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Gothaer Fassadenpreis

Auszeichnung für schöne Altbaufassaden

In der gewachsenen gebauten Stadtlandschaft Gothas hat die Geschichte deutliche Spuren hinterlassen. Insbesondere die zivilisatorischen Brüche und Verwerfungen des zu Ende gegangenen 20. Jahrhunderts sind noch heute an den Gebäuden, den Stadtstrukturen, aber auch an einigen Ruinen und Baulücken in der Stadt ablesbar. Noch sind manchmal auch alte Reklameschriften oder Geschäftsnamen aus der Zeit der Jahrhundertwende um 1900 an einzelnen Fassaden zu erkennen. Selbst Hausmarken und Fassadendetails aus der mittelalterlichen Stadtepoche sind noch erhalten. Diesen einzelnen verbliebenen Relikten aus der ferneren Vergangenheit der Stadt steht jedoch nach wie vor ein großer Bedarf an Sanierung, Ergänzung oder Wiederherstellung verlorener oder beschädigter Bausubstanz gegenüber.

Gerade die Verluste und Schäden aus der Zeit des II. Weltkrieges und der daran anschließenden Phase der nur als dürftig wahrgenommenen Reparatur von Bauschäden in der Zeit der DDR haben im Gefühl der Bewohner Gothas für die Bedeutung bewahrender und architektonisch anspruchsvoller Sanierungen an Hausfassaden als prägendes Element des Stadtbildes tiefe Spuren hinterlassen. Umso eindrucksvoller - aber auch kontroverser - werden die in den 21 Jahren seit der Wiedervereinigung rasant vorgegangenen Veränderungen des Stadtbildes empfunden.

Lebhaft werden in der Öffentlichkeit nach wie vor die bereits vollzogenen und noch geplanten Veränderungen der Stadtarchitektur, wie an dem immer noch sensiblen Ort des ehemaligen Theaters, dem Jugendstil-Stadtbad, dem Winterpalais, der innerstädtischen Bebauung in der Schwabhäuser Straße etc. diskutiert. Die prägenden Veränderungen des Stadtbildes durch Fassadensanierungen betreffen jedoch über das Altstadtsanierungsgebiet hinaus das gesamte Stadtgebiet, einschließlich der Ortsteile Siebleben, Sundhausen, Uelleben und Boilstädt.

Jeweils in ihrem städtebaulichen Zusammenhang hat hier jede einzelne Fassadengestaltung einen Einfluss darauf, wie die Bewohner den Wert der Stadt oder ihres Stadtteiles empfinden.

Neben anspruchsvollen architektonischen Leistungen bei der Sanierung von Gebäudefassaden wurden auch hier dilettantische oder auch nur sparorientierte Lösungen ausgeführt. Fehlleistungen auf diesem Gebiet sind jedoch für lange Zeiträume nicht wieder korrigierbar. Die gute Absicht des Bauherren, die nicht mit dem Wirken eines erfahrenen Architekten und eines fähigen Handwerksbetriebes zusammengeht, kann leicht auch kontraproduktiv für das Stadtbild wirken.

In der Stadt Gotha ist deshalb erstmalig 2003 der Wettbewerb um den Preis für die gelungene Gestaltung einer sanierten Gebäudefassade etabliert worden. 2005, 2007 und 2009 wurde der Wettbewerb als Stadtprojekt fortgesetzt und soll in dieser zweijährigen Kontinuität als Biennale der Architektursanierung auch über 2011 hinaus weitergeführt werden.

Diese alle zwei Jahre stattfindende Auswahl der anspruchsvollsten Gestaltungen von Hausfassaden einschließlich solcher Details wie Vorgärten, Zäune, Eingänge etc. soll über eine öffentliche Bewertung das Beispielhafte auf diesem Gebiet fördern. Dabei soll einmal das Verständnis für die architektonischen, künstlerischen und historischen Qualitäten der Architektur gefördert werden, die aus der Stadtgeschichte auf uns überkommen ist. Zum anderen soll durch den Fassadenwettbewerb das durch die Geschichte geprägte individuelle Bild der Stadt erhalten werden.

Insgesamt soll mit der öffentlichen Bewertung sanierter Altbaufassaden als gelungener Architekturbeispiele das Empfinden für den Wert der anspruchsvoll gestalteten Umwelt wiederbelebt und gestärkt werden. Durch die topografische Lage, die wirtschaftlichen und politischen Zustände und die wechselnden Stilrichtungen, Gestaltungsnormen und Baugesetze der jeweiligen Entstehungszeit sind in Gotha im Wachsen der Stadt durchaus unterschiedliche Viertel entstanden wie beispielsweise die historische Altstadt, die Gründerzeitgebiete, die Neubaugebiete sowie die teils dörflich geprägten Vororte. Diese individuellen Unterschiede sollen gepflegt und erhalten werden, sie sollen auch an den Gebäudefassaden ablesbar sein. Durch die Ablesbarkeit der Geschichte wird der Stadtraum erst unverwechselbar. Geschichte ist eine Qualität, die kein Baumeister und kein Künstler schaffen kann. Nur die Zeit kann dies. Wir dürfen die prägenden Spuren der Geschichte daher nicht verwischen, unsere Umwelt wird sonst beliebig austauschbar und monoton. Nicht nostalgisches Historisieren soll jedoch Ziel des Wettbewerbs zur Fassadengestaltung sein, sondern die Erhaltung des historisch geprägten Unterschieds. Der Wettbewerb soll nicht zeitgemäße Entwicklungen verhindern, sondern will vielmehr auch hier zu einer Qualität herausfordern, die dem Vergleich zu historischen Lösungen standhält.
Wir können von den alten Fassaden lernen, welche Lebensvorstellungen frühere Generationen hatten. Am heutigen Umgang mit alten Fassaden manifestieren sich die Lebens- und Wertvorstellungen unserer Generation, wiederum mit Wirkung in die Zukunft. Die alten Fassaden sind ein Schatz, den wir hüten und bewahren müssen. Mit erneuerten Fassaden die gleiche Wertigkeit zu erreichen und gleichzeitig zeitgemäße und einfühlsame Architekturkompetenz zu zeigen, soll Ziel und Inhalt des Gothaer Fassadenpreises sein. 

Das Projekt wird durch finanzielle, sachliche und künstlerische Mitarbeit von Firmen und Einzelpersonen aus Gotha und Thüringen getragen. Hauptsponsor und Partner bei der Durchführung des Wettbewerbs ist von Beginn an die VR-Bank Westthüringen mit ihrer Gothaer Filiale in der Querstraße, in deren Kompetenzzentrum auch die Abschlussveranstaltung mit Auszeichnung der Preisträger inzwischen ihren angemessenen Rahmen gefunden hat.

Kontakt:

Stadtverwaltung Gotha
Bürgertelefon
Telefon: 03621 222-222

Anschrift: Historisches Rathaus,
Hauptmarkt 1, 99867 Gotha
Telefax: 03621 222-242
E-Mail: info@gotha.de

Öffnungszeiten Bürgerbüro:
Neues Rathaus - Ekhofplatz 24
Mo, Di, Do 09:00 - 18:00 Uhr
Mi, Fr 09:00 - 14:00 Uhr
Samstag 10:00 - 12:00 Uhr


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