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Annette Weber: Alle Kolumnen 2017

11.11.2017, Ich sag tschüss

Wenn ihr diese Kolumne lest, bin ich bereits wieder zu Hause. Gestern habe ich meine restlichen Klamotten aus der Wohnung geräumt, die Wohnungsübergabe geregelt und den Schlüssel abgegeben. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Hier in Gotha hatte ich eine gute Zeit.
Da ich immer mal wieder zu Lesungen unterwegs war und auch familiär eingebunden war, hatte sich mein halbes Stadtschreiberjahr bis in den November gestreckt. So habe ich alle Jahreszeiten dieser Stadt kennen gelernt – der Herbst aber hat mir am besten gefallen. 
In so einer langen Zeitstrecke erlebt man die Besonderheiten einer Stadt, aber auch den Alltag kennen. Ich war hier einkaufen (ich sag nur: Kaufland!), ich war schick shoppen und gut essen, ich war hier wandern, Rad fahren und schwimmen, ich habe Konzerte, Ausstellungen und Vorträge besucht, ich war hier beim Friseur und sogar mal beim Arzt. Ich habe total nette Menschen kennen gelernt, ich habe Workshops gegeben und Lesungen durchgeführt, aber vor allem habe ich hier geschrieben. Die Arbeitsumgebung war klasse, und ich habe viele kreative Texte auf den Weg gebracht.
Für mich war es spannend, mal in einer ganz anderen Stadt zu sein, zu schauen, wie es ist, wenn man niemanden kennt, wenn man neue Kontakte knüpfen muss und lernt, den Alltag zu meistern. Ich fand es auch toll, mitten in der Stadt zu wohnen. Dieser Moment, in dem ich die schwere Haustür öffnete und dann fast mitten auf dem Marktplatz stand, war immer wie ein Einstieg in eine neue Atmosphäre. Das werde ich vermissen.
Wenn man geht, nimmt man immer neue Impulse mit. Ich habe mir vorgenommen, auch zu Hause wieder mehr in Ausstellungen und Museen zu gehen. Man glaubt immer, dass man die Dinge zu Hause alle kennt … aber es gibt auch da so viel zu entdecken. Einmal im Jahr muss man in ein Museum gehen, heißt meine Devise immer. Hier in Gotha hat sich diese Devise verzehnfacht, und das fand ich sehr anregend und bereichernd.
Ich fand es auch spannend, im Osten zu sein. Hier die Geschichte der DDR noch mal persönlicher erzählt zu bekommen, hat mich sehr beschäftigt. Nach wie vor finde ich, dass es hier im Osten bescheidener zugeht und auch die Preise noch deutlich moderater sind (jaja, ich weiß, die Gehälter auch!). Und natürlich beneide ich euch darum, dass eure Städte jetzt so schicke Schmuckkästchen sind, während wir uns im Westen mit den Bausünden der 70ger und 80ger Jahre rumärgern müssen.
Zuletzt muss ich doch noch eine Kritik anbringen, die mir sehr am Herzen liegt. Himmel, habt ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, wie ihr Auto fahrt? Wenn am Bertha-von-Suttner-Platz die Ampel auf Grün schaltet, glaubt man, an der Pool-Position des Autorennens von Monte Carlo zu stehen. Auch wenn man diese kurvenreiche Strecke durch den Thüringer Wald wählt oder diese Achterbahn-Strecke Richtung Bad Langensalza entlangfährt, klebt sofort ein Einheimischer an der Stoßstange, um zu beweisen, dass er sich hier besser auskennt, als ich mich mit meinem Paderborner Kennzeichen. Denkt jetzt nicht, dass ich zu den älteren Herrschaften gehöre, die mit 30 Stundenkilometer durch die Landschaft schaukeln. Ich bin viel mit dem Auto unterwegs und fahre schon auch schnell, aber bei diesen Bodenwellen hatte ich echt Angst, in den nächsten Straßengraben katapultiert zu werden. Und auch ihr einheimischen Autofahrer könnt nicht voraussehen, was hinter der Bergkuppe passiert. Ich habe jedenfalls hier auch zwei sehr schlimme Unfälle gesehen – und als ich die neuen Blitzer sah, dachte ich, das könnte in Gotha ein lukratives Geschäftsmodell sein.
Aber ich sag`s ja nur als Tipp, denn schließlich will, dass ihr alle gesund bleibt. Danke für die schöne Zeit. Und dann – bin ich mal weg.

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