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Claudia Engeler: Alle Kolumnen

21.08.2010, Mord im Illuminatengarten?

Ich bin ja wirklich schon oft durch den Schlosspark gelaufen. Allein, mit Freunden, natürlich mit meiner Enkelin und mit meinen Kindern. Unter Anleitung meines Sohnes beobachteten wir die Frösche am Teich. Sie können nur Bewegungen wahrnehmen, wenn wir also lange genug still saßen und keine störende Ente durchs Bild wackelte, dann wähnten sich die Quäk-Geister unbeobachtet und erfreuten uns mit dem Anblick ihrer Schallblasen.
Sie sehen, ich habe bei meinen Wanderungen durch den Park durchaus die Augen offen. Und doch habe ich nur einen Teil gesehen, denn, um es etwas zugespitzt zu sagen: Man sieht nur, was man weiß. Eine Erfahrung, die ich in Gotha nicht zum ersten Mal mache ? das wäre angesichts meines fortgeschrittenen Alters auch eine Schande. Aber ich mache sie hier sehr intensiv. Die Parkführung mit Matthias Hey war so ein "Augenöffner".
Nehmen Sie zum Beispiel die Insel im Teich des Illuminatengartens. Von keiner Stelle aus ist sie als Insel zu erkennen und auch ich glaubte zunächst, einfach nur das andere Ufer zu sehen. Irgendwann merkte ich dann, dass das nicht stimmen konnte, schaute genauer hin, kam bei der Sphinx dem Trugbild auf die Schliche ? und hielt es für einen Zufall. Doch der Park soll uns etwas erzählen: Die Welt ist nicht in einem Augen-blick zu schauen. Man muss ein Stückchen gehen, um zu begreifen. Man muss wissen, um zu sehen.
Anderes Beispiel: Ich schrieb in einer Geschichte, dass ein kleiner Besucher der Stadt vom Leinakanal aus aufs Schloss blickt. Beim Ortstermin musste ich feststellen, dass das gar nicht geht. Er schaut allenfalls in den ?Wald?. Vom Schloss sieht er nur ein Stückchen Dach, denn immer wird der Blick auf Baumgruppen gelenkt, hinter denen der Park endlos weitergehen könnte. Auch das ist gewollt ? der Park kommt uns viel größer vor, als er ist.
Nun ist es ja kein Fehler, etwas Schönes einfach als das zu genießen, was es ist ? etwas Schönes zum Genießen. Spannender ist es trotzdem, wenn man hinter dem Offensichtlichen auch das Verborgene kennt. Ich erlebe meine Spaziergänge durch den Park jetzt anders und ich freue mich auf meine nächsten Besucher, denen ich natürlich sofort eine persönliche Parkfüh-rung angedeihen lasse mit allem, was ich mir merken konnte: Keine einzige Jahreszahl, wohl aber eine Fülle von Anekdoten.
Ein Gedanke kam mir im düsteren Illuminatengarten: Hätte ich vielleicht meinen Mord, der ein bisschen heimwerkerhaft in der eigenen Küche stattfindet, dorthin verlegen sollen? Der Gruselfaktor wäre höher. Etwas Zahlenmystik, ein Geheimbund, verborgene Zeichen auf Geldscheinen ? das hat doch etwas Verführerisches, oder nicht?

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