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Annette Weber: Alle Kolumnen 2017

21.10.2017, Am schmalen Rain

„Leben in der Natur - Von Großstadtstress keine Spur
In Gotha gibt`s eine Gartenstadt - Wo jedes Haus einen Garten hat…“
„Kennen Sie eigentlich die Gartenstadt?“, fragt mich Christian Petters von der Touristikzentrale, als ich wieder einmal vorbeikomme, um in den Prospekten zu stöbern.
Gartenstadt – zunächst kann ich mit dem Begriff gar nichts anfangen, aber als Herr Petters die Siedlung beschreibt und das Buch „Gotha – 25 Jahre Altstadtsanierung“ dazu holt, erinnere ich mich, dass ich so eine Siedlung schon einmal gesehen habe. In Salzgitter. Und nun fällt mir auch ein, dass diese Siedlung ebenfalls „Salzgitter-Gartenstadt“ hieß.
Die Gartenstadt entstand nach dem 1. Weltkrieg, und hatte die Idee, dass Menschen zusammen wohnen, arbeiten und eine gelungene Infrastruktur haben sollten. Diese grüne Siedlung wurde am Rand einer Stadt gebaut, bezahlbarer und ruhiger Wohnraum für die Eisenbahner, die sich nach dem anstrengenden Schichtdienst erholen sollten. Der Garten diente zur Erholung, aber auch zum Anbau von Obst und Gemüse, Geschäfte für die Versorgung waren mitten in der Siedlung vorhanden. So traf man sich auf den Straßen, in den Gärten, beim Bäcker oder auf dem Spielplatz und ein gutes Gemeinschaftsgefühl entstand.
Herr Petters nimmt mich abends mit in die Siedlung, in der er die meiste Zeit seines Lebens gelebt hat und auch jetzt noch in der direkten Nachbarschaft wohnt. Schon als wir aus dem Auto steigen, verstehe ich, was er meint. Er beginnt nämlich, in alle Richtungen zu grüßen.
„Das ist der …, der wohnt in der 11…“, so beginnen die Vorstellungen. „Und das ist die …, die wohnt da vorne in der 1.“
Ich merke schon, hier kennt jeder jeden, und das meistens schon seit der Kindheit, denn „einmal Schmalenrainer, immer Schmalenrainer“, erklärt Herr Petters. „Wer hier aufgewachsen ist, möchte in der Regel nicht wieder weg.“
Wir treffen auf Walter Dietze, der mit Hilfe eines privaten Engagements und im Auftrag der Wohnungsbaugenossenschaft die Kulturscheune mit großem Elan renoviert hat. Auch er ist überzeugter „AmschmalenRainer“.
„Wir sind hier wie ein kleines Dorf“, sagt Dietze.
Aber der schmale Rain ist mehr als ein Dorf. Da die Häuser alle zusammenhängen und der Wohnraum der Genossenschaft gehört, ist die Siedlung nicht Opfer von Spekulation und Konkurrenz. Man spürt die Liebe und das Gemeinschaftsgefühl der Menschen füreinander.
„Wenn jemand draußen auf ein Bier sitzt, setzt man sich dazu, der eine holt noch etwas zu knabbern, der andere bringt eine Flasche Wein“, erklärt Dietze.
„Auch die Kinder kennen sich und spielen zusammen. Man muss sich keine Sorgen machen“, fügt Petters hinzu.
Kein Wunder, dass der Spielplatz in der Siedlung „Friedensplatz“ heißt.
„Gemeinschaft, das ist der Trend - Wo jeder seinen Nachbarn kennt
Wo Kinder noch vor der Haustür spiel`n - Und sich dabei ganz sicher fühl`n.“
Ich werde durch die Siedlung geführt, lerne einige Menschen kennen, fotografiere dicke Apfelbäume und bunte Blumen und bekomme einen Eindruck davon, was es heißt „AmschmalenRainer“ zu sein.  Die Siedlung ist fast vollständig renoviert und sieht eindrucksvoll und farbenfroh aus. Die Reihenhäuser verlaufen in einer Hufeisenform, die Gärten sind miteinander verbunden. Gemütlich und heimelig sieht es aus. Eigentlich könnte man die Stadtschreiberwohnung auch mal hierhin verlegen – da gibt es bestimmt viele Geschichten zu erzählen.
„Es gibt einen Platz auf dieser Welt - da fühl ich mich daheim
in Gotha in der Gartenstadt - Siedlung Am schmalen Rain“.

Einen herzlichen Dank an Herrn Petters und Herrn Dietze für die Führung. Die Texte sind übrigens Songtexte aus dem Lied „Leben mit der Natur“, das Walter Dietze komponiert und getextet hat. Es läuft im Moment in Dauerschleife in meinem CD-Recorder.

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