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Gotha im 20. Jahrhundert

Josef Ritter von Gadolla (1897 – 1945)
Josef Ritter von Gadolla (1897 – 1945)

Im Jahre 1910 wurde mit dem Bau einer Luftschiffhalle Gothas Ruf als Fliegerstadt begründet. Diese Episode war jedoch schnell beendet, nachdem auch Gothaer Flugzeuge – die berüchtigten "GothaTauben" – viel Leid im 1. Weltkrieg verbreitet hatten. Ein Ergebnis des Krieges war die Abdankung des Gothaer Herzogs. Gotha wurde zunächst Freistaat und ab 1920 Teil des neu gegründeten Freistaates Thüringen. Die Coburger entschieden sich dagegen in einem Volksentscheid für den Anschluss an Bayern.
In Gotha, wo 1917 die USPD gegründet worden war, eskalierten im März 1920 die Kämpfe während des Kapp-Putsches. Über 100 Todesopfer waren damals zu beklagen. 1922 wurde Gotha kreisfreie Stadt und der Landkreis Gotha entstand. Inflation und Arbeitslosigkeit haben auch der Gothaer Bevölkerung schwer zugesetzt. Dies mag die Ursache für ein relativ frühes Erstarken der Nationalsozialisten in Gotha gewesen sein, die bereits 1930 eine Mehrheit im Stadtrat inne hatten.
Dem trügerischen Aufschwung, während dem neue Wohnsiedlungen entstanden und Gotha einen Anschluss an die neue Autobahn A4 erhielt, folgte ein erneuter Krieg. Der Heldentat des letzten Standortältesten Josef Ritter von Gadolla (1897 - 1945) ist es zu danken, dass Gotha vor größeren Zerstörungen bewahrt blieb. Der Retter von Gotha wurde bei dem Versuch der Übergabe Gothas an die heranrückenden amerikanischen Truppen verhaftet und in Weimar hingerichtet. Seine letzten Worte waren: "Damit Gotha leben kann, muß ich sterben!"

Mit dem Besatzungswechsel im Juli 1945 begann das wohl einschneidendste Kapitel in der Geschichte Gothas. Dies brachte der demonstrativ in Gotha abgehaltene erste Vereinigungsparteitag von KPD und SPD zur SED im April 1946 zum Ausdruck. Der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung fiel beispielsweise das 1524 gegründete humanistische Gymnasium Ernestinum zum Opfer. Es konnte erst 1991 neu gegründet werden. Auch die beiden Gothaer Versicherungsbanken sahen sich gezwungen, ihren Gründungsort in Richtung Göttingen und Köln zu verlassen.
Nur wenigen volkseigenen Betrieben gelang es, an die Vorkriegstradition anzuknüpfen. So wurde die Geographische Anstalt nach dem Weggang der Familie Perthes unter dem Markennamen "Hermann Haack Gotha" erfolgreich weiter geführt. Einschneidende verwaltungspolitische Auswirkungen hatten 1950 der Verlust der Kreisfreiheit, die Verkleinerung des Landkreises sowie die Auflösung des Landes Thüringen im Jahre 1952. Gotha war nun nur noch eine Kreisstadt mit ca. 58.000 Einwohnern im Bezirk Erfurt.

Im Rahmen des Wohnungsbauprogramms der 1960er bis 80er-Jahre entstanden vor allem im Westviertel ausgedehnte Neubaugebiete. Die Innenstadt wurde 1969 nach Verlegung der Straßenbahnlinie zur Fußgängerzone umgestaltet. Um 1980 fiel die gesamte westliche Altstadt mit ihrer mittelalterlichen Gassenstruktur dem Abrissbagger zum Opfer. Der Hauptmarkt wurde dagegen unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert. Der geplante Abriss der östlichen Altstadt konnte durch die Wende verhindert werden.
Die wachsende Unzufriedenheit mit dem SED-Regime führte auch in Gotha zu einer friedlichen Revolution. Besonnene Vertreter der evangelischen Kirche verhinderten eine Eskalation der Proteste, die sich deshalb auf Friedensgebete und friedliche Demonstrationen beschränkten. Am "Runden Tisch" stellten Vertreter der Bürgerbewegung die Weichen für die weitere demokratische Entwicklung Gothas, bis im Mai 1990 das erste frei gewählte Stadtparlament seit 1946 seine Tätigkeit aufnahm.

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