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Annette Weber: Alle Kolumnen 2017

26.08.2017, Gothas Illuminaten – eine Führung mit Matthias Hey

Ich gehe über die Kreuzung des Bertha-von-Suttner-Platzes und zähle die Schritte. Sechs große Schritte sind es bis zur ersten Verkehrsinsel, sechs noch größere bis zur nächsten und sechs kleine bis zum nächsten Bürgersteig. 3 x 6! Da ist sie wieder, diese geheimnisvolle Zahl. Die Illuminaten sind unter uns, schießt es mir durch den Kopf.
Dann aber zwinge ich mich zu konzentrieren. Denn erstens ist diese Kreuzung nicht ungefährlich, und zweitens bin ich noch immer ziemlich aus den Puschen. Diese Führung mit Matthias Hey durch den Mysteriengarten hat mich irgendwie verwirrt.
Es gab bei dieser Parkbesichtigung Momente, bei denen ich dachte: Nee, das glaube ich jetzt aber nicht. Oder auch: Das will ich aber erst mal in Ruhe im Internet recherchieren. Dann aber nahm mich diese Führung so gefangen, dass ich am liebsten den Einen-Dollar-Schein behalten hätte, um mir diese kleine Eule noch mal ganz in Ruhe anzuschauen.
Aber noch mal ganz in Ruhe und von vorne. Vielleicht gehören Sie ja zu den Menschen, die noch nicht an der Führung teilgenommen haben, und Sie wissen darum überhaupt nicht, wovon ich rede. (Übrigens, wenn Sie sich diese Führung bis jetzt entgehen gelassen haben, ändern Sie das schnellstens. Glauben Sie mir, solche klugen, interessanten, witzigen, schrägen und spannenden Führungen gibt es nur selten, und ich habe mir von ganzem Herzen gewünscht, mein langweiliger Geschichtslehrer hätte nur ein Fünkchen von diesem inspirierenden Wissen gehabt, den Matthias Hey auf dieser Nachmittagsspaziergang versprühte).
Also wie versprochen ganz von vorne. Es fing damit an, dass mir einige von diesem ganz besonderen Park unterhalb des Herzöglichen Museums erzählten, der irgendwie mit den Illuminaten in Verbindung gebracht wurde. Eine Insel solle es da geben, die ein Geheimnis berge. Außerdem einen Tempel, der nicht immer zu sehen sei. Häufig ging ich dort spazieren, fotografierte und schaute mich um, aber das Geheimnis erschloss sich mir nicht wirklich.
Gott sei Dank gibt es diese Illuminatenführung mit Matthias Hey, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, der mittlerweile seit neun Jahren große Besuchergruppen durch den Park begleitet und von den Geheimnissen der Illuminaten erzählt.
Eigentlich bin ich noch im Sommerurlaub, doch Matthias Hey bietet nur im Sommer Führungen an, und so mache ich mich extra für diese Besichtigung auf den Weg nach Gotha. Wir sind eine große Zuhörerschar in allen Altersgruppen. Da die Führung kurzweilig, und neben allen Informationen auch sehr unterhaltsam ist, bleiben alle aufmerksam, sogar die Kinder.
Zunächst erfahren wir einiges über den Ordonnanzgarten, der sich an die Orangerie anschließt und in einen englischen Garten übergeht. Über Gärten und ihre Anlagen weiß ich bis dahin noch sehr wenig, und so höre ich gespannt zu.
Dann aber geht es in diesen geheimnisvollen Mysteriengarten, der von dem Freimaurer und Illuminat Ernst II angelegt wurde, der mit seiner Familie auf der Insel mitten im Park beerdigt wurde. Nur die geheimnisvolle Sphinx erinnert daran, dass sich hier ein herzögliches Familiengrab befindet.
Ansonsten schreiten wir andächtig gegen den Uhrzeigersinn von Sonnenplatz zu Schattenplatz, betrachten, wie sich die Landschaft nur nach wenigen Schritten verändert, wie die Insel nie wirklich als solche zu erkennen ist. Wir zählen die Säulen und Ornamente des kleinen Merkurtempels und erkennen immer wieder die Sprache der Illuminaten. Und spätestens als wir andächtig diese Dollarnote betrachten oder der Codierung des Barcodes nachsinnen, kriecht dem einen oder anderen Besucher ein Schauer über den Rücken. Bei mir führt es dazu, dass ich die Schritte am Bertha-von-Suttner-Platz zähle und zu der Erkenntnis komme, dass die Illuminaten längst nicht ausgestorben sind.
Aber wie sagte Matthias Hey in dem Zitat des Begründers der Illuminaten Johann Adam Weishaupt immer wieder: "Es ist nicht möglich, alles in einem Augenblick zu schauen." Und so werde ich noch mal ganz in Ruhe und allein dort spazieren gehen und mich noch einmal ein wenig erleuchten lassen.

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