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21.12.2017, Dr. Wolfgang Steguweit übereignet Brief der Herzogin Caroline Amalie dem Staatsarchiv Gotha

Dr. Wolfgang Steguweit hat heute dem Staatsarchiv Gotha einen Brief der Gothaer Herzogin Caroline Amalie vom 13. August 1822 übereignet, den er privat angekauft hatte. Direktor Lutz Schilling nahm das Schreiben, dass die Herzogin nach dem Tode ihres Gemahls, Herzog August, mit berührenden Empfindungen zu Ihrer Stieftochter Luise und im Angesicht des "ganz verödet" dastehenden Friedenstein aufgesetzt hatte, entgegen.

 

In dem vierseitigen Brief mit Trauerrand schreibt Herzogin Caroline Amalie an ihren Vetter Prinz Wilhelm von Hessen-Philippsthal:

 

Mein lieber Vetter!

Ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank, für Ihren lieben freundschaftlichen Brief, vom 20.ten vor. Monats, und erkenne gewiß recht bey aller Gelegenheit, mein guter lieber Vetter Ihre Freundschaft und Theilnahme. Ja wohl war dieses Jahr mein Geburtstag ein Tag der innigsten Betrübtnis für mich, ich brachte ihn, in der größten Stille zu, und in Vergleichungen der Vergangenheit gegen die jetzige schreckl: Wirklichkeit und Gegenwart. Sie haben keinen Begriff, mein lieber Wilhelm, von der Traurigkeit, die hier allgemein herrscht, und Sie würden gewiß, das sonst so angenehme, frohe Gotha, gar nicht wiederkennen, alles höret auf – und aus einem angenehmen Ort, wird ein höchst betrübter werden, da mein armer Schwager keinen Hof halten kann, und es für seine Gesundheit am wünschenswerthesten ist, daß er ganz ruhig und einfach lebt so hört natürlicherweise alles auf. Der /// liebe (?) Friedenstein wird ganz verödet da stehen – dieser gewährt seinen sehr traurigen Anblick, da man ihn überall wo man hinblickt sieht – ich werde künftig im Haus wohnen, welches meine geliebte Mutter bewohnte, es wird noch etwas vergrößert werden, und im Sommer werde ich das Friedrichsthal immer bewohnen – wie allein ich mir vorkomme, und wie verlassen, das brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen – meine theuere Luise war nach ihrer /// in Ems, einige Wochen bey mir, das ist drum ein großer Trost für mich, nun ist sie wieder auf der schönen Rosenau, wo ich sie auch bald zu besuchen gedenke – von dem Churfürst erfahre ich nur, die allerhärtesten Begegnungen, er hat mir kein Wort des Antheils bey meinem großen Unglück sagen lassen, im Gegentheil, ist der Brief den ich ihm in dieser schreckl. Zeit schrieb, gänzlich ohne Antwort geblieben, und er beharrt hartnäckigt darauf, mir die 4000 Thlr., die ich von meinem Vater, als Leibrente geerbt habe, nicht zu bezahlen, eben so wenig als die Interessen, der 33000 Thl. Die er mir versprochen hatte. Daß ein Bruder so gegen eine Schwester handeln kann, ist wohl mehr, als unglaublich in Hanau, soll er bey meiner armen Schwester gewesen seyn, die mir aber seitdem keine Zeile geschrieben hat. Man sagt, daß er mit einer gewissen Dame soll bey ihr gewesen seyn – meine arme Schwägerin lebt in Cassel, wie eine Staatsgefangene – ihr Sohn, ist dann endl. auf Reisen gegangen, man sagt, daß er nach dem Willen des Vaters, sehr lange abwesend bleiben soll – Gott was sind das alles für traurige Begebenheiten – mein Onkel Friedrich, hat mir aus Copenhagen und aus Luisenlund geschrieben, und scheint sehr zufrieden von seinem Aufenthalt an beyden Orten, lobt sehr, wie gnädig und freundl: er vom König und der Königin, sey empfangen worden – nun wird er wohl bald, nach Hannover kommen, wo er denkt, den Winter zuzubringen – die Abreise der guten Tante, thut mir sehr leid, und besonders daß ich die gute treue Cousine Luise verliehre, thut mir sehr leid – Ich kann begreifen, wie leid Ihnen die Trennung von Ihrem guten Bruder Carl wird gethan haben, wo mag er nun wohl seyn, und was hören Sie vom /// Ernst –

Ich bitte Sie, lieber Vetter Ihrer lieben Gemahlin mich auf das Freundschaftlichste zu empfehlen, so wie auch an meine Cousine Charlotte und meinen Vetter Wilhelm – ich hoffe, daß sie alle, mich nicht gänzlich vergessen werden – der Herzog und die Herzogin von Clarence sind nun seit mehr als einen Monat in Altenstein, ich werde sie wohl zu sehen bekommen da mir die gute Adelheid (?) ein rendezvous angeboten hat, man sagt, daß sie sich sehr verändert hat, – Leben Sie wohl mein lieber guter Vetter, und schenken mir ferner Ihre Freundschaft, die von ganzem Herzen erwidert

Ihre aufrichtige Freundin und Cousine

Caroline H z Sachsen

Gotha, d: 13. Auguß 1822

Die Herzoginn Eugène von Württemberg war hier auf ihrer Durchreise nach Schlesien bey mir, sie ist auch sehr unglückl: über den Verlust, ihres Mannes, allein dieser war doch vorauszusehen.

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