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Pressemitteilung - Detailansicht

23.02.2012, Bürgerbeteiligung zum Bau der Residenzgalerie an der Gartenstraße

Die zweite Ausgabe des "Rathaus-Kuriers" 2012 widmet sich umfangreich einem wichtigen Thema der Stadtplanung - der seit einiger Zeit diskutierten Möglichkeit zur Bebauung des Areals zwischen Gartenstraße und Moßlerstraße. Ziel ist es nun, mit einer Bürgerbeteiligung eine wichtige Unterstützung für die Entscheidung des Stadtrates zu schaffen, der in diesem Jahr über eine entsprechende Beschlussfassung abstimmen wird. 

Um den Gothaerinnen und Gothaern eine Meinungsäußerung zu diesem wichtigen Thema zu ermöglichen, hat die Stadtverwaltung im Amtsblatt umfangreiche Informationen zum geplanten Einkaufszentrums und dessen geplante verkehrstechnische Anbindung gegeben und stellt mit dem dort abgedruckten Fragebogen die Frage: "Wie würden Sie entscheiden? Soll die Residenzgalerie gebaut werden?"

Jede Beteiligung auf diesem Fragebogen muss mit Name und Anschrift erfolgen, damit eine Manipulation der Befragung ausgeschlossen werden kann. Es können prinzipiell alle Familienmitglieder ihre Meinung abgeben, hierzu kann der Fragebogen kopiert, oder weitere Exemplare an der Infothek im Rathaus oder im Bürgerbüro des Neuen Rathauses in Empfang genommen werden. An diesen beiden Orten kann der ausgefüllte Fragebogen dann auch innerhalb der Öffnungszeiten der Häuser (Montag bis Donnerstag, 8.00 bis 18.00 Uhr, Freitag 8.00 bis 14.30 Uhr) abgegeben werden. Es besteht selbstverständlich auch die Möglichkeit, ihn in die Rathaus-Briefkästen einzuwerfen.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen die Möglichkeit dieser Bürgerbeteiligung zu nutzen, um dem Stadtrat die Entscheidung zum Thema des geplanten Einkaufszentrums an der Gartenstraße zu erleichtern. Die Fragebögen können bis spätestens 30.04.2012 abgegeben werden. Die Auswertung erfolgt in der Hauptausschuss-sitzung am 14. Mai 2012.

Zur Information:

Das Baugesetzbuch (§ 3 Abs. 1 BauGB) gibt die Möglichkeit die Öffentlichkeit frühzeitig über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung, die für die Neugestaltung oder Entwicklung eines Gebiets in Betracht kommen, und die voraussichtlichen Auswirkungen der Planung öffentlich zu unterrichten. Den Bürgern ist Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung zu geben. Hiervon möchte die Stadtverwaltung Gebrauch machen, da das Vorhaben „Bau der Residenzgalerie“ bereits in vielerlei Hinsicht in der Öffentlichkeit diskutiert wird. 

Was ist die "Residenzgalerie"?
"Residenzgalerie" ist der Arbeitstitel für ein geplantes Einkaufszentrum nördlich der Gartenstraße, auf der Leerfläche des ehemaligen 11-geschossigen Wohnblockes und der noch vorhandenen alten REWE-Kaufhalle. 
Hier soll nach Vorstellung eines erfahrenen Investors ein Einkaufszentrum entwickelt werden, das in zwei Ebenen Verkaufsflächen und in weiteren zwei Ebenen ca. 600 Parkplätze und ein modernes Kino mit mindestens drei Sälen beinhaltet. Hauptmieter der Verkaufsflächen sind REWE mit einem gegenüber dem Ist-Zustand deutlich erweiterten Lebensmittelangebot und ein namhafter Fachmarkt für Elektrowaren und Unterhaltungselektronik in einer Größenordnung von bis zu 3000?m.
Als weitere Sortimente sind u.?a. Sportwaren, Spielwaren, Heimtextilien, Bekleidung und Schuhe geplant. Dabei soll es sich nicht um Verlagerungen aus der Altstadt, sondern um Neuansiedlungen und Sortimentsergänzung handeln. Die Gesamtverkaufsfläche wird auf maximal 15.900?m begrenzt. Gastronomie und ein Kinderland runden die Einkaufsgalerie ab, 100 neue Arbeitsplätze entstehen. 

Warum wird über den Bau der Residenzgalerie nachgedacht?
Bei der Bearbeitung eines Gutachtens über den Einzelhandel in der Stadt Gotha stellte sich heraus, dass der Zufluss an Kaufkraft aus dem Umland in die Stadt im Zeitraum von 2005 bis Ende 2010 um rund 10?% zurückgegangen ist. Es kommen also jetzt deutlich weniger Kunden aus dem Umland zum Einkaufen nach Gotha als noch vor 6 Jahren. Dieses Ergebnis bestätigt auch eine repräsentative Befragung von 1000 Haushalten im Stadt- und Kreisgebiet. 50?% der Befragten aus dem Landkreis Gotha gaben an, selten oder nie in Gotha einkaufen zu gehen. Bei den Befragten mit Wohnort in Gotha waren es immerhin noch 16?%. Damit wird Handlungsbedarf erkennbar. Die Attraktivität des Einkaufsstandortes Gotha muss mit den Entwicklungen im Umfeld Schritt halten oder versinkt in Bedeutungslosigkeit. Erfurt plant u.?a. die Erweiterung des Thüringenparkes. In Eisenach liebäugelt Media-Markt mit einem Standort an der Autobahn und am Bahnhof entsteht ein neues Einkaufszentrum. Alle befragten Gutachter sind sich einig, dass durch ein ausreichend groß bemessenes Einkaufszentrum an der Gartenstraße verlorengegangenes Kaufkraftpotential nicht nur zurück gewonnen, sondern zusätzliche Kaufkraft in die Innenstadt geholt werden kann. Dabei sollte sich ein Zuwachs an Kunden und die Verbesserung der Parkraumsituation auch positiv auf den vorhandenen Handel in der Altstadt auswirken. Entscheidend sind die richtige Größe, der richtige Branchenmix und ein gemeinsamer Marketingauftritt der Gothaer Innenstadthändler mit dem Betreiber der Einkaufsgalerie. Die Bereitschaft dazu wurde in bereits geführten Gesprächen signalisiert.

