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Annette Weber: Alle Kolumnen 2017

11.02.2017, Der Handglockenchor Gotha

"Besonders Spaß macht es immer erst, ein Instrument zu spielen, wenn man es in der Gruppe spielt", sagte der Musiklehrer meiner Kinder immer, und er schrieb jedem Schüler, der mehr als drei Noten auf seinem Instrument spielen konnte, eine eigene Partitur, damit er im Orchester spielen konnte. Und in der Tat war das eine große Motivation.
Wenn man in einem Handglockenchor mitspielt, ist man grundsätzlich auf die Gruppe angewiesen. Man spielt in der Regel nicht mehr als vier Handglocken, aber in der Gruppe erklingt ein ganzes Stück.
Gotha besitzt einen Handglockenchor – eine Musik, die ich noch nie vorher gesehen oder gehört habe. Auf meine vorsichtige Anfrage, ob ich mal als Zaungast zu einem Probeabend dazu kommen kann, werde ich sofort eingeladen.
Ich bin gleich fasziniert von der Musik, aber auch vom Zuschauen, von der Freude und der großen Konzentration der Spieler, von der Dynamik, mit der Chorleiter Matthias Eichhorn die Gruppe dirigiert, manchmal mitspielt, hier und da Schwachstellen wiederholen lässt und sie schließlich in das Stück integriert.
Matthias Eichhorn hat das Handglockenspiel selbst bereits als Kind gelernt und sozusagen mit der Muttermilch eingesogen, denn seine Mutter Elke Eichhorn war ebenfalls als Kirchenmusikdirektorin für die Leitung des Handglockenchores zuständig. Ihr Sohn studierte anschließend Musik in Weimar und ist heute als Dozent an der Musikhochschule Leipzig tätig. Mutter und Sohn haben mittlerweile die Rollen getauscht. Der Sohn hat die Leitung des Handglockenchores übernommen, die Mutter ist Mitspielerein.
Aber natürlich gibt es noch weitere Mitspieler, denn immerhin gibt es 61 Handglocken in fünf Oktaven zu bedienen. Jeder Spieler hat einen eigenen Platz, von wo aus er für seine Glocken im Stück verantwortlich ist. Auf diese Weise ist es auch möglich, neue Mitspieler in die Gruppe zu integrieren, denn wer Anfänger ist, kriegt zunächst die einfachen Partitursätze zugewiesen. Die Erfahrenen spielen schnellere und schwierigere Stellen und haben mitunter auch mal vier Glocken gleichzeitig in den Händen. Und genau das macht für die Spieler auch den Reiz des ungewöhnlichen Musizierens aus. Anfänger und Fortgeschrittene spielen miteinander, und jeder findet seinen Platz.
Auch ich werde in das Handglockenspiel eingeführt. Als erstes lerne ich, dass man die Glocke nicht mit der Hand anfasst. Handglocken sind aus Kupfer, und die Haut verändert mit ihren Hautpartikeln die Patina und damit auch den Klang der Kupferglocken. Also zieht man Handschuhe an, was irgendwie ziemlich vornehm aussieht. Anschließend zeigt mir eine Spielerin die Technik. Sie funktioniert nicht so einfach wie das Klingeln einer Glocke unter dem Weihnachtsbaum, sondern die Glocke wird in einer kleinen Kreisbewegung weggeführt, kurz angeschlagen und am Körper in ihrem Klang gestoppt. Man kann auch andere Klänge mit der Glocke erzeugen, wenn man zum Beispiel nur den Klöppel anschlägt oder die Glocke gedämpft auf einem Stoff stoppt, oder wenn man sie mit einem Schlegel spielt. An dieser Stelle möchte ich mich entschuldigen, wenn die Begrifflichkeiten wie Klöppel oder Schlegel nicht stimmen. Ich habe vergessen, mich nach den genauen Bezeichnungen zu erkundigen.
Ich verzichte darauf, beim Chor mitzuspielen, die Partituren sehen mir doch ein wenig zu gefährlich aus. Dafür wandere ich durch den Raum, genieße die Musik und schaue zu, wie sich die Gesichter lächelnd entspannen und jedem Mitspieler neben höchster Konzentration auch die Freude und die Liebe zur Musik anzusehen ist.
Übrigens – Handglockenchöre sind verdammt selten in Deutschland, sodass diese Form der Musik schon echt einmalig ist.
Der Handglockenchor bittet mich noch, darauf hinzuweisen, dass am 9.9. um 18.00 Uhr ein Jubiläumskonzert in der Augustinerkirche stattfindet.

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