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09.02.2017, Vergiftet der Weimarer "TATORT" wirklich mit Gothaer Qualitätsprodukt?

Wer am letzten Sonntag den TATORT in der ARD aus Weimar gesehen hat, ist sicherlich vor dem Fernseher aus der Hose gefahren, als er mit ansehen musste, wie das Opfer ein Stück Kuchen verschlang und sich dabei furchtbar vergiftete. Der vermeintliche Todeskuchen soll "Gothaer Kranz" gewesen sein.

Diese Tatsache rief Oberbürgermeister Knut Kreuch auf den Plan, der nach der Sichtung des Filmmaterials feststellte, dass es sich beim Mordkuchen nicht um "Gothaer Kranz" , sondern um einen gewöhnlichen "Frankfurter Kranz" handelt, der, weil er sich unter dem Namen Gotha besser verkauft, in Thüringen meist als "Gothaer Kranz" vertrieben wird.

Sowohl in Gotha, wie auch in vielen anderen Orten, gibt es in den Bäckereien schon lange keinen echten "Gothaer Kranz" mehr. Bei dem mit roten kandierten Kirschen verzierten Cremekuchen, der in vielen Geschäften erhältlich ist, handelt es sich ausschließlich um "Frankfurter Kranz".

Oberbürgermeister Knut Kreuch hat dazu umfassend recherchiert und stellt klar: Kuchen mit dem Markennamen "Gothaer Kranz" gibt es seit dem Jahr 1905. Am 21. Juni 1905 meldete der Gothaer Konditormeister Albert Maasberg, Jüdenstraße 26, unter der Warenbezeichnung "Maasbergs Gothaer Kranz" seinen Kuchen beim Kaiserlichen Patentamt an, in dessen Heft 10, des Jahres 1905 die Unterschutzstellung des Kuchens erstmalig beurkundet ist. Im Januar 1910 liefert Maasberg im Warenzeichenblatt des Kaiserlichen Patentamtes erstmals auch ein Bild seines Kuchens.

Albert Maasberg war gebürtig aus dem Braunschweiger Land und kam als Konditor aus Fulda nach Gotha, wo er 1903 eine Verkäuferin heiratete. Interessant ist, im Jahre 1910 lässt sich der Gothaer Konditormeister Otto Leidel in der Erfurter Straße 14, sein Gebäck "Leidels Thüringer Gänse" und "Leidels Gothaer-Residenz Kränze" patentieren. Ersteres ist ein Dauergebäck in Form von Gänsen, zweites ein Dauergebäck in Form von Kränzen.

Was unterscheidet nun den Frankfurter vom Gothaer Kranz?

Der "Frankfurter Kranz" ist bereits seit 1735 überliefert und damit wesentlich älter als der Gothaer, der sich als Kind des 20. Jahrhunderts herausstellt. Wird der "Frankfurter Kranz" in einer Aschkuchenform gebacken, so nutzt man für den Gothaer eine Kranz-Springform, der Frankfurter wird verziert mit kandierten Kirschen, der Gothaer lässt diesen Schmuck vermissen.

Das "Mosaik" stellte im Heft 485 ("Die Klingelschweine von Wittenberg") im vergangenen Jahr mit dem doppelseitigen "Ein Abstecher nach Gotha" die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Gotha vor und verwies mit einem speziellen Tipp auch auf die Tradition des "Gothaer Kranzes". Möglicherweise war diese Darstellung Inspiration für die Krimi-Autoren, das traditionelle Gothaer Backwerk im Weimarer "Tatort" zu präsentieren.

Das Rezept: Man nehme 125 Gramm Butter, 125 Gramm Zucker, 3 Eier, ½ Stück Vanille, 125 Gramm Weizenmehl, 1 Messerspitze Backpulver, zur Füllung Buttercreme, 4 Eßlöffel Zucker, 50 Gramm gewiegte Mandeln. Die Butter wird zu Sahne gerührt. Zucker in Eigelb schaumig rühren, etwa 30 Minuten, dann das mit dem Backpulver gesiebte Mehl dazu. Die gewiegten und den steifen Eierschnee darunter gezogen. Man füllt die Masse in eine mit Butter ausgestrichene Kranzform und backt sie im gut durchhitzten Ofen 20-25 Minuten goldgelb. Etwas abgekühlt stürzt man den Kuchen. Nachdem er erkaltet ist, schneidet man ihn ein- bis zweimal quer durch und streicht Buttercreme dazwischen. Zur Garnitur zerlässt man die Butter, lässt Mandel und Zucker hell gelb geröstet, ist dieses erkaltet, dann gewiegt und auf den wieder zusammen gesetzten Kuchen mit wenig Buttercreme bestrichen und mit den gewiegten Mandeln bestreut.

"Das Tatort-Opfer vergiftete sich nicht an Gotha, denn der Kuchen mit der roten Kirsche kommt aus Frankfurt, Kuchen mit Mandeln bestrichen und groß wie eine Springform, das ist ein Produkt aus Gotha. Schön wäre es, wenn die einheimischen Bäcker auch wieder zum Gothaer Kranz zurückkehren könnten, auch, wenn er viele Kalorien hat", zieht Oberbürgermeister Knut Kreuch sein Krimi-Fazit.

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