Wie wird der Bau der Residenzgalerie städtebaulich beurteilt?
Wie Pilze sind nach der Wende Einkaufszentren am Stadtrand, auf der "grünen Wiese" aus dem Boden gewachsen. Es dauerte nicht lange und die negativen Auswirkungen wurden deutlich - steigendes Verkehrsaufkommen und Schließung von Läden in Wohnungsnähe und in der Innenstadt. Erst kürzlich hat der Gothaer Stadtrat ein aktualisiertes Zentrenkonzept zum Schutz der Innenstadt und der wohnungsnahen Lebensmittelversorgung beschlossen. Unsere Altstadt ist umfangreich saniert und Leerstände sind kaum vorhanden. Die Einwohnerzahlen der Innenstadt sind sogar wachsend. 
Durch den Bau eines attraktiven Einkaufzentrums in der Innenstadt kann Kaufkraft in das Zentrum zurückgeholt werden. Innerhalb der Altstadt findet sich aber kein geeignetes Baugrundstück mehr. Der Standort nördlich der Gartenstraße ist in mehrfacher Hinsicht für solch eine Investition geeignet. Er liegt an einer der wichtigsten Verkehrsachsen unserer Stadt und ist aus allen Richtungen nicht nur mit dem Auto gut zu erreichen, sondern auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Durch den Bau der neuen behindertengerechten Straßenbahn- und Bushaltestelle in der Gartenstraße hat die Stadt gute Voraussetzungen geschaffen.
Die Entfernung des Einkaufszentrums von der Fußgängerzone der Altstadt beträgt in der Lutherstraße 130?m und in der Pfortenstraße gar nur 75?m. Neben den bereits vorhandenen Fußgängerüberwegen Lutherstraße und Brühl wird ein zusätzlicher Übergang an der Pfortenstraße eingerichtet. Damit ist dieser Standort in unser historisches Zentrum integriert, ohne es städtebaulich zu beeinträchtigen.  Die endgültige Fassadengestaltung des 3 bis 4-geschossigen Baukörpers soll übrigens durch Auslobung eines Architektenwettbewerbes gefunden werden. Das sichert eine hohe baukünstlerische Qualität bei der Neubebauung dieser stadtbildprägenden Leerfläche.

Gibt es nicht schon genug Verkaufsflächen und wer bezahlt das alles?
Rechnet man aus, wie viel Quadratmeter Verkaufsfläche es je Einwohner in Gotha gibt, kommt man auf eine Zahl, die nicht unerheblich ist, aber z.?B. noch unter dem Wert der Stadt Eisenach liegt. Darauf kommt es aber nicht an. Die gleiche Berechnung für Waltershausen angestellt, ergibt einen recht niedrigen Wert.

Gotha ist ein starkes Zentrum für ein großes Einzugsgebiet. Landesplanerisch ist Gotha ein Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums. Hier werden z.?B. Schulen, medizinische Einrichtungen, Sportstätten und Kultureinrichtungen für das gesamte Kreisgebiet vorgehalten. Bei den Verkaufsflächen ist das ähnlich. Hier sollte der Bedarf einer ganzen Region gedeckt werden. Wie eingangs dargelegt, orientieren sich aber viele Kunden anders und fahren zunehmend in die starken Nachbarzentren Erfurt und Eisenach, weil dort das Angebot vielfältiger ist. Speziell junge Menschen sind in dieser Hinsicht sehr mobil.

Nun könnte man das alles mit Gelassenheit beobachten und hinnehmen, dass immer weniger Kunden ihre Einkäufe in Gotha erledigen und unsere schöne Altstadt immer ruhiger wird. Der andere Weg ist aber, einen Investor zu finden, der bereit ist, hier und heute Geld in ein Einkaufszentrum zu investieren, das eine deutliche Verbesserung der Sortimentsstruktur u.?a. in den Bereichen Sportartikel, Spielwaren und Unterhaltungselektronik erzeugt, damit Kaufkraft in die Stadt Gotha zurückholt, die Kinolandschaft in Gotha modernisiert, eine Baulücke schließt und 600 Parkplätze in der Innenstadt anbietet. Dazu muss dieser Investor bereit sein, einen weiteren Fußgängerüberweg über die Gartenstraße anzulegen, die Remstädter Straße, Moßlerstraße, den Schützenberg und den Bertha-von-Suttner-Platz verkehrsgerecht umzubauen und gemeinsam mit unseren Innenstadthändlern für den Einkaufsstandort "Gotha-Innenstadt" zu werben. Und das alles muss durch ihn selbst finanziert werden. 

Das Ergebnis dieser Bürgerbefragung wird den Stadträten vor einer Beschlussfassung zu dem geplanten Vorhaben zur Kenntnis gegeben. Sie können damit das Meinungsbild der Bürger in ihre eigene Entscheidung einfließen lassen. 


Weitere Informationen

Bürgerbeteiligung zum Bau der Residenzgalerie an der Gartenstraße

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