? und das ist nun gar nicht mein Metier, weder als Autor noch als Leser, dachte ich mir, und zum Glück gehört diese Literaturart auch nicht zu den Voraussetzungen für das Stipendium! Später jedoch erinnerte ich mich, dass Anfang der sechziger Jahre mein Vater mir Bücher in die Hand drückte, schon aus seiner eigenen Jugendzeit: utopische Romane von Hans Dominik ? und der war Schüler von Kurd Laßwitz im ältestem Schulgebäude Gothas.

Eine zweite Erinnerung gehört in die frühen siebziger Jahre: ich verfasste ein Sciencefiction-Stück, ein psychologisches Drama, das von den problematischen Beziehungen dreier Astronautenpaare auf ihrem jahrzehntelangen Flug zu einem Planeten im System des Alpha Centauri handelte. Allerdings reichte der Erfolg dieses Stückes nicht über zwei Leseaufführungen hinaus.

Ohne mir etwa einen Vergleich mit Kurd Laßwitz erlauben zu wollen ? es gibt Verbindungen, gemeinsame Schreibimpulse und Motive. Wenn Kurd Laßwitz in Erzählungen und dem großen Roman ?Auf zwei Planeten? (1897) die Weltraumfahrt beschreibt, hängt das womöglich mit dem Erlebnis zusammen, dass er schon als Kind durch ein Teleskop in den gestirnten Himmel gesehen haben wird, denn im Garten seines Elternhauses stand eine Sternwarte. Außerdem saß er als Student der Physik in Vorlesungen des Astronomen Johann Gottfried Galles, der als Entdecker des Planeten Neptun gilt. Ich kann seine Begeisterung für Astronomie gut verstehen: Zum 13. Geburtstag bekam ich ein Fernrohr geschenkt, und mir ist die erste nächtliche Beobachtung des Mondes unvergesslich geblieben. In meinem Roman "Am Leben" habe ich diese Erinnerung verwendet und schildere die Wirkung des ersten Kosmosfluges eines Menschen auf die kindliche Phantasie.

In einer Laßwitz-Biographie wird die Frage gestellt, welche Umstände den Universalgelehrten und "Vater der deutschen utopischen Literatur" 1848 ausgerechnet nach Gotha geführt haben mögen. Wird nicht der Hauptgrund darin liegen, dass hier um 1790 die älteste Sternwarte Deutschlands errichtet und somit in Gotha eine "astronomische Epoche" begründet wurde? Ich habe den ehemaligen "Himmelskunde Hort" gleich am Anfang meines Aufenthaltes besucht und hoffe, in der nächsten Zeit einmal durch ein starkes Gothaer Teleskop sehen zu dürfen.

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