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Annette Weber: Alle Kolumnen 2017

15.07.2017, Shopping in Gotha

Frauen und Shopping gehen ja angeblich eine enge Symbiose ein, das jedenfalls versuchen uns die Medien immer wieder einzureden. Besonders beim Schuhe kaufen kennen wir Frauen ja offensichtlich keine Grenzen, weshalb ich kürzlich bei Ikea auf ein Schuhregal stieß, dass die Größe eines Lagerraums hatte. (Kleines Klischee-Gespräch am Rande unter Pärchen: Er: Da hast du endlich mal Platz für deine Schuhe. Sie: Und was mache ich mit den Stiefeln?)

Ich bin mir nicht sicher, ob die Behauptung stimmt, dass Frauen so gerne shoppen gehen. Von mir jedenfalls kann ich sagen, dass ich diesem Klischee nicht entspreche. Im Gegenteil. Ich hasse einkaufen. Ganz besonders ungerne kaufe ich Lebensmittel. An dieser Stelle muss ich noch mal auf das Kaufland in Gotha zurückkommen, in dem es ja wirklich ALLES gibt, und zwar in Hunderten von Variationen. Aber wenn ich schon vor einem Regal mit zwanzig Milchsorten stehe, und mich entscheiden muss, ob ich jetzt die H- oder die Frischmilch wähle, oder ob es die fettreduzierte, die vollfette, die Biomilch, die laktosefreie Milch, die Sojamilch oder die Babymilch sein soll, fühle ich mich wie ein Esel, der zwischen zwei Heuhaufen verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann. Ich wünsche mir einfach eine Zauberfee an meiner Seite, die mir mit einem Griff das Richtige in den Wagen packt, damit ich zur Kasse flitzen kann und den ungeliebten Einkauf so schnell wie möglich hinter mir habe.

Ich gehöre tatsächlich zu den Schnelleinkäufern dieser Weltgeschichte, habe sogar schon mal überlegt, ob ich mich für einen Eintrag ins Guinnes-Buch der Rekorde bewerben sollte.
Mein Mann leidet sehr darunter. Er kauft gerne ein und findet, dass es mit mir absolut keinen Spaß macht. Kaum betreten wir einen Laden, verschwindet er beglückt zwischen den Regalen, während ich mir gelangweilt die Beine in den Bauch stehe. Selbst beim Klamotten einkaufen geht es bei mir fix. T-Shirt ausgesucht, angehalten, nehm ich oder leg ich wieder weg. Dass ich mich stundenlang in irgendwelche Sachen quäle, passiert mir nur, wenn ich mal etwas Ausgefallenes einkaufen muss, und dann habe ich schon beim Betreten des Ladens die schlechteste Laune der Welt.

In Gotha geht es mir plötzlich anders. Nicht, was die Lebensmittel betrifft, aber das Klamotten kaufen hat plötzlich einen ganz anderen Reiz. Das liegt in erster Linie daran, dass ich mitten in der Stadt wohne und täglich an den Schaufenstern und Kleiderständern vorbeikomme. Immer wieder bleibe ich hier oder da stehen, schaue, halte an, wage mich in den Laden und verschwinde auch mal einfach so in einer Umkleidekabine, obwohl ich eigentlich gar nichts kaufen möchte.
"Können Sie nicht Ihre Waren schnell reinholen, wenn Sie mich in der Fußgängerzone sehen", bitte ich eine Verkäuferin, bei der ich schon einige Male etwas gekauft habe. "Den Teufel werd ich tun", sagt sie vergnügt. Sie hat schon so einige gute Geschäfte mit mir gemacht.

In Gotha kann man wirklich gut einkaufen. Mein Kleiderschrank ist seit der Stadtschreiberzeit verdammt angewachsen, - mit schönen Sachen aber auch mit Sachen, die ich ganz spontan gekauft habe, und die mir in Ruhe betrachtet dann doch nicht gefallen, die ich aber nicht zurückbringen kann, weil ich diese kleinen kratzigen Schilder bereits rausgeschnitten habe.
Es gibt in der Innenstadt genau das richtige Maß von Bekleidungsgeschäften, in denen ich mich nicht verliere und in denen das Preis- und Qualitätsverhältnis stimmt.
Nicht nur mir geht es so. Auch Freunde und Familienmitglieder, die mich besuchen kommen, genießen es, so gut, so gemütlich und so in Ruhe einkaufen zu können.

Sollte es also den einen oder anderen in Gotha geben, der einen Stadtschreiberjob als Steuerverschwendung einstuft, der sei beruhigt. Ich habe das verdiente Geld immer gleich wieder locker in Umsatz gebracht.

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